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Wem gehört die Deutschland AG? (Teil 2): Machtverlust in Mainhattan

VON GEORG WINTERS - zuletzt aktualisiert: 20.07.2005 - 14:27

Düsseldorf (RP). Früher saßen die Großbanken wie die Spinnen im Netz - und an den Schalthebeln der Industriepolitik. Davon ist wenig geblieben. Heute sind Deutsche Bank und Co. selbst vielfach in der Hand ausländischer Aktionäre.

Die Deutsche Bank ist der FC Bayern München der Bankenwelt: Von vielen nicht gemocht, wegen ihrer Erfolge respektiert, national allein auf weiter Flur, aber im internationalen Vergleich deutlich hinter der Konkurrenz zurück - vor allem beim Börsenwert. Und deshalb wurde sogar der unumstrittene Branchenführer zwischenzeitlich schon als Kandidat für eine Übernahme durch den US-Riesen Citigroup gehandelt. Der Glanz ist verblasst

Rapider Machtverlust in Mainhattan, wo über die Commerzbank in jüngerer Vergangenheit oft nur als Juniorpartner gesprochen wurde. Und über die Dresdner Bank gar als Klotz am Bein von Mutter Allianz. Auch in München ist der Glanz vergangener Tage verblasst: Bayerns Aushängeschild HypoVereinsbank will sich unter das Dach der italienischen Unicredito begeben.

Vom Glanz deutscher Großbanken, die lange Zeit wie die Spinnen im Netz saßen und über ihre gewaltigen Beteiligungspakete Industriepolitik machten, ist nicht viel geblieben. Längst werden auch sie von Ausländern regiert - die Deutsche Bank beispielsweise nicht nur in Gestalt ihres Schweizer Vordenkers Josef Ackermann, sondern auch über große Investmentfonds. Wie bei der Commerzbank sitzt mehr als die Hälfte des Aktienkapitals jenseits der Landesgrenze (siehe Grafik).

Bei einigen Versicherern sieht es nicht anders aus. Die Axa Konzern AG in Köln, die einst unter dem traditionsreichen Namen Colonia firmierte, ist nicht mehr und nicht weniger als der deutsche Ableger des gleichnamigen französischen Versicherungsriesen, Konkurrent AMB-Konzern (Aachener und Münchener) ist wesentlich durch die italienische Generali bestimmt.

Bei den großen Versicherern im Süden der Republik ist noch vieles in deutscher Hand. Bei der Münchener Rück sogar in bayerischer, weil Allianz und HypoVereinsbank derzeit zusammengerechnet fast 20Prozent des Rückversicherers halten. Die Allianz ist sogar noch zu drei Fünftel in deutschem Besitz. Gleichzeitig steht kaum jemand in Deutschland so stark für die Entflechtung der Deutschland AG wie Münchens großes Versicherer-Duo. Beide hielten mal gegenseitig rund 25 Prozent der Anteile. Mittlerweile sind die wechselseitigen Beteiligungen auf einen einstelligen Prozentsatz geschrumpft.

Nur selten funktioniert das nationale Geflecht noch. Bei VW beispielsweise, dem Sinnbild für die Verknüpfung zwischen Wirtschaft, Politik und Gewerkschaftsmacht, wo das Land Niedersachsen über seinen 18-Prozent-Anteil großen Einfluss hat. Oder bei DaimlerChrysler, wo die stützende Hand von Aufsichtsratschef Hilmar Kopper den Konzernlenker Jürgen Schrempp in der schweren Daimler-Krise womöglich vor dem Aus bewahrt hat. Kopper vertritt die Deutsche Bank, die 10,4 Prozent am Autobauer hält.

Breuer muss abdanken

Koppers Nachfolger Rolf Breuer gehört zu jenen, die die Macht des ausländischen Fonds-Kapitals schmerzhaft zu spüren bekommen haben. Als Aufsichtsratsvorsitzender der Deutschen Börse stärkte er Konzernchef Werner Seifert beim Übernahmepoker um die Londoner Börse so lange den Rücken, bis die Geldgeber des Hedgefonds TCI - die die Übernahme nicht guthießen - gegen das Duo mobil machten. Das Ergebnis ist bekannt: Seifert ist schon weg, Breuer geht zum Jahresende. Der Kommentar von Fondsmanagern: „Das Management der Börse hat viel zu langsam reagiert. Das wird vielen eine Lehre sein.“

Und Börsenprofessor Wolfgang Gerke hat die über die Aufsichtsräte höchst wirksamen Querverbindungen zwischen Banken, Versicherern und Industrie mal mit der Vokabel „Bequemes Leben“ umschrieben. Das ist mittlerweile vorbei. Aber für bequemes Leben werden die horrenden Managergehälter ja auch nicht gezahlt.

Quelle: alfa

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