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Köln
Ladendiebstahl durch organisierte Banden nimmt zu

Köln. Im vergangenen Jahr wurden im Einzelhandel Waren im Wert von 2,24 Milliarden Euro gestohlen, zeigt eine neue Studie. Von Laura Ihme

Der Ladendiebstahl im deutschen Einzelhandel hat im Jahr 2015 erneut zugenommen. Das geht aus der Inventurdifferenzen-Studie des Wirtschaftsforschungsinstituts EHI hervor. Demnach machten Diebstähle durch Kunden rund 55 Prozent der Inventurdifferenzen aus. Das entspricht gestohlenen Waren im Wert von 2,24 Milliarden Euro.

"Die meisten Diebstähle wurden von organisierten Banden durchgeführt. Von ihnen gibt es immer mehr, die zum Teil auch aus dem Ausland kommen", sagt Ulrike Witt vom EHI, das für die Studie Daten von 118 Unternehmen mit mehr als 20.000 Verkaufsstellen in der ganzen Bundesrepublik analysiert hat. Diese Banden stellen den Einzelhandel vor mehrere Probleme: Durch ihr professionelles Vorgehen, sind sie oft nur schwer durch Händler und Polizei zu schnappen. Ihren Tricks auf die Schliche zu kommen, ist zudem ein ständiges Katz-und-Maus-Spiel. "Kaum hat man ein bestimmtes Vorgehen enttarnt, haben sich die Diebe schon wieder etwas Neues ausgedacht", so Witt. Das kostet: Pro Jahr - so die Schätzungen des Kölner Instituts - gibt der Handel für Präventionsmaßnahmen wie Kameratechnik und Personalschulungen rund 1,3 Milliarden Euro aus. Pro Händler sind das im Schnitt 0,3 Prozent des Umsatzes.

Ebenfalls ein Problem: Durch die oft verlängerten Öffnungszeiten (im Lebensmittelhandel sogar unter der Woche vielerorts bis Mitternacht) und den in diesen Zeiten niedrigeren Personalbesetzungen, ist es Mitarbeitern oftmals nicht möglich, die gesamte Verkaufsfläche im Auge zu behalten. Dass in vielen Läden auch Selbstbedienung herrscht, ermutigt viele Täter noch zusätzlich zum Ladendiebstahl.

Was die Diebe am liebsten einstecken, hat das EHI nach Branchen erhoben: Im Supermarkt werden vor allem Parfüms, Kosmetika, Rasierklingen, Tabak, Alkohol und Zeitschriften, aber auch Kaffee und Babynahrung geklaut. Beim Bekleidungshandel sind es vornehmlich Accessoires wie Gürtel und Tücher sowie teure Damenmarken und Funktionskleidung. Im Elektronik-Bereich sind Smartphones samt Zubehör, aber auch Druckerpatronen und Speicherkarten ein beliebtes Diebesgut und im Baumarkt werden meist Akku-Schrauber, Werkzeuge und LED-Technik gestohlen.

Zu den Dieben gehören allerdings nicht immer nur Einzeltäter und Banden: Auch Mitarbeiter und Zulieferer verursachen Schäden in Millionenhöhe. So schätzt das EHI, dass auch im vergangenen Jahr wieder zusätzliche 810 Millionen Euro Warenwert durch Diebstähle von Mitarbeitern verloren gingen. Weitere Waren im Wert von 340 Millionen Euro gingen zudem durch diebische Lieferanten und Servicekräfte verloren. Diese Zahlen zu minimieren, ist das große Ziel des Handels. Und dafür wird er in Zukunft laut Prognosen vor allem weiter in Überwachungstechnik investieren.

Quelle: RP
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