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Zur UBS
Martin Blessing wechselt in die Schweiz

Frankfurt. Der frühere Commerzbank-Chef arbeitet ab September für die UBS - der zweite bekannte Deutsche nach Verwaltungsratschef Axel Weber. Von Georg Winters

Über Monate hinweg hat Martin Blessing seine Zukunftspläne so gut gehütet wie die Schweizer ihr Bankgeheimnis. Vermutlich hat das den Eidgenossen, die so sehr um Verschwiegenheit bemüht sind, gut gefallen. Jetzt ist das Geheimnis gelüftet. Blessing arbeitet ab September für die Schweizer Großbank UBS. Die bekommt damit nach Verwaltungsratschef Axel Weber, der früher Präsident der Deutschen Bundesbank war, den zweiten prominenten Deutschen. In Zürich soll Blessing in knapp vier Monaten als Präsident die Bereiche Personal und Corporate Banking sowie UBS Schweiz übernehmen.

"Mit Martin Blessing gewinnen wir für UBS einen Vollprofi mit starkem Leistungsausweis und viel Erfahrung in allen Bereichen des Geschäfts", erklärte gestern UBS-Chef Sergio Ermotti. Er habe die erfolgreiche Integration der Dresdner Bank in die Commerzbank durchgeführt und dieser "nach der Finanzkrise wieder zu Stabilität und einem robusten Geschäftsmodell" verholfen, lautet die Bewertung bei der UBS.

Eine Einschätzung, die sich in ihrer Pointiertheit durchaus vom Urteil deutscher Experten unterscheidet. Aus deren Blickwinkel ist die Blessing-Ära bei der Commerzbank zwar auch eine der Krisenbewältigung, an deren Ende immerhin die erste Dividende nach acht Jahren gestanden hat. Aber nach der verkappten Gewinnwarnung bei der Hauptversammlung und der Präsentation der Quartalszahlen, dem erneuten Absturz des Aktienkurses und den Spekulationen um eine Verwicklung der Bank in die Cum-Cum-Geschäfte (steuerlich fragwürdige Aktiendeals) scheint die kurze Euphorie schon wieder verflogen - und Blessings Ruf wieder angekratzt.

Das stört seinen künftigen Arbeitgeber nicht. Der überträgt seinem neuen Manager den Firmenkundenbereich und die Chefrolle auf dem Heimatmarkt. In diesen Funktionen spielt Blessing, dem manche noch höhere Weihen zutrauen, schon jetzt alles andere als eine Nebenrolle bei der Bank, die einerseits weltweit einer der größten Vermögensverwalter ist, andererseits unter der Finanzkrise schwer gelitten hat. Immer wieder wird sie im Zusammenhang mit dem Verdacht auf Geldwäsche und Steuerhinterziehung genannt, sie soll in Deutschland nach Bekanntwerden eines CD-Kaufs durch die nordrhein-westfälische Landesregierung Hunderte Millionen Euro freiwillig gezahlt haben. Sie erlitt einen Milliardenschaden durch ungenehmigte Geschäfte eines Aktienhändlers, die international Aufmerksamkeit erregten, und sie berappte rund 1,4 Milliarden Franken in mehreren Ländern wegen ihrer Verstrickung in den internationalen Libor-Skandal, die Affäre um manipulierte Zinssätze.

Ex-Bundesbank-Präsident Weber ist übrigens nicht das einzige in Deutschland bekannte Mitglied im Verwaltungsrat der UBS. Dazu gehören nämlich auch der frühere Vorstandsvorsitzende der Deutschen Börse, Reto Francioni, und Beatrice Weder di Mauro, Wirtschaftswissenschaftlerin und zwischen 2004 und Februar 2012 Mitglied der "Fünf Weisen", des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung in Deutschland.

Quelle: RP
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