Davos: Merkel fordert Kreativität gegen Arbeitslosigkeit
zuletzt aktualisiert: 25.01.2006 - 18:39Davos (rpo). Das Motto des 36. Weltwirtschaftsforums (WEF), das am Mittwoch in Davos eröffnet wurde, lautet: "Der kreative Imperativ". Und Kreativität forderte auch Bundeskanzlerin Angela Merkel im Kampf gegen die Arbeitslosigkeit und ein schwaches Wirtschaftswachstum. In Deutschland gebe es eine "selbstverschuldete Lähmung", die überwunden werden müsse.
Die Bundeskanzlerin sprach sich für eine Stärkung multilateraler Organisationen aus. "Wir müssen es lernen, in einer globalen Welt auch miteinander Verabredungen zu treffen", sagte Merkel am Mittwochabend auf dem Weltwirtschaftsforum im schweizerischen Davos. Deshalb lege sie ein "klares Bekenntnis" zu internationalen Institutionen ab. Als Beispiel nannte sie die Welthandelsorganisation WTO.
Die Kanzlerin warb für zusätzliche Freiheiten im Welthandel. "Wir müssen weitere Barrieren einreißen". Dafür sei die WTO eine wichtige Größe. Die Entwicklungsländer benötigten einen "fairen Zugang" zu den Märkten.
Merkel erläuterte den in Davos versammelten Politikern und Wirtschaftsführern die Anliegen der von ihr geführten großen Koalition in Deutschland. An vielen Stellen gebe es in der Bundesrepublik eine "selbstverschuldete Lähmung". Das Ziel der Koalition, dass Deutschland in zehn Jahren bei Wachstum, Beschäftigung und Innovation wieder unter den drei führenden Ländern in Europa gehört, sei aber nicht nur wichtig für Deutschland, sondern auch von entscheidender Bedeutung für Europa.
Merkel erinnerte daran, dass der Deutsche Konrad Zuse den ersten Computer baute. Die Kanzlerin bedauerte zugleich: "Ich muss mich freimütig bekennen, dass wir aus der daraus resultierenden Entwicklung nicht im ausreichenden Maß partizipiert haben." Wohlstand könne aber nur über Innovationen erhalten werden. Deshalb wolle die Bundesregierung bis 2010 die Ausgaben für Forschung und Entwicklung auf drei Prozent des Bruttoinlandsproduktes steigern.
Merkel rief die Anwesenden ferner auf, die Globalisierung zu gestalten. Die Ängste der Menschen hätten zum großen Teil damit zu tun, dass sie das Vertrauen in die Gestaltungsmöglichkeiten von Politik verloren hätten. Die Bundeskanzlerin warb zudem für einen stärkeren Schutz des geistigen Eigentums, gemeinsame technische Standards und den Abbau von Bürokratieabbau.
Merkel sprach als erster deutscher Regierungschef zur Eröffnung des Forums. Der Gründer des Forums, Klaus Schwab, hob in seiner Begrüßung hervor, Merkel habe sich innerhalb von nur zweieinhalb Monaten Vertrauen in Deutschland, in Europa und auf weltweiter Ebene erworben. Merkel bezeichnete es als "große Ehre", zur Eröffnung des Forums sprechen zu dürfen. Wenig hält der ehemalige Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Hans-Olaf Henkel, von dem Treffen in Davos. Er sei dort nie Zeuge einer wichtigen Entscheidung gewesen, sagte Henkel am Mittwoch im Bayern2-Radio. In Davos gebe es einen "enormen Auftrieb von Wirtschaft, Politik und Medien", und man komme sich "furchtbar wichtig vor". Davos sei bestenfalls ein "gutes Pflaster für Geschäftskontakte".
Das Weltwirtschaftsforum dauert noch bis zum 29. Januar. Unter den rund 2340 Teilnehmer aus 89 Staaten befinden sich nach Angaben der Veranstalter 15 Staats- und Regierungschefs.
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