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Düsseldorf
Lufthansas Machtpoker in Düsseldorf

Düsseldorf. Scheinbar überraschend macht die Lufthansa Stimmung gegen den Flughafenausbau in der NRW-Landeshauptstadt. Doch bei genauem Hinschauen zeigt sich: Es geht um knallharte, eigene Interessen des global agierenden Konzerns. Von Reinhard Kowalewsky

Wohl selten hat sich ein Manager der deutschen Wirtschaft so offen gegen einen Plan eines anderen Unternehmens gestellt wie Lufthansa-Chef Carsten Spohr am Mittwoch bei einem Besuch der Wirtschaftspublizistischen Vereinigung in Düsseldorf: Der örtliche Flughafen brauche möglicherweise doch nicht mehr Kapazitäten, meinte Deutschlands wichtigster Luftfahrtmanager scheinbar uneigennützig, in Köln-Bonn seien doch sehr nahe massenhaft Kapazitäten vorhanden, um Flüge speziell von Ferienfliegern aufzunehmen. Und eher als Ergänzung sagte er dann noch, auf keinen Fall dürfe die Kapazitätserweiterung dazu führen, dass im Gegenzug Lufthansa und ihr Ableger Eurowings Maschinen spätabends nicht mehr nach Düsseldorf einfliegen dürfen.

Bei genauem Hinsehen zeigt sich aber, dass die Attacke von Spohr nicht nur in einem Detail, sondern auf ganzer Front das Wohl von Lufthansa im Auge hat. Das ist legitim, muss aber eingeordnet werden. Wie gezielt der Vorstoß ist, zeigt dies: Spohr war nach Information unserer Redaktion am Donnerstag bei NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) - er treibt also Lobbyarbeit an vorderster Front für wichtige Ziele der Kranichairline. Marktabschottung Sowohl Lufthansa/Eurowings wie auch Air Berlin haben als die zwei Marktführer in Düsseldorf sowieso viele der attraktivsten Start- und Landezeiten ("Slots") für sich reserviert und können diese gemäß den Regeln der Luftfahrtindustrie weiter nutzen. Wenn der Flughafen Düsseldorf wie geplant zu besonders begehrten Zeiten die Zahl der Flugbewegungen von 47 auf 60 pro Stunde erhöhen will, würde dies eher der Konkurrenz nützen. "Dann könnten morgens um acht oder abends um sieben mehr Wettbewerber mehr Verbindungen in attraktive Städte anbieten", sagt der Schweizer Luftfahrtexperte Thomas Jaeger, Chef der Beratungsfirma CH-Aviation "und dies würde für mehr Preisdruck auf Rennstrecken sorgen." Drehkreuz-Abwehr Das meiste Geld verdient Lufthansa mit ihren Jumbo-Jets und Airbussen A-380, die ab München und Frankfurt nach Übersee fliegen - je besser diese Maschinen nach Shanghai, Tokio oder New York ausgebucht sind, umso besser. Damit das klappt, müssen aber massenhaft Umsteige-Passagiere aus ganz Europa und auch aus NRW herangeschafft werden - mit Flügen ab Düsseldorf nach Frankfurt, aber auch mit täglich zwölf ICE-Verbindungen hin zum Hauptflughafen Frankfurt.

Im Gegensatz zu den Interessen von Lufthansa versucht der Flughafen Düsseldorf nun aber, immer mehr Direktflüge von Übersee nach NRW zu locken. Singapore Airlines hat ab 22. Juli eine Direktverbindung nach Singapur, Emirates landet künftig zweimal täglich mit dem Riesenjet A380. Flughafenchef Ludger Dohm möchte künftig vor allem weitere Verbindungen nach China und Asien organisieren - und dafür auch Landerechte anbieten. "Aus Düsseldorfer Sicht ist das sinnvoll", sagt dazu Experte Jäger, "wogegen Lufthansa doch eher ein Interesse am Drehkreuz Frankfurt hat." NRW-Ziele Das alles bedeutet nicht, dass Lufthansa eine Anti-Düsseldorf oder Anti-NRW-Strategie hat. Keine Airline bietet mehr Flüge ab NRW an als Lufthansa mit 58 Maschinen und 108 Flugzielen - davon die meisten ab Düsseldorf. Jedoch baut Lufthansa ihren Discount-Ableger Eurowings vorrangig in Köln aus, weil es dort günstiger ist und es mehr Kapazitäten gibt. Außerdem hilft das wachsende Geschäft in Köln, um Düsseldorf unter Druck zu setzen. "Die Gebühren da sind viel zu hoch und verhindern Wachstum", sagt Spohr leicht drohend - er weiß, wie man Druck macht.

Quelle: RP
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