| 10.23 Uhr

Leverkusen
Kalifornien stuft Glyphosat als krebserregend ein

Kalifornien stuft Glyphosat als krebserregend ein
FOTO: dpa, jbu vfd tba
Leverkusen. Der US-Konzern Monsanto hat mit seinem umstrittenen Unkrautvernichter Glyphosat einen Rückschlag erlitten. Die Umwelt-Behörde in Kalifornien teilte mit, Glyphosat werde ab dem 7. Juli auf die Liste mit Chemikalien gesetzt, die krebserregend sein können. Dadurch könnte Monsanto gezwungen werden, Warnungen auf die Produktverpackungen zu kleben. Zugleich befeuert die Einstufung die Debatte in Europa. Die EU-Kommission hatte das Herbizid zunächst nur bis Ende 2017 genehmigt. Die Weltgesundheitsorganisation stuft den Wirkstoff als "wahrscheinlich krebserregend beim Menschen" ein. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit sieht dagegen keine Probleme. Auch in der großen Koalition sind die Minister Christian Schmidt (Landwirtschaft) und Barbara Hendricks (Umwelt) zerstritten. Die Grünen werden heute im Bundestag versuchen, die Beratung ihres Glyphosat-Antrags gegen eine Neuzulassung durchzusetzen.

Für Bayer ist das Ganze ärgerlich: Glyphosat ist einer der Kassenschlager des Monsanto-Konzerns, den die Leverkusener für 59 Milliarden Euro übernehmen wollen. Glyphosat ist der weltweit am meisten verwendete Herbizid-Wirkstoff, er wird auch auf 40 Prozent der deutschen Felder eingesetzt. Zugleich ist Glyphosat mit verantwortlich für den schlechten Ruf, den Monsanto hat.

Auch die Verhandlungen mit den Kartellbehörden ziehen sich hin. In den USA prüfen sie noch, in Europa will Bayer den Antrag auf Freigabe bis übermorgen einreichen. Dann tickt die Uhr: Die EU-Kommission muss solche Anträge binnen 90 Tagen entscheiden. Federführend ist Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager. Die Kommission hat bereits angekündigt, die Übernahme gründlich zu prüfen, sobald sie angemeldet wird. In Vorgesprächen versucht Bayer, die Bedenken zu antizipieren und Verkäufe von Beteiligungen anzubieten. Die Schweizer Syngenta zeigte sich gestern sehr interessiert an Saatgut-Töchtern, die Unternehmen wie Bayer im Zuge von Fusionen abgeben: Man sei aktiv auf der Suche, um den Saatgut-Bereich weltweit zu stärken.

(anh)
 
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Kalifornien stuft Glyphosat als krebserregend ein


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.