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Gesundheit wird teurer
Kassen warnen vor Kostenanstieg

IGel-Hilfe: Selbst zahlen, oder nicht?
IGel-Hilfe: Selbst zahlen, oder nicht? FOTO: dpa, Patrick Pleul
Berlin. Die aktuellen Reformen im Gesundheitswesen sorgen für zusätzliche Ausgaben der Krankenkassen. Die AOK fordert ein Umdenken. Das Gesundheitssystem soll stärker nach Qualität ausgerichtet werden. Von Eva Quadbeck

Die Kosten für das Gesundheitssystem galoppieren der allgemeinen wirtschaftlichen Entwicklung davon. Die Ausgaben für Kliniken, Arzneimittel und Arzthonorare steigen viel schneller als die Preisentwicklung insgesamt. So müssen Kassenpatienten in den kommenden Jahren mit steigenden Beiträgen rechnen.

Wie aus einem noch unveröffentlichten Beitrag des Magazins des AOK-Bundesverbandes "G+G" hervorgeht, betrug die Steigerungsrate der Ausgabe von 2012 bis 2014 pro Jahr 5,5 Prozent. "Rein theoretisch ergäbe sich bei diesem Tempo im Jahr 2030 ein Finanzierungsbedarf von fast 500 Milliarden Euro", heißt es in dem Beitrag, der unserer Zeitung vorliegt. Zum Vergleich: Im Jahr 2014 sind die Ausgaben der Kassen erstmals auf mehr als 200 Milliarden Euro gestiegen.

Aktuell rechnet der Spitzenverband der Krankenkassen damit, dass der durchschnittliche Beitragssatz von derzeit 15,5 auf 16,4 Prozent steigen könnte. Die Versicherten würde dieser Anstieg empfindlich treffen. Denn seit Beginn dieses Jahres gilt die gesetzliche Neuregelung, wonach Beitragserhöhungen der Krankenkassen nicht mehr paritätisch zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern aufgeteilt werden, sondern allein von den Versicherten finanziert werden müssen. Der Beitragssatz bleibt für die Arbeitgeber bei 7,3 Prozent eingefroren.

Die Krankenkassen sind in den vergangenen Jahren in relativ ruhigem Fahrwasser geschippert, weil sie enorm hohe Einnahmen erzielt haben. Der durchschnittliche Beitragssatz, den der Gesetzgeber in den vergangenen Jahren festlegte, war sehr hoch angesetzt. Zudem hat die gute Lage am Arbeitsmarkt üppige Summen in den Gesundheitsfonds gespült. Aktuell betragen die Rücklagen der Krankenkassen noch 15 Milliarden Euro. Angesichts dieser komfortablen Finanzsituation ist noch nicht zu spüren, in welchem Ausmaß die Ausgaben gestiegen sind. Zudem haben die vollen Kassen die Politik leichtsinnig gemacht und den Versicherten eine Reihe von Gesetzen beschert, die die Ausgaben weiter in die Höhe treiben werden. Dazu zählen unter anderem das Präventionsgesetz, die Krankenhausreform, das Gesetz zur Digitalisierung des Gesundheitswesens und auch das Hospiz- und Palliativgesetz.

"Für die Versicherten bleiben unter dem Strich schnell steigende Ausgaben bei ungelösten Versorgungsproblemen", schreiben die Autoren des G+G-Beitrags. Sie fordern einen "qualitätsbasierten Strukturwandel" und sehen die geplante Krankenhausreform als Chance für diesen Ansatz. Auf Akzeptanz kann aus ihrer Sicht nur eine Reform stoßen, die den Patientennutzen in den Mittelpunkt stelle.

Aktuell gibt es bei den Kliniken den Trend, möglichst viele verschiedene Leistungen anzubieten, um so möglichst viele Fallpauschalen abrechnen zu können. Die Folge ist, dass manche Kliniken bei bestimmten Operationen oder Behandlungen nur eine sehr niedrige Fallzahl anbieten. Wenn die Krankenhäuser aber nur wenig Routine für bestimmte Fälle haben, leidet die Qualität. Ein Beispiel sind Frühgeborene mit weniger als 1250 Gramm Geburtsgewicht. "Die Wahrscheinlichkeit, dass diese Babys sterben, liegt bei Kliniken mit weniger als 15 Fällen pro Jahr um 87 Prozent höher als bei Krankenhäusern, die mehr als 45 Frühchen pro Jahr versorgen", heißt es in dem Beitrag. Die Krankenhausreform sieht vor, dass sich die Kliniken stärker spezialisieren. Dies würde den Patienten helfen und ökonomisch zugleich dafür sorgen, dass nicht zu viele Kliniken in teure Ausstattung investieren, die sie nur für wenige Fälle benötigen.

Quelle: RP
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