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Köln/Haan
Jung, deutsch, Chef in Frankreich

Köln/Haan. Thomas Buberl wurde in Haan geboren und wuchs in Wuppertal auf. Im September übernimmt der Unternehmensberater das Steuer des französischen Versicherungskonzerns Axa. Von Georg Winters

Thomas Buberl ist das, was man gemeinhin einen steilen Aufsteiger nennt. Dass einer mit 43 Jahren Chef des zweitgrößten europäischen Versicherungskonzerns (nach der Allianz) wird, ist für sich genommen schon eine Rarität. Dass ein Deutscher überhaupt an die Spitze eines rein französischen Konzerns rückt, kommt schon einer Sensation gleich. Von Kulturrevolution ist die Rede, seit bekanntgeworden ist, dass Buberl, der in Haan geboren wurde und im bergischen Wuppertal aufgewachsen ist, im September an die Spitze der Axa rücken wird.

Es ist kaum mehr als ein Jahrzehnt her, dass der Betriebswirt Buberl seinen ersten großen Job in der Versicherungswelt antrat - bei der Schweizer Axa-Tochter Winterhur. Wie so viele andere kommt er aus der Welt der Unternehmensberatung, in seinem Fall von Boston Consulting, wo er fünf Jahre gearbeitet hat.

Das Rüstzeug hatte er an den besten Hochschulen erworben: Er studierte Betriebswirtschaft an der WHU in Koblenz, machte seinen Master an der britischen Lancaster University und promovierte an der Schweizer Elite-Schmiede St. Gallen. 2008 wurde er Chef der Schweizer Zurich-Gruppe. Und wie das so ist, wenn einer mit Mitte 30 ganz oben steht, fragen sich viele, ob der Generationskonflikt nicht programmiert sei - erst recht, wenn einer stets so jugendlich wirkt wie Buberl.

Der hat das Problem selbst klar benannt und eine glaubwürdig klingende Lösung präsentiert. "Es ist wichtig, dass ich als junger Chef meine eigene Rolle und Funktion richtig verstehe. Natürlich kann ich nicht mit der Haltung des Besserwissers auftreten. Ich verstehe mich als einer, der reinkommt und Fragen stellt. Ich muss es schaffen, die Expertisen und die Erfahrung der anderen mit meinen Ideen zu kombinieren. Es ist die gute Mischung von beidem, die eine Firma weiterbringt", hat Buberl damals gesagt.

Miteinander stark anstatt die Alten zu belehren - das sollte also Buberls Motto sein. Andererseits ist der Mann offenbar nicht zu unterschätzen. Der Axa Deutschland, die von Köln aus geführt wird, hat er in seiner Amtszeit eine Verschlankung verordnet. Unter anderem setzte er den Abbau von rund 1600 Arbeitsplätzen durch, das sind mehr als zehn Prozent der Stellen. Manche würden es Kahlschlag nennen. Zugleich treibt er die Digitalisierung voran.

So etwas trägt sicherlich nicht zu wachsender Popularität in der Belegschaft bei. Und natürlich haben auch der Austausch einer nahezu kompletten Führungsriege unter Buberls Ägide und weitere Personalwechsel Unruhe bei der Axa Deutschland ausgelöst. Aber auch die kann ja produktiv sein, und den Entscheidern in der Zentrale ist solches Führungsverhalten immer ein Indiz dafür, dass jemand ganz nach oben will.

Dort ist Buberl jetzt angekommen. In einem Konzern, der mehr als fünf Milliarden Euro pro Jahr verdient, der rund um den Globus weit mehr als 100.000 Mitarbeiter beschäftigt und 100 Millionen Kunden hat. Und in dem der Chef, egal woher er kommt, natürlich fließend Französisch sprechen muss. Die Konzernsprache beherrschen, das wird in Frankreich vermutlich noch mehr erwartet als in anderen Ländern. Für Buberl kein Problem, er nennt sein Französisch "verhandlungssicher".

Kurz nach seiner Berufung an die Spitze hat Buberl die Kultur der Meritokratie in Paris gelobt. Das bedeutet: die Herrschaft durch Verdienste. Einfach gesagt: Es kommen diejenigen nach oben, die sich durch entsprechende Leistung dafür empfohlen haben.

Sein Vorgänger bei der Axa, Henri de Castrieres, hat denn auch keine Zweifel an der Eignung seines Nachfolgers: "Er wird besser sein als ich, denn obwohl er jünger ist als ich damals, hat er schon jetzt mehr Erfahrung", sagt der 62-Jährige.

Schon bald wird Buberl mit seiner Familie nach Paris übersiedeln. Die Konzernzentrale und damit sein Büro liegen nahe dem Champs-Élysées. Schon bisher stieg Buberl am Montagmorgen immer in einen Flieger, der ihn in die französische Hauptstadt brachte, weil er neben der Verantwortung für den deutschen Teilkonzern auch jene für die globale Krankenversicherung und die Lebensversicherung innehatte. Durch den Aufstieg hört wenigstens der Pendelverkehr zwischen dem Rheinland und Paris auf. Zumindest das spart dem jungen Chef etwas Zeit. Vielleicht kommt sie seinen beiden kleinen Kindern zugute.

Quelle: RP
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