Ärzte-Streik: Marburger Bund macht ernst
zuletzt aktualisiert: 04.04.2006 - 17:06Berlin/Ulm (rpo). Mehr als 6.000 Mediziner in 23 Städten haben am Dienstag auf Drängen des Marburger Bundes ihre Arbeit niedergelegt und erneut protestiert. Allein in Ulm streikten 3.000 Ärzte gegen die ergebnislosen Verhandlungen mit der Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL).
Vor den Streikenden forderte der Vorsitzende des Marburger Bundes, Frank Ulrich Montgomery, die TdL zur Rückkehr an den Verhandlungstisch auf. "Solange aber die Arbeitgeber auf weiteren Einkommenskürzungen beharren, so lange werden die Ärzte-Streiks weitergehen", kündete Montgomery an.
In den Ausstand traten laut Marburger Bund Ärzte der Uni-Kliniken München, Erlangen, Regensburg, Köln, Bonn, Essen, Münster, Mainz, Heidelberg, Freiburg, Tübingen, Göttingen und Hannover. Darüber hinaus legten Mediziner in mehreren Landeskrankenhäusern die Arbeit nieder, darunter in Hildesheim, Göttingen, und Wehnen bei Oldenburg. Auch in Zentralinstituten für Psychiatrie in Emmendingen, Ravensburg, Winnenden, Zwiefalten, Wiesloch und Bad Schussenried wurde gestreikt.
30 Prozent mehr Gehalt gefordert
Der Marburger Bund fordert für die insgesamt 22.000 betroffenen Ärzte 30 Prozent mehr Gehalt, geregeltere Arbeitszeiten und die volle Vergütung aller Überstunden. Montgomery forderte in Ulm, die Arbeitgeber müssten ihre "Blockadehaltung" aufgeben und verbesserte Angebote vorlegen. Zugleich warf er der TdL eine Verhandlungsstrategie "ohne Stil und ohne Regeln" vor.
Derweil steckten auch die separaten Tarifverhandlungen für die Ärzte an der Berliner Charité in einer Sackgasse. Nach erfolglosen Gesprächen stellte der Marburger Bund nach eigenen Angaben dem Charité-Vorstand ein Ultimatum: Die Arbeitgeber sollten sich bis Donnerstagnachmittag entscheiden, ob sie auf Grundlage eines "letztes Gegenangebots" der Ärztegewerkschaft bis spätestens Samstagvormittag einen Tarifvertrag aushandeln wollten.
Sollte dieser Fahrplan nicht eingehalten werden, würden umgehend Urabstimmungen über einen Ärzte-Streik auch an der Charité eingeleitet. Zuvor hatte der Ärztegewerkschaft eine Offerte des Charité-Vorstands für die rund 2.200 Berliner Uni-Ärzte mit der Begründung abgelehnt, die Arbeitgeber hätten bereits erzielte Teilkompromissse wieder zurückgezogen.
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