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Wolfsburg
So läuft der Rückruf bei Volkswagen

VW-Abgasskandal: Diese Rechte haben Autofahrer
Wolfsburg. Anfang Februar werden die ersten Fahrzeuge in die Werkstatt gerufen. Demnächst werden die Halter deswegen Post von VW bekommen. Von Florian Rinke

Während VW-Chef Matthias Müller gen USA aufgebrochen ist, um dort bei Abbitte für den Abgasskandal zu leisten, wird in Deutschland der Rückruf von rund 2,4 Millionen betroffenen Fahrzeugen vorbereitet.

Wann beginnt der Rückruf?

"Wir bereiten uns darauf vor, ab Anfang Februar 2016 die ersten Fahrzeuge auf den erforderlichen technischen Stand zu bringen", heißt es bei Volkswagen. Gestartet wird mit dem Rückruf des VW Amarok, also einer vergleichsweise kleinen Zahl von Fahrzeugen. Im März sollen dann die Fahrzeuge mit dem betroffenen Motor EA189 2,0 Liter TDI folgen. "Die weiteren Varianten 1,2 Liter TDI und 1,6 Liter TDI folgen dann später im Jahr", heißt es. Bei VW geht man davon aus, dass die Fahrzeuge mit 1,2-Liter-Motor gegen Ende des zweiten Quartals in die Werkstätten gerufen werden. Fahrzeuge mit 1,6-Liter-Motor sollen dann ab Juli folgen.

Warum hat VW die Kunden bislang noch nicht informiert?

Volkswagen ist bei der Benachrichtigung auf die Hilfe des Kraftfahrtbundesamtes angewiesen. "Ausschließlich das KBA hat die Daten der betroffenen Fahrzeughalter", sagte ein VW-Sprecher. Momentan bereite man mithilfe des Amtes die Anschreiben vor. Diese werden den Kunden dann innerhalb der kommenden Wochen zugestellt.

Was müssen Fahrzeughalter nach Erhalt des Briefes tun?

Zunächst nichts. VW bittet sogar explizit darum, weitere schriftliche Informationen abzuwarten, bevor Kunden Kontakt mit ihrem VW-Partnerbetrieb aufnehmen. Kunden würden in einem zweiten Schreiben informiert, wann sie einen Termin vereinbaren sollen.

Müssen betroffene VW-Kunden die Umrüstung in dem Autohaus vornehmen, in dem sie das Fahrzeug gekauft haben?

Nein. Der VW-Sprecher betont, dass Kunden die Nachbesserungen in einem frei zu wählenden Partnerbetrieb durchführen lassen können. Das heißt: Wer seinen VW bei einem Händler in Dortmund gekauft hat, aber in Neuss wohnt, kann ihn auch dort zur Umrüstung abgeben. Kosten entstehen den Kunden im übrigen nicht. Tipps gibt auch der Experte Hermann-Josef Tenhagen vom Verbraucherportal Finanztip in einem Video bei RP-Online (www.rp-online.de/abgasskandal).

Verbraucherschützer empfehlen, sich vom VW-Händler den Verzicht auf die Einrede zur Verjährung garantieren zu lassen. Was ist, wenn sich der Händler weigert?

Wer ein Auto kauft, hat - mit wenigen Ausnahmen - Anspruch darauf, dass Mängel innerhalb der ersten zwei Jahre nach Kauf behoben werden. Verbraucherschützer empfehlen vom Abgasskandal betroffenen Kunden, sich den so genannten Verzicht zur Einrede auf Verjährung vom VW-Händler garantieren zu lassen, wenn man Angst hat, dass Ansprüche andernfalls verfallen würden. Das macht jedoch nicht jeder Autohändler (siehe Interview). VW erklärte jedoch bereits, bis zum 31. Dezember 2017 auf die Erhebung der Verjährungseinrede bei betroffenen Kunden zu verzichten, selbst dann wenn Ansprüche bereits verjährt sein sollten.

Wie können Käufer eines Gebrauchtwagens erkennen, ob dieser betroffen war bzw. bereits nachgebessert wurde?

Nach Angaben von VW soll im Bereich der Reserveradmulde im Kofferraum ein Aktionsaufkleber angebracht werden - so erkennen potenzielle Käufer auf einen Blick, dass der Wagen nachgebessert wurde. Sie wird außerdem im Serviceplan des Fahrzeugs eingetragen. Die Angaben werden auch in der elektronischen Fahrzeughistorie hinterlegt, auf die jeder VW-Vertragspartner (also zum Beispiel Autohäuser) Zugriff haben.

Wie geht es jetzt in den USA weiter?

Am Wochenende ist VW-Chef Müller zu seiner ersten Reise in die USA aufgebrochen. Dort trifft er unter anderem die Chefin der US-Umweltbehörde EPA, Gina McCarthy. Um Vertrauen zurückzugewinnen, will das Unternehmen außerdem eine Art Außenminister einsetzen. Es solle eine hoch angesehene Persönlichkeit beauftragt werden, die einen Neuanfang glaubwürdig verkörpere, berichtete die "Süddeutsche Zeitung" unter Berufung auf Konzernkreise. Das ist auch nötig, denn die Probleme in den USA sind längst nicht gelöst. Anders als in Deutschland, wo nur kleinere Korrekturen nötig sind, musste VW laut "Bild am Sonntag" für den Umbau in den USA offenbar extra einen komplett neuen Katalysator entwickeln.

Wie stehen die deutschen Hersteller zum Auftakt der Motorschau in Detroit in dieser Woche dar?

Durchwachsen. Obwohl der Automarkt in den USA 2016 wachsen soll, gehen Experten davon aus, dass deutsche Hersteller davon nicht übermäßig stark profitieren werden. Seit 2012 verlieren BMW, Mercedes, VW und Co. in den USA Marktanteile, heißt es in einer Analyse des CAR-Instituts an der Universität Duisburg-Essen. Leiter Ferdinand Dudenhöffer ist sicher, dass die deutschen Hersteller auch 2016 und den Folgejahren merken würden, dass "sie zu große Hoffnungen in den Diesel gesetzt haben."

Quelle: RP
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