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Düsseldorf
Urlaubern droht neuer Pilotenstreik

Streik: Diese Rechte haben Sie als Flugpassagier
Streik: Diese Rechte haben Sie als Flugpassagier FOTO: Hans Blossey
Düsseldorf. Die Vereinigung Cockpit hat gestern die Sondierungen für eine Gesamtschlichtung mit der Lufthansa platzen lassen. Das Management der Fluggesellschaft hatte sich geweigert, die Konzernstrategie auf die Tagesordnung zu setzen. Von Maximilian Plück

Kunden der Lufthansa benötigen derzeit eines ganz besonders: starke Nerven. In der vergangenen Woche war in buchstäblich allerletzter Minute ein Streik der Unabhängigen Flugbegleiter-Organisation (Ufo) abgewendet worden. Den ebenfalls festgefahrenen Tarifstreit mit der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi rund um das Bodenpersonal konnte Deutschlands größte Airline zumindest bis in den August vertagen. Da platzte gestern eine neue Hiobsbotschaft herein: Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) erklärte die Sondierungen für eine Gesamtschlichtung mit der Lufthansa für gescheitert. Ein weiterer Arbeitskampf bei der Kranich-Linie ist damit programmiert.

Dabei hatte die VC zu Beginn der Gespräche vor drei Wochen erklärt, sie werde bis Ende Juli von weiteren Streiks absehen. "Die Bedingung dafür war allerdings die Gesamtschlichtung", sagte gestern ein VC-Sprecher. "Da diese nicht zustande gekommen ist, gilt auch unsere Friedenspflicht nicht mehr. Wir sind ab sofort streikbereit."

Luftfahrtexperten gehen allerdings davon aus, dass die VC mindestens noch ein bis zwei Wochen benötigen wird, um zum Arbeitskampf aufzurufen. So lange werde es wohl dauern, ehe die Gewerkschaft alle Gremien und vor allem die Mitglieder über den aktuellen Stand der Sondierungen informiert habe. Doch dann könnte es ernst werden für die Flugreisenden. Bereits zwölfmal hat die Gewerkschaft bewiesen, wozu sie in der Lage ist.

Da noch keine offizielle Streikdrohung vorliegt, gab sich die Lufthansa noch demonstrativ gelassen: "Derzeit befinden wir uns nicht in konkreten Streikvorbereitungen", sagte ein Sprecher. "Aufgrund der zwölf zurückliegenden Streikwellen der VC wissen wir aber sehr genau, wie die Abläufe funktionieren."

Nicht funktionierten dagegen die zurückliegenden Sondierungen. Dabei hätte mit dem früheren Bundesfinanzminister Theo Waigel ein erfahrener Verhandler in den Startlöchern gestanden. Offiziell bestätigt keine der beiden Seiten, dass der frühere CSU-Politiker das Amt des Schlichters hätte übernehmen sollen: Doch wie unsere Zeitung aus Konzernkreisen erfuhr, soll Waigel während der Sondierung Gespräche sowohl mit allen Beteiligten, als auch mit der jeweiligen Seite allein geführt haben. Dabei soll er dem Management dazu geraten haben, den Konflikt zur Chef-Sache zu machen. Der Lufthansa-Chef Carsten Spohr hatte mit einem Anruf bei der Ufo-Spitze den Streik in der vergangenen Woche noch abwenden können und durch seine Gesprächsbereitschaft den Weg für neue Verhandlungen geebnet. Doch dieser Anruf blieb augenscheinlich bei der VC aus.

Beide Seiten konnten sich zuvor nicht einmal auf die Inhalte der Schlichtung einigen. Während ein Lufthansa-Sprecher erklärte, es sei von Anfang an klar gewesen, dass man nur zur Schlichtung über die sechs gekündigten Tarifverträge bereit gewesen sei, wollte die VC offenbar auch über die Konzernstrategie reden: "Eine Gesamtschlichtung muss alle Themen behandeln", sagte der VC-Sprecher. Konkret geht es den Piloten unter anderem um das "Wings-Konzept". Die Lufthansa will Personalkosten sparen und hat deshalb billigere Tochtergesellschaften gegründet. Die VC fürchtet, dass die 5400 Lufthansa-Piloten nach und nach in die Billigtöchter überführt werden. "Für den Fall, dass das Wings-Konzept nicht aufgeht, müssen wir auch über Arbeitsplatzperspektiven reden - also über Regelungen für eine Rückkehr zum Konzerntarifvertrag", so der VC-Sprecher. Deshalb gehöre das Thema auch in die Schlichtung. Die Lufthansa lehnt das jedoch ab und verweist darauf, dass es sich um eine unternehmerische Entscheidung handele.

Die Anspannung für Reisende dürfte in den kommenden Tagen nicht geringer werden: Sollte sich das Kabinenpersonal bei dem für die erste Juli-Hälfte geplanten Workshop nicht mit dem Management auf eine Linie für die weiteren Tarifgespräche einigen können, wird auch die Ufo wieder zu Streiks aufrufen.

Quelle: RP
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