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Zentrale schumpft
Lanxess will bis zu 1200 Stellen streichen

Zentrale schumpft: Lanxess will bis zu 1200 Stellen streichen
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Exklusiv | Köln/Leverkusen. Im Zuge des Programms "Let's Lanxess again" will der Chemiekonzern Arbeitsplätze in der klassischen Verwaltung und der zentralen Forschung streichen. Betroffen sind vor allem Köln und Leverkusen. Von Antje Höning

Der Chemiekonzern Lanxess muss weiter sparen. Im Rahmen seines Sparprogramms "Let's Lanxess again" will der Konzern mehrere hundert Arbeitsplätze in Verwaltung, Service und zentraler Forschung streichen, wie unsere Redaktion aus Konzernkreisen erfuhr. Alles zusammengenommen, könnten bis zu 1200 Stellen wegfallen. Dabei setze man auf freiwilliges Ausscheiden der Mitarbeiter über Vorruhestandsregelungen und Abfindungen. Wenn aber hierüber nicht genug Stellen zusammenkommen, seien als ultima ratio auch betriebsbedingte Kündigungen nicht ausgeschlossen, heißt es.

Heute findet eine Verhandlungsrunde mit dem Team um Personalvorstand Rainier van Roessel und den Betriebsrats-Spitzen statt. Auch der Aufsichtsrat befasst sich nächste Woche mit Lage und Zukunft des Konzerns. Auf dem Medien- und Kapitalmarkttag am 6. November will Lanxess-Chef Matthias Zachert Investoren und Öffentlichkeit informieren. Der Lanxess-Sprecher wollte Zahlen und Details des Sparprogramms nicht kommentieren. "Nähere Informationen gibt es am 6. November", sagte er.

Grundsätzlich schaut sich der Konzern, der weltweit 17 500 Mitarbeiter beschäftigt, die Lage an allen Standorten an. Naturgemäß besonders betroffen ist Leverkusen, das mit 3300 Mitarbeitern der größte Lanxess-Standort weltweit ist. Aber auch Köln steht im Fokus, wo 900 Mitarbeiter beschäftigt sind. Lanxess hatte im Jahr 2013 seinen Konzernsitz von Leverkusen nach Köln verlegt, um auch räumlich aus dem Schatten der früheren Mutter Bayer herauszutreten. Unter dem Namen Lanxess hatte Bayer 2004 die Chemie-Bereiche Kautschuk, Pigmente und Teile der Agrarchemie ausgegliedert. Seit 2012 ist Lanxess im Dax. Der Umbau des früheren Lufthansa-Turms am Kölner Rheinufer zur Zentrale sei, geblendet vom Boom, viel zu großzügig ausgefallen, heißt es selbstkritisch im Konzern. Der frühere Lanxess-Chef Axel Heitmann, der im Februar abrupt gehen musste, habe es eben gerne üppig gehabt. Das gelte sowohl für die Räume als auch für die Personalausstattung in der Zentrale. Das könne man sich heute nicht mehr leisten.

Das Sparprogramm zielt nicht nur auf die Mitarbeiter in der klassischen Verwaltung (wie im Rechnungs- oder Personalwesen), sondern auch auf Service-Funktionen, die zentrale Forschung und Entwicklung sowie Marketing. Ausgenommen soll die Produktion bleiben. Auch stehe nicht die Schließung von Standorten an. Das Umbauprogramm besteht aus drei Stufen: In der aktuellen geht es um die Wettbewerbsfähigkeit der Geschäfts- und Verwaltungsstruktur, in der zweiten um die operative Wettbewerbsfähigkeit und in der dritten um das Geschäftsportfolio.

In Gewerkschaftskreisen heißt es: "Die Verhandlungen sind in der Sache hart, schließlich geht es um viele Menschen. Der Umgangston ist aber ordentlich". Die Lanxess-Führungskräfte hätten bereits mit hunderten Mitarbeitern Gespräche geführt, um sie zum freiweilligen Ausscheiden zu bewegen.

Der Konzern lockt Mitarbeiter mit einem Vorruhestands-Programm ab 58 Jahren und großzügigen Abfindungen. Im Schnitt soll die Abfindung bei einem Monatsgehalt pro Beschäftigungsjahr liegen. Doch in der Spitze seien auch bis zu 1,4 Monatsgehälter möglich.

Mit den aktuellen Verhandlungen wird das im Sommer angekündigte Sparprogramm konkret. Damals hatte Lanxess mitgeteilt, dass der Vorstand im Zuge der Neuausrichtung ein konzernweites Restrukturierungsprogramm eingeleitet habe. Vor allem die hohen Verwaltungskosten und die einseitige Konzentration auf Kautschuk, der für Autoreifen verwendet wird, gelten als Problem. Denn damit ist der Kölner Konzern übermäßig stark an die konjunktursensible Autobranche gebunden.

Quelle: RP
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