8.900 Mediziner im Ausstand: Marburger Bund weitet Ärztestreiks aus
zuletzt aktualisiert: 30.06.2006 - 13:34Frankfurt/Main (rpo). Der Streik an den kommunalen Krankenhäusern in Deutschland geht in seinen zweiten Tag. Die Ärztegewerkschaft Marburger Bund hat den Ausstand ausgeweitet. Am Dienstag legten nach seinen Angaben 8.900 Mediziner in vier Bundesländern und insgesamt 28 Städten die Arbeit nieder.
Der Chef der Ärztegewerkschaft, Frank Ulrich Montgomery, kündigte eine weitere Eskalation an, sofern die Arbeitgeber kein neues verhandlungsfähiges Angebot vorlegen. So sollen bereits ab (dem morgigen) Mittwoch weitere Bundesländer in den Streik einbezogen werden.
Die kommunalen Arbeitgeber forderten den Marburger Bund auf, den Arbeitskampf einzustellen und an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Dessen Vorsitzender Montgomery konterte, bei der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA) herrschten weiter "Sturheit und Starrheit". Doch breche die Arbeitgeberfront in weiten Teilen ein. So prüfe der Marburger Bund einen getrennten "Pilotabschluss" mit der Stadt Stuttgart, der bereits am (morgigen) Mittwoch unter Dach und Fach gebracht werden könne. Er basiere auf dem Tarifvertrag mit der Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) für die Ärzte an Unikliniken, unter den der Marburger Bund auch an den kommunalen Kliniken nicht gehen werde.
Für die dortigen Ärzte würde dies Gehaltssteigerungen von fünf bis acht Prozent und Mehrkosten von geschätzten 300 Millionen Euro bedeuten. Von Stuttgart bis Sachsen-Anhalt hätten zahlreiche Kommunen Angebote für Einzelabschlüsse gemacht. "Wir sind bereit, auf diese Angebote einzugehen", sagte Montgomery. Die betroffenen Städte würden dann von der Eskalation des Streiks ausgenommen.
Ver.di fordert Fahrtkostenpauschale
Am stärksten von dem Arbeitskampf betroffen waren am Dienstag erneut Bayern, aber auch sehr viele Kliniken in Baden-Württemberg sowie mehrere in Schleswig-Holstein und Hessen. Am Mittwoch sollen auch Bremen und Niedersachsen sowie am Donnerstag zusätzlich das Saarland in den Streik einbezogen werden. Möglicherweise ebenfalls noch in dieser Woche könnten auch erste Kliniken in Nordrhein-Westfalen folgen, wie der Landesvorsitzende des Marburger Bunds, Rudolf Henke, der Rheinischen Post sagte. Darüber sollte am Dienstagabend beraten werden.
Bereits am ersten Streiktag an den städtischen und Kreiskrankenhäusern hatten am Montag bundesweit rund 7.500 Mediziner die Arbeit niedergelegt. Am Dienstag waren es etwa 1.400 mehr. Nach Angaben des Marburger Bunds wurden in Bayern in folgenden Städten Kliniken bestreikt: Augsburg, Altötting, Fürstenfeldbruck, München, Haar bei München, Landshut, Nürnberg, Traunstein und Engelthal. In Baden-Württemberg waren es Göppingen, Konstanz, Offenburg, Lahr, Ettenheim, Achern, St. Bernhard, Kehl, Oberkirch, Wolfach und St. Martin, in Schleswig-Holstein Eckernförde, Neumünster, Rendsburg, Kiel, Heide und Brunsbüttel sowie in Hessen Frankfurt-Höchst und Offenbach.
Der Verhandlungsführer der kommunalen Arbeitgeber, Otto Foit, sagte im Südwestrundfunk, Lösungen könnten nicht auf der Straße gefunden werden. Städte und Landkreise seien jederzeit zu Gesprächen bereit. Foit warf der Ärztegewerkschaft vor, die Streiks auf dem Rücken der Patienten auszutragen. Der Marburger Bund müsse jetzt "auf den Boden der Realität" zurückkommen. Die Arbeitgeber seien den Ärzten bereits maximal entgegen gekommen.
Derweil forderte die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di für alle Beschäftigten der kommunalen Krankenhäuser eine Fahrtkostenpauschale von 150 Euro im Monat, unter anderem als Ausgleich für steigende Kosten und gekürzte Pendlerpauschale.
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