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Berlin
Konzerne auf der Suche nach Spitzen-Frauen

Berlin. Von nun an müssen 30 Prozent der Aufsichtsräte Frauen sein. Von Antje Höning

Das neue Jahr soll nach dem Willen der Bundesregierung das Jahr der Frauen werden. Denn die lange umstrittene, nun aber in Gesetzesform gegossene Frauen-Quote ist ab jetzt gültig. Damit sollen mehr Frauen in die Aufsichtsräte und Vorstände der Unternehmen einziehen.

Das Regelwerk mit dem sperrigen Namen "Gesetz für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern in Führungspositionen" verpflichtet rund 100 börsennotierte, mitbestimmungspflichtige Unternehmen, mindestens 30 Prozent der Aufsichtsratsposten mit Frauen zu besetzen. Damit das Ganze besser wirkt als die gescheiterte Selbstverpflichtung, gibt es Sanktionen: Wird der Anteil nicht erreicht, bleibt der Stuhl, der eigentlich für eine Frau vorgesehen war, leer. Das heißt: Die betroffene Kapital- oder Arbeitnehmerseite hat entsprechend weniger Stimmen, was bei strittigen Fragen zum Machtverlust im Aufsichtsrat führen kann.

Grundsätzlich muss jede Seite für sich die Quote schaffen. Bislang tut sich vor allem die Kapitalseite schwer, genug Frauen zu gewinnen. Entsprechend ist um in Frage kommende Frauen bereits ein Wettrennen entbrannt. Managerinnen wie Ann-Kristin Achleitner, Renate Köcher oder Simone-Bagel Trah können sich vor Anfragen kaum retten. Aktuell sind nur 18,9 Prozent der Aufsichtsräte Frauen. Nur fünf von 160 Aufsichtsrats-Chefs sind weiblich. Zu ihnen zählt Simone Bagel-Trah, die den Henkel-Aufsichtsrat führt und auch Bayer kontrolliert.

Und nicht nur in die Kontrollgremien sollen mehr Frauen: Rund 3600 Unternehmen sollen sich Zielvorgaben für den Frauenanteil im Vorstand und in zwei weiteren Führungsetagen setzen und diese veröffentlichen. Damit will der Bund öffentlichen Druck auf die Unternehmen ausüben. Allerdings gibt es hier keine Sanktionen, falls die Zielvorgaben nicht erfüllt werden. Bislang sind nur 5,8 Prozent der Vorstände weiblich, meistens sind Frauen als Personalvorstände (Henkel, Lufthansa, Post) oder Finanzvorstände (Evonik, Lufthansa) aktiv.

Um die Vorgaben für Vorstände zu erfüllen, haben die Unternehmen noch viel vor sich. Viele Dax-Konzerne werden bisher allein von Männern geführt: In den Vorständen von Eon und RWE, der Commerzbank, von Fresenius und ThyssenKrupp gibt es bislang keine Frau. Bei Bayer ist die erste Frau gerade eingezogen.

Allerdings wollen die Unternehmen auch nicht die Fehler der ersten Runde wiederholen. Um die Quote abzuwehren, hatten vor rund fünf Jahren Konzerne viele Frauen geholt, die vorzeitig aufgaben: Eon (Regine Stachelhaus), Siemens (Brigitte Ederer. Barbara Kux), Post (Angela Titzrath), Conti (Elke Strathmann), Telekom (Marion Schick) und SAP (Angelika Dammann). Berater empfehlen den Konzernen dringend, stärker Frauen im mittleren Management zu fördern, aus dem dann die weibliche Vorstände rekrutiert werden können.

Quelle: RP
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