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Frankfurt
Billiges Kerosin beflügelt Lufthansa

Lufthansa-Rekordgewinn durch billiges Kerosin
FOTO: Weber
Frankfurt. Eine bessere Auslastung der Maschinen und billiger Treibstoff sorgen trotz Streiks für einen Rekordgewinn. Dieses Jahr können sich Reisende auf günstigere Tickets freuen - speziell ab Köln. Von Reinhard Kowalewsky

Wie sehr der Düsseldorfer Flughafen es bedauern muss, den Zuschlag für die Langstreckenflüge des Lufthansa-Ablegers Eurowings verpasst zu haben, zeigte sich gestern: Die Auslastung der Billigflüge ab Köln, etwa nach Kuba oder Thailand, liege bei rund 95 Prozent. Das erklärte Lufthansa-Chef Carsten Spohr bei der Bilanzvorlage des Konzerns. 90 Prozent der Kunden seien zufrieden, das Problem mit vielen Verspätungen sei gelöst. Und Köln entwickele sich zum "Umsteigeflughafen". 20 bis 30 Prozent der Passagiere wechselten die Maschine.

Auch abgesehen von diesem für NRW wichtigen Aspekt präsentierte Spohr exzellente Zahlen. Der Umsatz stieg um 6,8 Prozent auf 32 Milliarden Euro. Obwohl viele Flüge wegen des 23 Tage dauernden Streiks ausgefallen waren, flog Lufthansa mit knapp 1,7 Milliarden Euro den höchsten Gewinn der Konzerngeschichte ein. Das operative Ergebnis sprang um 55 Prozent auf 1,8 Milliarden Euro hoch.

Wichtiger Grund für den hohen Gewinn ist der sinkende Kerosinpreis, der Lufthansa rund eine Milliarde Euro an Ausgaben erspart habe, erläuterte Finanzvorstand Simone Menne. Dieses Jahr erwartet sie günstigere Ticketpreise: "Wir gehen von einem härteren Preiskampf aus, weil sich die sinkenden Ölpreise weiter auswirken."

Dabei versuchen Spohr und Menne, sich einem zu massiven Verfall der Tarife entgegenzustemmen: 15 von 615 Flugzeugen wurden gezielt ausrangiert, um die Kapazitäten zu senken. Als Ergebnis stieg die Auslastung der Maschinen erstmals seit zehn Jahren auf mehr als 80 Prozent. Nur jeder fünfte Platz bleibt damit im Schnitt frei - im Winter sind es traditionell etwas mehr, im Sommer weniger.

Die hohe Auslastung erhöhte wiederum die Rendite auf das Kapital auf 7,7 Prozent - fast doppelt so viel wie noch in 2014. Also gibt es dieses Jahr auch wieder eine Dividende - 50 Cent pro Aktie.

Die große Frage für den Konzern mit 120.000 Mitarbeitern ist nun, ob es weiter gelingt, die Kosten zu senken - und zwar im Kernbereich des globalen Fluggeschäftes unter den Marken Lufthansa, Swiss und Austrian: Größte, zweitgrößte und drittgrößte Schwachstelle seien zu hohe Kosten, sagte Spohr. Nun hofft er, mit den Gewerkschaften der Piloten und des Kabinenpersonals im Sommer neue Regelungen zu vereinbaren, um insbesondere die Altersversorgung günstiger zu machen. Er hoffe auf eine gute Lösung - aber Streiks seien nicht ausgeschlossen.

Dabei nutzt der Vorstand den Ableger Eurowings unverhohlen, um die Piloten unter Druck zu setzen: Neues Wachstum könne vorerst nur bei Eurowings stattfinden, weil da die Kosten ein Drittel günstiger seien als im Kerngeschäft, sagte Spohr.

Wohl auch darum präsentierte der gelernte Pilot überraschend den Plan, ab 2017 auch in München Flüge von Eurowings anzubieten: Die würden dann so wie von Köln-Bonn aus bei Urlaubern besonders beliebte Ziele ansteuern. Der Schritt wäre faktisch ein Unterhöhlen des Kerngeschäftes, weil München nach Frankfurt der zweite große Umsteiger-Flughafen von Lufthansa ist - Kurzstreckenflüge der Marke Lufthansa aus ganz Europa bringen die Passagiere dahin, die steigen in Jets nach Asien oder Amerika um. Der Discountflieger Eurowings ist bislang in dieses Hub-System nicht integriert.

Natürlich ging Spohr auf den Germanwings-Absturz am 24. März vor einem Jahr ein. Er spreche bewusst nicht von einem Rekordergebnis im abgelaufenen Jahr, weil Lufthansa eine Maschine mit 150 Menschen verloren habe. Jetzt sei notwendig, aus der Katastrophe die richtigen Schlüsse zu ziehen. Dabei zeigte er sich offen für Vorschläge, dass Piloten künftig auch Mittel gegen Depressionen nehmen dürfen. Wichtig sei, dass Piloten mit Problemen sich ohne jede Sorge vor Repressionen melden dürfen, damit man ihnen helfen kann. Beim Streit mit einigen Anwälten wegen der Entschädigungen für die Angehörigen hofft Spohr auf gütliche Einigungen - bietet aber (bisher) nicht mehr Geld an.

Quelle: RP
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