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Düsseldorf
Metro-Aufsichtsrat segnet Aufspaltung ab

Düsseldorf. Das Kontrollgremium des Düsseldorfer Handelsriesen hat der Neuorganisation zugestimmt. Danach konzentriert sich die Metro auf die Elektronikmärkte. Der Großhandel sowie Real werden in eine neue Tochter ausgelagert. Von Georg Winters

Auf dem Weg der geplanten Aufspaltung hat die Metro einen weiteren Schritt gemacht. Der Aufsichtsrat hat gestern den Plänen des Vorstands, den Handelskonzern im Wesentlichen in die Bereiche Lebensmittelhandel und Unterhaltungselektronik zu zerlegen, zugestimmt. Die Teilung wird organisatorisch bereits zum 30. September, also zum Ende des laufenden Metro-Geschäftsjahres, vollzogen und soll offiziell Mitte des kommenden Jahres wirksam werden. Formal behält die Metro das Geschäft mit den Elektronikmärkten (Media-Markt, Saturn) und wird zehn Prozent der Anteile an einer neuen börsennotierten Gesellschaft halten, in das das Großhandelsgeschäft (Cash & Carry), die Real-Märkte sowie weitere Bereiche wie Logistik, IT und Immobilien ausgegliedert werden. Die restlichen 90 Prozent verbleiben bei den heutigen Metro-Aktionären, zu denen unter anderem die Duisburger Beteiligungsgesellschaft Haniel gehört.

Zwei Jahrzehnte nach dem Börsengang der Metro bekommt der Konzern also eine komplett neue Struktur, in der die Einzelteile zukunftsträchtig aufgestellt werden sollen. "Durch die strategische und organisatorische Fokussierung der beiden unabhängigen Handelsunternehmen auf ihre jeweiligen Aktivitäten sollen neue Wachstumsperspektiven eröffnet werden", teilte die Metro gestern nach der Aufsichtsratssitzung mit. Was damit gemeint ist: Bisher dürfte das Bemühen um neue Investoren für die Metro manches Mal daran gescheitert sein, dass Geldgeber entweder in den Handel mit Lebensmitteln oder in den mit Unterhaltungselektronik investieren wollten, aber nicht in beide. Die Aufteilung könnte die beiden Teile also attraktiver für Geldgeber machen. Getrennt voneinander dürften die Sparten auch deutlich mehr wert sein als die Komplett-Metro, deren Marktkapitalisierung gestern Abend nach Börsenschluss rund 9,1 Milliarden Euro betrug.

Das Zehn-Prozent-Paket, das die künftige Metro am Kapital der Lebensmittel-Gesellschaft halten wird, soll die Kapitalbasis der Unterhaltungselektronik stärken. Bei diesem Teil der heutigen Metro vermuten manche auch das größere Wachstumspotenzial. Unter das Holding-Dach könnten neben die heutige Media-Saturn weitere Unternehmen rücken, für deren Kauf die neue Metro finanziell gerüstet wäre. "Die neue Kapitalstruktur verschafft beiden Einheiten Stabilität und Raum für weiteres Wachstum. Beide Unternehmen sind für die Zukunft gut aufgestellt", sagte Noch-Konzernchef Olaf Koch. Nahezu alle bestehenden Finanzverbindlichkeiten der Gruppe würden von der Großhandels- und Lebensmitteleinheit übernommen, teilte die Metro zudem mit. Die Schulden sind in den vergangenen Jahren kontinuierlich zurückgefahren worden.

Wie geplant, soll Koch die neue Lebensmittel-Einheit führen. An seine Seite rückt als Finanzvorstand Christian Baier, der derzeit die gleiche Funktion bei Metro Cash & Carry innehat. Der bisherige Konzern-Finanzvorstand Mark Frese verbleibt in der Metro AG mit den Media-Saturn-Gesellschaften, die der gegenwärtige Media-Saturn-Chef Pieter Haas führen soll.

Während Koch den bisherigen Metro-Erzfeind Erich Kellerhals damit los ist, geht für Haas und Frese die Dauerfehde mit dem Media-Markt-Gründer um die strategische Ausrichtung des Unternehmens weiter. Dafür haben sie aber künftig einen ausgewiesenen Fachmann auf Vorstandsebene an ihrer Seite, den Metro-Justitiar Dieter Haag Molkenteller.

Aufsichtsratschef Jürgen Steinemann wird Chefkontrolleur der Großhandels- und Lebensmittelgesellschaft, der frühere Deutsche-Bank-Chef Jürgen Fitschen soll das Kontrollorgan der Unterhaltungselektronik-Sparte führen. Sämtliche Personalien müssen aber noch vom Aufsichtsrat der Metro respektive der Hauptversammlung abgesegnet werden.

Quelle: RP
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