| 10.47 Uhr

Düsseldorf
Metro-Chef stellt bei Real ein Ultimatum

Düsseldorf. Bis Monatsende soll in Sachen Tarif eine Einigung mit Verdi her. Gelingt die nicht, droht das Ende der Investitionen. Von Georg Winters

Metro-Chef Olaf Koch ist in der Öffentlichkeit kein Mann der lauten Töne. Aber das, was er gestern mit Blick auf laufende Verhandlungen bei der SB-Warenhauskette Real sagte, war umso deutlicher. Man kann seine Aussagen als handfeste Drohung interpretieren. Bis Ende des Monats soll es eine Einigung mit der Gewerkschaft Verdi über Kosteneinsparungen bei Real geben. Andernfalls droht das Ende der so dringend erforderlichen Investitionen in die Sanierung und Modernisierung der Kette. Die Metro müsste "die Situation neu bewerten", falls die Verhandlungen mit Verdi scheiterten.

"Die Strategie geht nicht auf, wenn wir keine Einigung mit der Gewerkschaft haben", so Koch. Die Strategie - das ist ein neues Konzept für das Sorgenkind des Konzerns, das weiterhin rote Zahlen schreibt. Zwar ist der Verlust im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2015/16, das im September endet, um mehr als die Hälfte auf 16 Millionen Euro geschrumpft. Aber es kann natürlich nicht das Ziel sein, Verluste zu minimieren. Real muss profitabler werden, seine Kapitalkosten verdienen, und das sieht Koch angesichts von Lohnkosten, die um bis zu 30 Prozent über denen der Wettbewerber lägen, als unmöglich an. Nur wenn diese Kosten sinken, wird weiter investiert - in ein "neues Real". Mit Erlebniseinkauf, mehr Service, mehr Gastronomie, weniger Selbstbedienung, weniger Non-Food im Eingangsbereich. Die Mitarbeiter sollen dafür offenbar nach den Vorstellungen der Konzernführung auf Teile ihres Urlaubs- und Weihnachtsgelds verzichten.

Kochs unverhohlene Drohung kommt bei Verdi natürlich nicht gut an. Die Gewerkschaftsvertreter lehnen einerseits Gehaltskürzungen kategorisch ab und wissen andererseits, dass ohne die notwendigen Mittel aus dem Konzern die Zerschlagung von Real droht. Vielleicht könnte ein Finanzinvestor mehr oder weniger große Teile des Unternehmens erwerben, ansonsten würden vermutlich Filialen einzeln oder im Paket veräußert. Die Lage ist extrem angespannt. In Mitarbeiterkreisen ist davon die Rede, Koch erpresse die Gegenseite, und davon, dass es auch Konzerne wie Kaufland gebe, die nach Tarif zahlten und durchaus überlebensfähig seien. Das Klima ist so gereizt, dass nach der gestrigen Rede von Verdi-Vorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger vor etwa 600 Betriebsräten in Willingen heute nicht nur die Real-Geschäftsführung ins Sauerland fährt, sondern auch entgegen den Planungen der Metro-Personalvorstand Heiko Hutmacher.

Real ist zweifelsohne die schwierigste Baustelle, an der die Metro derzeit arbeiten muss. Und bei allen Treueschwüren zum Hypermarket-System ist die Tochter wohl auch nicht gerade der Baustein, auf den die Metro in ihrem Zukunftsmodell setzt. Stattdessen feilt sie permanent an ihrer Digitalisierung, und dazu gehört der jüngste Neueinkauf: Orderbird, ein Payment-Start-up, das Kassensysteme für die Gastronomie liefert und der Metro damit als Wachstumsmotor im Cash & Carry-Geschäft dienen soll. Die Metro und die Wachstumskapital-Firma Digital + Partners investieren insgesamt 16,5 Millionen Euro.

Das Ergebnis der Metro sieht im zweiten Quartal deutlich besser aus als vor Jahresfrist. Das operative Minus (Ebit) betrug zwischen Januar und März "nur" noch 34 Millionen Euro, ein Bruchteil des Verlustes von 564 Millionen Euro aus dem Vorjahr, das vor allem durch die hohen Wertberichtigungen bei Real ausgelöst worden war. Vor Berücksichtigung von Sonderfaktoren hat der Konzern im zweiten Qua rtal sogar etwa elf Millionen Euro verdient, nach einem Minus von 24 Millionen Euro im gleichen Vorjahreszeitraum. Der Umsatz sank um 0,9 Prozent auf rund 13,6 Milliarden Euro, was vor allem an der unveränderten Schwäche des russischen Rubels liegt. Dagegen haben das Ostergeschäft im März und der deutsche Markt insgesamt Erlössteigerungen gebracht. Davon hat vor allem Media-Saturn profitiert, das auf dem deutschen Markt rund vier Prozent mehr umsetzte als im Vorjahr.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Düsseldorf: Metro-Chef stellt bei Real ein Ultimatum


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.