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Düsseldorf
Lieferdienst per Roboter

Düsseldorf. Mit Skype haben Ahti Heinla und Janus Friis die Video-Telefonie revolutioniert, ihr neuestes Projekt ist ein selbstfahrender Liefer-Roboter. Er soll den Drohnen-Projekten von Amazon und Google Konkurrenz machen. Von Katrin Haas

Er sieht aus wie ein Bruder von R2-D2, dem Roboter aus dem "Star Wars"-Universum von George Lucas. Doch auch wenn er von einem Start-up mit Namen Starship stammt, ist er nicht in den Weiten des Universums, sondern auf irdischen Bürgersteigen zu Hause. Er und andere elektronische Heinzelmännchen sollen den Paketlieferdienst ablösen. Eine Vision, die in fünf, vielleicht aber auch zehn Jahren Realität wird?

Bislang sieht der Alltag anders aus: Die letzten Meter bis zur Haustür des Kunden sind ein großes Problem für die Logistikbranche, aber auch für die Städte und Gemeinden: Lieferwagen verstopfen die ohnehin überlasteten Straßen, der Lieferant klingelt oft vergeblich beim Kunden.

Der Starship Roboter ist der Gegenentwurf zur Lieferung von Paketen per Drohne. Der Onlinehändler Amazon und der Internetriese Google forschen an dieser Möglichkeit. Der Google-Mutterkonzern Alphabet will ab 2017 Waren in den USA mit Drohnen ausliefern. Die Deutsche Post hat ebenfalls Drohnen getestet und installiert bereits Paketkästen für DHL-Kunden in Ein- und Zweifamilienhäusern. Andere Paketzusteller wollen 2016 anbieterunabhängige Paketboxen für Mehr- und Einfamilienhäuser herausbringen.

Der Starship-Roboter macht ihnen Konkurrenz. Hinter der Idee stecken zwei der Skype-Gründer: der dänische Unternehmer Janus Friis und der aus Estland stammende Programmierer Ahti Heinla. Ihr Roboter fährt auf sechs Rädern, ist etwa 66 Zentimeter lang, 53 Zentimeter breit und 55 Zentimeter hoch. Neun Kameras nehmen die Umgebung auf und warnen das System vor Fußgängern, Autos oder Laternenpfählen. Trotzdem soll der neue Postbote nicht zu viel kosten: Die Kameras verfügten nur über eine geringe Auflösung und seien daher nicht teuer, argumentiert das Unternehmen. Außerdem ist hauptsächlich Technologie aus Smartphones verbaut: Mikrofone, Lautsprecher, Prozessoren.

In die Transportbox passt der Inhalt von zwei Einkaufstaschen, sie wäre also eher für kleine bis mittlere Pakete geeignet. Der Roboter könne pro Tag etwa zehn Lieferungen zustellen, sagt der Geschäftsführer von Starship Technologies, Allan Martinson.

Der elektronische Heinzelmann ist die ganze Zeit mit dem Internet verbunden, so dass Techniker im Zweifel in schwierigen Situationen die Kontrolle übernehmen können. Das Gerät fährt 6,5 Kilometer pro Stunde, ist somit schneller als die meisten Fußgänger und soll in einem Umkreis von fünf Kilometern ausliefern. Der Kunde kann den Standort des autonomen Lieferanten jederzeit per App verfolgen und mittels Identifikation per App auf dem Smartphone den Transportraum öffnen. Den Lieferzeitpunkt legt der Kunde vorher fest. Der Roboter wird in einem lokalen Lieferzentrum stationiert. Im kommenden Jahr sollen die Pilotmodelle in den USA, Großbritannien und Deutschland getestet werden. "Wir sind mit etwa 20 Unternehmen im Gespräch, darunter sind zwei potenzielle Kunden in Deutschland", sagt Martinson.

Wie praxistauglich die Idee der Skype-Mitgründer ist, muss sich erst noch erweisen. "Es wird nicht in allen Stadtteilen möglich sein", sagt Allan Martinson. In den engen Straßen der Innenstädte sei einfach zu viel Betrieb auf den Bürgersteigen. Auf dem Land dagegen wäre in Deutschland der Abstand zur nächsten Packstation des Roboters zu weit. Aber zumindest entspricht die Idee einem dringlichen Wunsch der Kunden. Sie wollen die Lieferzeit selbst bestimmen können.

Viele Unternehmen suchen nach einer Idee, um die letzten Meter bis zur Haustür besser und schneller zu überwinden. Bis auf die Paketbox von DHL sind alle Liefer-Projekte aber noch in der Planung oder in der Testphase. Und auch bis der Starship-Roboter großflächig den Dienst antritt, wird es noch dauern. Nach den Plänen des Unternehmens soll er im übernächsten Jahr serienreif sein. Zumindest bis dahin bestimmen die großen Lieferwagen also weiter das Stadtbild.

Quelle: RP
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