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Frankfurt
Lufthansa gegen Lufthansa

Frankfurt. Das Bodenpersonal organisiert eine Kundgebung gegen den Pilotenstreik - Verdi distanziert sich aber. Von Reinhard Kowalewsky

Der Vorstandschef der Deutschen Lufthansa, Carsten Spohr, ist selbst ausgebildeter Pilot und hält überhaupt nichts vom aktuellen Streik dieser Zunft im Konzern. Dabei erhält er nun unerwartete Rückendeckung: Für heute hat der Betriebsrat des Frankfurter Bodenpersonals zu einer Demonstration gegen den Ausstand der Piloten vor der Lufthansa-Unternehmenszentrale in Frankfurt aufgerufen.

Er fordert in einem Aufruf ein schnelles Ende des "zerstörerischen Streits" und verlangt von der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC), in eine Schlichtung einzuwilligen. Die Durchsetzung von Partikularinteressen gehe auf Kosten aller anderen Kollegen. "Vielmehr muss es darum gehen, den notwendigen Konzernumbau im Sinne aller Lufthanseaten konstruktiv und in die Zukunft gerichtet zu begleiten. Tarifforderungen müssen sich den realen Marktbedingungen stellen", heißt es in dem nicht namentlich unterzeichneten Aufruf.

Öffentlich distanziert sich Verdi von der Demonstration der Boden-Belegschaft. Dabei weiß auch die Gewerkschaft, dass zu große Zugeständnisse an die Piloten am Ende zu mehr Lohndruck bei den weniger gut bezahlten Mitarbeitern führen könnten. Aber auch die Kabinengewerkschaft Ufo hält nichts von der Kundgebung. Der Aufruf sei ein "bitteres Armutszeugnis" für das Gremium, erklärte Ufo-Tarifvorstand Nicoley Baublies.

Die VC hat ihre Mitglieder für heute zu Arbeitsniederlegungen auf allen Lufthansa-Strecken aufgerufen, nachdem gestern die Kurzstrecke lahmgelegt worden war. Für heute hat die Lufthansa in einem Sonderflugplan 890 Verbindungen mit 98.000 betroffenen Passagieren gestrichen. Weitere Streiks sind nach Angaben des VC-Sprechers Jörg Handwerg jederzeit mit einem Vorlauf von 24 Stunden möglich. Bislang waren laut Lufthansa an den sechs Streiktagen seit vergangenem Mittwoch mehr als 525.000 Passagiere von insgesamt 4461 Flugausfällen betroffen.

Lufthansa und Cockpit streiten vordergründig überwiegend um die Gehälter von rund 5400 Piloten der Lufthansa, Lufthansa Cargo und der Tochter Germanwings. Die VC verlangt für einen Zeitraum von fünf Jahren Tariferhöhungen von zusammen 22 Prozent bis April 2017.

VC-Sprecher Handwerg lehnte eine Vermengung verschiedener Tarifthemen ab. Es sei auch falsch, dass die VC Einfluss auf unternehmerische Entscheidungen des Konzerns im Zusammenhang mit dem Ausbau des Billigangebots nehmen wolle. "Wir wollen die Eurowings nicht verhindern", behauptete Handwerg.

Im Vorstand der Lufthansa wird dagegen vermutet, dass die Piloten nur so hohe Gehaltserhöhungen fordern, um sich dafür zu "rächen", dass der Konzern immer höhere Kapazitäten beim Discount-Ableger Eurowings sowie bei ausländischen Tochterfirmen aufbaut, um sich so aus den sehr teuren Tarifverträgen im Kernkonzern zu befreien.

Der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) forderte zusätzliche Regeln für den öffentlichen Luftverkehr. Dem letzten Mittel des Streiks müsse zwingend eine Schlichtung vorgeschaltet werden, erklärte der Verband in Berlin.

Auch der Flughafenverband ADV verlangte neue Regeln für Arbeitskämpfe an unverzichtbaren Verkehrsinfrastrukturen. "Klientelgewerkschaften haben durch ihre Maßlosigkeit jegliche Bodenhaftung verloren. Der Schaden geht weit über Airlines und Flughäfen hinaus und trifft mittlerweile die gesamte Volkswirtschaft. Das Vertrauen in den deutschen Luftverkehrsstandort wird zunehmend beeinträchtigt", erklärte ADV-Hauptgeschäftsführer Ralph Beisel.

Quelle: RP
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