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Düsseldorf
Lufthansa und Ufo verhandeln wieder

Düsseldorf. Überraschende Wende im Tarifstreit der Flugbegleiter: Anstatt genaue Uhrzeiten der für morgen und übermorgen angesetzten Streiks zu nennen, ist die Gewerkschaft wieder in Gespräche mit dem Management eingetreten. Von Maximilian Plück

Eigentlich sind Geburtstage ein Grund, um ausgiebig zu feiern. Doch Nicoley Sascha Baublies, seit gestern 43 Jahre alt, hat gerade wohl andere Sorgen, als sich um die Organisation der eigenen Geburtstagssause zu kümmern. Der Chef der Unabhängigen Flugbegleiter-Organisation (Ufo) steckt in einem der wohl kompliziertesten Tarifkonflikte der Republik. Und in den ist gestern überraschend wieder Bewegung gekommen. Beide Seiten sprechen wieder miteinander.

Dabei hatte Baublies noch am Montag mit einem zweitägigen Arbeitskampf ab morgen gedroht - nur knapp zwei Wochen, nachdem das Kabinenpersonal die Lufthansa mit dem größten Streik in deren Geschichte überzogen hatte.

Für gestern hatte das Geburtstagskind Baublies den Flugreisenden Details zu den Ausständen versprochen. Damit, so zumindest die Überlegung der Gewerkschaft, wollte sie den Lufthansa-Kunden ein wenig mehr Planungssicherheit geben. Doch statt Planungssicherheit gab es am Nachmittag Signale der Entspannung. Die Ufo verzichtete auf die Bekanntgabe von Streikzeiten: "Wir befinden uns derzeit mit dem Lufthansa-Vorstand in einem Deeskalationsversuch, um die Absage dieser Streiks gegebenenfalls noch ermöglichen zu können", sagte Baublies. Weitere Informationen will die Ufo heute bekannt geben.

Es scheint so, als habe die Drohung mit einem erneuten Streik Wirkung gezeigt. Nähere Infos zu den Gesprächsinhalten wollten beide Seiten nicht geben. Jetzt soll erst einmal hinter verschlossenen Türen gesprochen werden. Auch das soll die angespannte Lage beruhigen. Denn in den letzten Tagen hatte es aufseiten der Beschäftigten Irritationen gegeben, weil das Management die Einladung zu einem Jobgipfel zunächst über die Medien verbreitet hatte, ehe die eingeladenen Gewerkschaften Ufo, Vereinigung Cockpit und Verdi informiert wurden. Vieles spricht dafür, dass die Lufthansa noch einmal ihr Angebot zur Altersversorgung nachgebessert hat. Schließlich war dies eine der zentralen Forderungen der Ufo für eine Wiederaufnahme der Gespräche.

Für Kunden heißt es aufgrund der neuen Verhandlungen erst einmal weiter zittern. Die Möglichkeit, kostenlos umzubuchen oder zu stornieren, gebe es derzeit noch nicht, sagte eine Lufthansa-Sprecherin auf Anfrage. "Wir wissen nicht, ob, wann und wo gestreikt werden soll. Es handelt sich lediglich um eine Ankündigung, nicht jedoch um einen Streikaufruf", so die Konzernsprecherin.

Während beim Tarifkonflikt mit dem Kabinenpersonal zumindest ein wenig Hoffnung aufkeimt, gab es gestern schlechte Nachrichten für den Konzern von den Kapitalmärkten. Aus Sorge vor sinkenden Gewinnen haben sich Anleger großflächig von Luftfahrtwerten getrennt. Neben den Papieren der Lufthansa verloren Aktien von Air France-KLM, der British Airways-Mutter IAG sowie der Billig-Flieger Easyjet und Ryanair bis zu vier Prozent.

Auslöser der Verkäufe waren die Buchungszahlen von Forward Keys. Dem Branchendienst zufolge wollten in der Woche nach den Anschlägen von Paris 27 Prozent weniger Menschen per Flugzeug in die französische Hauptstadt reisen als im Vorjahreszeitraum.

Quelle: RP
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