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Schlichtung im Kita-Streik
Atempause für die Eltern

Die Geister-Kitas von Düsseldorf
Die Geister-Kitas von Düsseldorf FOTO: Endermann, Andreas (end)
Meinung | Berlin. Im Streit um die Bezahlung für Erzieherinnen und Erzieher haben sich Verdi und die Arbeitgeber immerhin auf eine Kampfpause verständigt. Eine echte Einigung ist aber noch in weiter Ferne. Von Eva Quadbeck

Den Erzieherinnen und Erziehern geht es um mehr als um eine Lohnerhöhung oder eine üppige Einmalzahlung. Sie wollen ihren ganzen Berufsstand eine Stufe höher stellen. Angesichts der Ansprüche an ihren Job ist das nachvollziehbar.

So süß die Kleinen auch sind, der Lärmpegel in einer Kita zehrt unglaublich an den Nerven. Viele ältere Erzieherinnen sind schwerhörig und haben oft Rückenprobleme vom Heben, Bücken und auf kleinen Stühlen Sitzen.

Zudem wachsen die Ansprüche an sie: Sie sollen die Kinder fördern, in ihrer Entwicklung unterstützen, alles dokumentieren und dabei freundlich, zugewandt und geduldig sein. Die Eltern von heute sind auch nicht immer einfach: Manch einer versteht die Kita als rundum-sorglos Erziehungsservice und stellt hohe Ansprüche - außer an das Einhalten der Abholzeiten.

Die Kehrseite: Viele Mütter und Väter zerreißen sich ohnehin zwischen Job und Zuwendung für ihre Kinder. Wenn die Kita wegen Streik schließt, werden sie überall zu Bittstellern: bei Nachbarn, Freunden, Großeltern, Arbeitgebern und Kollegen. Die Arbeitsniederlegungen der Kita-Angestellten treffen auf jeden Fall die Falschen. Anders als wenn Unternehmen bestreikt werden, spüren die Kommunen durch die Ausstände nur wenig Druck. Die Eltern, die im Spagat zwischen Kinderbetreuung und Job stehen, haben ohnehin keine Kraft mehr noch großen öffentlichen Druck zu erzeugen.

Umso wichtiger ist es, dass die nun angesetzte Schlichtung gelingt. Wie lange die Friedenspflicht dauern soll, ist noch offen, wahrscheinlich nicht mehr als zwei Wochen. Das heißt für die Eltern, dass sie nur eine kurze Atempause haben. Selbstverständlich müssen die Erzieher besser bezahlt werden und eben auch über mehr Geld die gesellschaftliche Anerkennung spüren, die ihnen ideell auch heute schon zu Teil wird.

Doch kann man keinen Sprung in eine andere Gehaltsklasse mit dem Hinweis fordern, dass der Arbeiter in der Autoindustrie ja auch mehr verdiene. Da werden Äpfel mit Birnen verglichen, die Fertigung eines Produkts mit der Erfüllung einer öffentlichen Aufgabe.

 

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