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Köln
Lanxess schafft die Wende

Köln. Der Chemiekonzern hat sich gesundgeschrumpft und sucht nach weiteren Sparmöglichkeiten. Zugleich macht sich Lanxess unabhängiger vom Kautschuk-Geschäft: Am 1. April startet das Joint Venture Arlanxeo. Von Antje Höning

Die Lanxess-Aktie ging gestern mit einem Minus von 3,5 Prozent als schwächster M-Dax-Wert in den Tag. Die Anleger waren enttäuscht vom vorsichtigen Ausblick für das Jahr 2016. Doch Lanxess-Chef Matthias Zachert bleibt gelassen und ist entspannt wie nie. Schneller als vom Management erwartet und behutsamer als von den Arbeitnehmern befürchtet hat der Halbmarathon-Läufer den Chemiekonzern umgebaut.

Bereits zum 1. April geht das Joint Venture Arlanxeo an den Start, in das Lanxess seine Kautschuk-Aktivitäten ausgliedert. Hinter dem Zungenbrecher verbirgt sich ein Unternehmen mit 3,1 Milliarden Umsatz und 3800 Mitarbeitern. Als Partner konnte Zachert Saudi-Aramco, den größten Erdöl-Produzenten der Welt, gewinnen, beide halten jeweils 50 Prozent an Arlanxeo. Schneller als erwartet haben die Kartellbehörden dem Deal zugestimmt.

Damit gibt Lanxess zwar die Hälfte seines Gewinns ab, wird aber auch unabhängiger vom konjunktursensiblen Kautschuk-Geschäft. Lanxess ist Weltmarktführer bei synthetischem Kautschuk, der für Autoreifen verwendet wird, hatte sich aber unter Zacherts Vorgänger Axel Heitmann viel zu einseitig darauf ausgerichtet. Heitmann musste 2014 gehen, die Probleme blieben. Immer neue Werke wurden weltweit eröffnet, das vergrößerte die Überkapazitäten. Zachert geht davon aus, dass diese Lage auf dem globalen Kautschuk-Markt noch etwa zwei bis drei Jahre schwierig bleiben wird. "Doch nun ist das Risiko des Geschäfts auf zwei Schultern verteilt", sagt Zachert. Und irgendwann werde die wachsende Nachfrage auch wieder alle Kapazitäten auslasten.

Die Zentrale von Arlanxeo liegt im niederländischen Maastricht, die vierköpfige Arlanxeo-Führung wird mit zwei Lanxess- und zwei arabischen Managern besetzt. Geführt wird das neue Unternehmen vom Niederländer Jan Paul de Vries. Die deutschen Gesellschaften zur Kautschuk-Produktion bleiben in einer GmbH. Stellenabbau soll es nicht geben. Die Holding in Maastricht soll nur 15 bis 20 Mitarbeiter haben.

In Kürze überweisen die Araber 1,2 Milliarden Euro nach Köln. Das Geld soll für Investitionen, den weiteren Schuldenabbau und Aktienrückkauf genutzt werden. "Wir können nicht ausschließen, dass wir Strafzinsen darauf zahlen müssen, versuchen das aber zu vermeiden", sagt Zachert. Für Vermögen von Geschäftskunden verlangen immer mehr Banken eine Strafgebühr.

Lanxess will vor allem bei der Verschuldung wieder aus dem roten Bereich kommen und wieder nach vorne schauen. "Bei der Konsolidierung der Branche wollen wir aktiv dabei sein", sagt Zachert. Bis zu eine Milliarde Euro könne das Unternehmen nun für Zukäufe einsetzen. "Wir schauen uns auf mittelgroßen Märkten um." Jenseits von Kautschuk stellt Lanxess Vorprodukte für die Bauindustrie und Spezialchemikalien für Landwirtschaft und Lederindustrie her. Durch die Branche rollt gerade eine gewaltige Fusionswelle, die US-Riesen Dupont und Dow Chemical wollen zusammengehen, Chinesen wollen Syngenat übernehmen.

Kraft für neue Investitionen schöpft Lanxess auch aus einem erfolgreichen Jahr 2015. Der Gewinn (Ebitda) erhöhte sich um elf Prozent auf 885 Millionen Euro. Dazu trugen neben dem billigen Ölpreis und dem starken Dollar auch das Sparprogramm bei. Lanxess hat weltweit 1000 Stellen abgebaut (davon 500 in Deutschland) und beschäftigt nun 16.200 Mitarbeiter.

Von der guten Bilanz sollen auch die Aktionäre etwas haben. Lanxess erhöht die Dividende um 20 Prozent und will nun 60 Cent je Aktie zahlen. Immerhin, denn die Kursentwicklung ist weiter enttäuschend. Seit August hat die Lanxess-Aktie ein Viertel ihres Wertes verloren.

Quelle: RP
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