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Mark Zuckerberg gibt die Richtung vor
Das ist der Zehn-Jahres-Plan von Facebook

Mark Zuckerberg und Facebook: Der Zehn-Jahres-Plan
Mit seiner Initiative Internet.org will Zuckerberg daher weltweit für einen Zugang zum Netz sorgen. FOTO: ap, ER
San Francisco . Das soziale Netzwerk will Unternehmen ermöglichen, mit Kunden zu sprechen. Blumen oder Kleidung ließen sich über Facebook per Chat bestellen. Das klingt visionär, doch eigentlich verfolgt Gründer Mark Zuckerberg ein viel größeres Ziel. Von Florian Rinke

Wenn Mark Zuckerberg auf der Bühne davon spricht, die Welt zu retten, vergisst man schnell, dass er an der Uni eine Online-Plattform entwickelte, mit der man die Attraktivität von Frauen bewerten konnte. Der Facebook-Gründer war damals ein junger Student, die Seite könnte man daher getrost unter "Jugendsünden" verbuchen. Doch sie erzählt auch etwas über ihn – denn viele Frauen fanden sich dort wieder, ohne um Erlaubnis gefragt worden zu sein. Seine Vorstellung einer guten Idee, das lernte er damals, ist nicht automatisch eine, die allen gefällt.

Heute, knapp zwölf Jahre später, hat er eine neue Idee. Sie ist größer als alle anderen zuvor und geht weit über eine Weiterentwicklung des sozialen Netzwerks Facebook hinaus: Er will alle Menschen auf der Welt mit dem Internet verbinden.

Konnektivität, hinter diesem Begriff verbirgt sich das Ziel, ist daher für Zuckerberg neben künstlicher Intelligenz und virtueller Realität eines der großen Themen. Mit einem Zehn-Jahres-Plan, den Zuckerberg auf der hauseigenen Entwicklerkonferenz F8 vorstellte, will Facebook seine Stellung als führende Kommunikationsplattform ausbauen.

Alle setzen auf künstliche Intelligenz

Bevor man alle Menschen über das Internet zusammenbringt, sollen zunächst mal Menschen mit Unternehmen enger vernetzt werden – das ist schließlich auch lukrativer. Dazu soll der Kurznachrichtendienst Messenger beispielsweise so ausgebaut werden, dass Unternehmen mit den 900 Millionen Nutzern des Dienstes kommunizieren können – etwa per Sprachroboter. So könnten etwa Blumen bei der künstlichen Intelligenz per Textnachricht bestellt werden.

Damit hätte Facebook eine weitere Einnahmequelle neben dem Verkauf von Werbeplätzen erschlossen. Zahlreiche Apps, wie sie heute noch auf Smartphones zu finden sind, würden überflüssig, wenn man per Messenger Fragen stellen oder Anweisungen erteilen könnte und die künstliche Intelligenz darauf reagieren würde.

Welche Möglichkeiten sich dadurch bieten, haben längst auch andere erkannt – Apple, Microsoft und Google setzen ebenfalls auf künstliche Intelligenz und die Steuerung per Sprache oder Text. Für Facebook wird es darum gehen, die Nutzer durch die zusätzlichen Möglichkeiten weiter an sich zu binden, denn anders als die Konkurrenten hat es kein eigenes Betriebssystem auf PCs, Smartphones oder Tablets – und damit keinen direkten Zugang zu Nutzern.

Internet soll Menschenrecht werden

Wenn Mark Zuckerberg über die Möglichkeiten spricht, die das Internet den Menschen bietet, ahnt man schnell, wieso er der festen Überzeugung ist, dass jeder Zugang dazu bekommen sollte. Im vergangenen Herbst sprach er sich im UN-Hauptgebäude vor Staats- und Regierungschefs sogar dafür aus, dass das Internet ein Menschenrecht werden sollte wie sauberes Trinkwasser.

Mit seiner Initiative Internet.org will Zuckerberg daher weltweit für einen Zugang zum Netz sorgen. "Die Menschen bekommen so Zugang zu Wissen, Gesundheit, Jobs", sagte er auf der F8. Es gehe darum, jedem Menschen eine Stimme zu geben. Dafür entwickelt Facebook Drohnen mit Spannweiten einer Boeing 737, die irgendwann quasi als Funkmast hoch über der Erde schweben sollen.

Seit Monaten wirbt Zuckerberg für das Projekt, auf der F8 präsentierte er Möglichkeiten, wie Entwickler leichter Inhalte für diese abgespeckte Version des Internets erstellen können. Mark Zuckerberg hat große Träume, das Technik-Magazin "Wired" schrieb zuletzt, der weltweite Zugang zu Internet sei das Vermächtnis, das er der Welt hinterlassen wolle. Ein Problem gibt es allerdings bei all den großen Ideen: Was ist, wenn die Leute lieber ein Netz abseits von Facebook wollen? In Indien wurde die Internet.org-Initiative zuletzt abgelehnt.

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