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Berlin
Landärzte sollen mehr verdienen
Berlin. In dünn besiedelten Regionen und in städtischen Problemvierteln herrscht heute schon Ärztemangel. Aufgrund der Altersentwicklung der Bevölkerung könnte er sich in Zukunft noch verschärfen. Die Bundesregierung will mit einem neuen "Versorgungsgesetz" dem entgegenwirken. Von Eva Quadbeck

Gesundheitsminister Philipp Rösler hat sich zum Ziel gesetzt, dass gesetzlich Versicherte in Zukunft schnell und unkompliziert einen Arzt aufsuchen können. Vor dem Hintergrund, dass die niedergelassenen Mediziner in Deutschland im Durchschnitt 50 Jahre alt sind, schon heute im ländlichen Raum und in städtischen Problembezirken Ärztemangel herrscht und Landärzte ihre Praxen nur schwer nachbesetzen können, ist dies nur eine von vielen Herkulesarbeiten, die der designierte FDP-Chef zu erledigen hat. Die Lösungen:

Unterversorgung Für Landärzte legt Rösler eine Art Attraktivitätsprogramm auf. Sie sollen besser verdienen können als die Kollegen in der Stadt. Bei der Organisation von Notdiensten sollen Kassen und Kassenärztliche Vereinigungen helfen. Die Bedarfsplanung für Praxen soll zielgenauer werden. Dies ist vor allem wichtig, um Mediziner auch in städtischen Problemvierteln zu halten. Wer einige Jahre in einem unterversorgten Gebiet gearbeitet hat, soll danach bei der Vergabe eines attraktiven Arztsitzes bevorzugt werden.

Überversorgung Die Kassenärztlichen Vereinigungen haben künftig ein Vorkaufsrecht bei Arztpraxen, um Sitze in überversorgten Gebieten abzubauen. Dies gilt allerdings nicht, wenn der Mediziner die Praxis an ein Kind, Ehegatten oder Lebenspartner vererben möchte. Dem AOK-Bundesverband ist das nicht genug. Vize-Chef Jürgen Graalmann sagt: "Was fehlt, sind durchschlagende Ideen, wie man von den hohen Ärztezahlen in den Städten und Ballungsräumen runterkommt."

Nachwuchs Die Auswahl der Medizinstudenten soll künftig nicht mehr vor allem danach erfolgen, wer das beste Abitur hat. Vielmehr sollen Studenten mit echter Motivation für den Arzt-Job gefunden werden. Zudem soll die Zahl der Studierenden erhöht werden. Denn immer mehr Ärzte wechseln später in alternative Berufe oder gehen ins Ausland.

Ärztinnen Niedergelassene Medizinerinnen, die Mutter werden, dürfen sich künftig zwölf statt bislang sechs Monate vertreten lassen. Bei der Nachbesetzung von Vertragsarztsitzen sollen Kindererziehungszeiten künftig berücksichtigt werden.

Terminvergabe Eine Termingarantie beim Arzt, wie es die CDU für das Versorgungsgesetz gefordert hatte, ist vom Tisch. Es gibt nur eine eher unverbindliche Aufforderung an die Krankenkassen, Versicherte zu unterstützten, wenn sie Schwierigkeiten haben, einen Arzttermin zu bekommen. Es wird auch keine Regelung für Zwei-Bett-Zimmer in Kliniken geben.

Quelle: RP
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