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Düsseldorf
Krankmeldung: Worauf Arbeitnehmer achten müssen

Düsseldorf. Wer länger als drei Tage krank ist, braucht spätestens am vierten Tag ein Attest. Manche Arbeitgeber verlangen es auch früher. Von Andreas Kunze

Viele sind krank. Wen es erwischt hat, der bleibt besser zu Hause. Bei der Krankmeldung müssen Arbeitnehmer einiges beachten.

Wann muss der Arbeitnehmer eine Krankmeldung einreichen? Er ist verpflichtet, dem Arbeitgeber die Arbeitsunfähigkeit und deren voraussichtliche Dauer "unverzüglich" (ohne schuldhaftes Verzögern) mitzuteilen, bestimmt das Entgeltfortzahlungsgesetz. Also am selben Tag, etwa per Anruf oder Mail. Über die Erkrankung selbst müssen keine Angaben gemacht werden.

Wann ist ein ärztliches Attest notwendig? Die so genannte Arbeitsunfähigkeits-Bescheinigung (AUB) ist laut Entgeltfortzahlungsgesetz notwendig, wenn die Krankheit länger als drei Kalendertage dauert. Sie muss dann am vierten Tag vorliegen. Dabei kommt es auf die Kalendertage an, nicht auf die Arbeitstage. Wer etwa am Freitag zu Hause bleibt, muss dafür sorgen, dass der Arbeitgeber bereits am Montag die AUB vorliegen hat.

Ein Arbeitgeber kann ein Attest aber auch schon früher verlangen (Paragraph 5 Abs.1 Satz 3 EFZG). Ein besonderer Grund muss dafür laut aktueller Rechtsprechung nicht vorliegen. Auch per Tarifvertrag kann die Vorlage einer Arbeitsunfähigkeits-Bescheinigung ab dem ersten Tag zur Pflicht gemacht werden (Bundesarbeitsgericht, Az: 5 AZR 112/02)

Darf der Arbeitgeber die Erkrankung überprüfen? Ja, er darf Mitarbeiter dafür zu Hause besuchen, er kann auch einen Detektiv anheuern. Üblicher ist, dass die Krankenkasse eingeschaltet wird, die dann eine Untersuchung über den "Medizinischen Dienst" veranlasst. Erkenntnisse über die Krankheit dürfen aber weder Krankenkasse noch Medizinischer Dienst weiterleiten.

Muss ein Kranker stets zu Hause bleiben? "Nein, er kann grundsätzlich alles tun, was der Genesung nicht schadet", sagt die Düsseldorfer Arbeitsrechtlerin Katia Genkin. "Je nach Erkrankung darf ein Krankgeschriebener also zum Beispiel im Supermarkt einkaufen gehen oder auch Spaziergänge machen", so Rechtsanwältin Genkin weiter.

Eine Reise kann erlaubt sein, wenn ein Arzt dem Mitarbeiter zwecks Heilung dazu geraten hat (BAG, Az: 2 AZR 358/85). Es kann auch in Ordnung sein, dass Angestellte eine Zugreise machen. Jedenfalls dann, wenn die Fahrt die Genesung nicht beeinträchtigt, urteilte das Hessische Landesarbeitsgericht in einem jüngeren Urteil (Az: 18 Sa 695/12).

Wenn hingegen jemand mit einer schweren Bronchitis in einer verrauchten Kneipe sitzt, wird es kritisch: Die Genesung dürfte zumindest verzögert werden.

Was droht bei vorgetäuschter Krankheit? Wer sich krankschreiben lässt, ohne krank zu sein, und dann etwa putzmunter durch die Discotheken zieht oder einem Nebenjob nachgeht, muss mit fristloser Kündigung rechnen. Ein sofortiger Rausschmiss droht auch, wenn ein Arbeitnehmer wegen eines nicht gewährten Urlaubes mit der Krankmeldung droht - und sich dann tatsächlich krank meldet. Selbst eine Arbeitsunfähigkeits-Bescheinigung reicht nicht aus, das gestörte Vertrauensverhältnis zu reparieren (LAG Köln, Az: 7 Sa 462/01).

Wie lange gibt es Lohnfortzahlung? Bis zu sechs Wochen wegen einer Krankheit. Dieser Anspruch erneuert sich, wenn der Arbeitnehmer mindestens sechs Monate nicht infolge derselben Krankheit arbeitsunfähig war oder seit Beginn der ersten Arbeitsunfähigkeit infolge derselben Krankheit eine Frist von zwölf Monaten abgelaufen ist.

Quelle: RP
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