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München
Linde plant Fusion mit US-Gase-Konzern

München. Die Deutschen sind nur noch Nummer zwei auf dem Gasemarkt. Sie machen kein Hehl daraus, dass sie dem Rivalen Air Liquide Platz eins nicht dauerhaft überlassen wollen. Die amerikanische Praxair-Gruppe soll dabei helfen.

Der Industriegase-Spezialist Linde lotet ein Zusammengehen mit seinem US-Konkurrenten Praxair aus. Das Unternehmen bestätigte gestern offiziell Verhandlungen mit dem amerikanischen Konzern. "Die Gespräche laufen und haben noch zu keinen konkreten Ergebnissen oder Vereinbarungen geführt. Entsprechend ist derzeit noch nicht abzusehen, ob es eine Transaktion geben wird", teilten die Münchner mit. Sollten die Gespräche fortgesetzt werden, wolle das Unternehmen die Öffentlichkeit entsprechend informieren, erklärte Linde.

Zuvor hatte das "Wall Street Journal" über Gespräche zwischen den Konzernen berichtet. Wie weit die Gespräche sind und welche wettbewerbsrechtlichen Hürden sich ergeben könnten, ist unklar. Klappt der Zusammenschluss, könnte ein neuer Weltmarktführer für Industriegase entstehen.

Die Nachricht sorgte gestern Morgen an der Börse für Bewegung: Die Linde-Aktie war mit ihrem Kursanstieg einsamer Spitzenreiter im Dax. Allerdings ist dem Anstieg von gestern und dem Plus von vier Prozent in diesem Jahr im Dezember 2015 nach einer Gewinnwarnung der größte Kurssturz seit 14 Jahren vorausgegangen. Im März vergangenen Jahres war der Linde-Anteilsschein noch 19 Euro wert, gegenwärtig sind es noch rund 14,20 Euro.

Praxair wurde 1907 gegründet und ist eigenen Angaben zufolge der größte Industriegase-Hersteller auf dem amerikanischen Kontinent - zwar nur mit halb so viel Umsatz wie sein deutscher Konkurrent Linde (siehe Info), aber dafür sind die Amerikaner an der Börse mehr wert als ihr möglicher neuer Partner. Ein Zusammengehen scheint Analysten strategisch sinnvoll. Linde könne sein Gasegeschäft in den Vereinigten Staaten aufwerten, wo Prax-air stärker vertreten sei, schrieben die Experten der Commerzbank. Die Amerikaner könnten im Gegenzug von Lindes Stärke auf dem Gesundheitsmarkt profitieren. Die Baader Bank sieht zudem Einsparpotenzial durch den Abbau von Überkapazitäten und geht bei einem Zusammenschluss von Synergien in einer Höhe bis zu 800 Millionen Euro aus. "Ein Zusammenschluss wäre gut für die Margen des kombinierten Unternehmens", erklärte der Baader-Analyst Marcus Mayer.

Der weltweite Gasemarkt ist in Bewegung, die Großen liefern sich ein Rennen um die Führungsposition. Linde hatte vor zehn Jahren den britischen Konkurrenten BOC übernommen und dadurch die französischen Air-Liquide-Gruppe von der Spitze verdrängt. In diesem Jahr hatte Air Liquide dann das US-Unternehmen Airgas gekauft und damit Platz eins zurückerobert. Die Franzosen kommen nun auf mehr als 20 Milliarden Euro Umsatz. Linde-Chef Wolfgang Büchele hatte jedoch schon im Mai den Führungsanspruch der Münchner betont. "Es ist unser klares Ziel, wieder Marktführer zu werden, und das ist in absehbarer Zeit erreichbar", hatte Büchele gesagt.

Kartellrechtliche Fragen bei einer Fusion von Linde und Praxair werden in Finanzkreisen als handhabbar eingestuft. Auch Air Liquide und Airgas hatten bei ihrem Zusammengehen einige Geschäftsteile abgeben müssen, damit die gemeinsame Marktmacht nicht zu groß wird. Linde beschäftigt weltweit rund 65.000 Mitarbeiter, bei Praxair sind es etwa 26.000 Beschäftigte.

(dpa)
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