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Düsseldorf
Metro kauft "Emmas Enkel"

Düsseldorf. Das Düsseldorfer Start-up hat mit seiner Mischung aus Online-Handel und Tante-Emma-Laden in der Branche für viel Aufsehen gesorgt. Nun kauft der Handelskonzern das kleine Unternehmen auf. Der Kurs könnte sich dadurch ändern. Von Florian Rinke

Als Sebastian Diehl und Benjamin Brüser ihr erstes Geschäft eröffneten, sollte es die Wiederbelebung des Tante-Emma-Ladens sein - nur eben besser. Emmas Enkel nannten die beiden ihr Projekt, das persönlichen Service und nostalgische Holzregale mit der Lebensmittelbestellung per Internet verknüpfen sollte. Knapp 30 Jahre waren die beiden 2011 alt, als sie mit dem Düsseldorfer Start-up Vorbild für so manchen etablierten Branchenriesen wurden. Denn einen so konsequenten Multichannel-Ansatz, also das Bedienen von mehreren Verkaufskanälen, gab es kaum. "Unsere Kunden sollen bei ihrem Einkauf ein Maximum an Flexibilität, Komfort und Service genießen. Egal, für welchen Bestellweg sie sich entscheiden", beschrieb Diehl damals das Konzept.

Das machte die großen Fische im Teich zuerst neugierig und dann hungrig: 2014 erwarb die Metro AG eine 15-prozentige Beteiligung an Emmas Enkel. Damals war Metro-Chef Olaf Koch voll des Lobes: "Das sind absolut kreative Köpfe. Das werden wir weiter ausbauen." Nun machte das Unternehmen ernst und sicherte sich die Mehrheit an dem Düsseldorfer Start-up. Die heute 34 Jahre alten Gründer ziehen sich aus dem operativen Geschäft zurück, bleiben allerdings Gesellschafter. Ihr Anteil am Unternehmen sinkt allerdings beträchtlich. Künftig werden sie nur noch sieben Prozent an Emmas Enkel halten, 93 Prozent gehören nun der Metro. Zur Höhe des Kaufpreises wollte eine Sprecherin auf Anfrage keine Angaben machen.

Für den Konzern ist Emmas Enkel ein weiteres Puzzle-Stück in der Digital-Strategie. Regelmäßig veranstaltet die Metro inzwischen Treffen mit jungen Start-ups, bei denen auch Koch vorbeischaut. Über den Metro-Techstars-Accelerator begleitet man junge Unternehmen außerdem beim Geschäftsaufbau.

Die Marke Emmas Enkel solle gezielt weiterentwickelt werden, sagt eine Sprecherin der Metro AG. Das Konzept dürfte sich damit in Zukunft ändern - vielleicht auch ein Grund, warum sich die beiden Gründer aus der Geschäftsführung zurückgezogen haben.

Sie wollten die Expansion mit weiteren Läden vorantreiben. Bislang gab es neben dem Geschäft in Düsseldorf noch jeweils einen Emmas-Enkel-Laden in Essen und Berlin. Letzterer hatte erst im September 2015 eröffnet. Damals kündigte Gesellschafter Metro per Pressemitteilung an, dass noch 2015 weitere Standorte in Dortmund, Köln und Düsseldorf folgen sollen. In Mails und Gesprächen habe man erfahren, "dass Dortmund da Bock drauf hat", zitierten die "Ruhr-Nachrichten" Gründer Diehl. Auch ein Ladenlokal samt Lager für den Lieferservice war schon gefunden - direkt neben dem Opernhaus.

Eröffnet haben bislang aber weder die Standorte in Dortmund und Köln, noch die neue Filiale in Düsseldorf. Bei Metro heißt es: "Emmas Enkel setzt in seiner Wachstumsstrategie künftig noch stärker auf online und soll sich zu einem Format für digitale Innovationen innerhalb der Metro Group entwickeln."

Das Geschäft mit dem Online-Handel von Lebensmitteln ist bislang kaum erschlossen - die Supermarkt-Dichte in Deutschland ist groß, die Preise niedrig, da ist kaum jemand bereit, einen Aufpreis für die Lieferung zu zahlen. Doch Gewohnheiten ändern sich, das wissen auch die Händler. Bei der Tochter Media-Saturn hatte Metro den digitalen Wandel lange verschlafen, Konkurrenten wie Amazon und Co. zogen zunächst davon. Das soll beim Handel mit Lebensmitteln, wo Amazon ebenfalls erste Versuche mit Lieferungen von haltbaren Artikeln unternimmt, nicht passieren.

Diehl und Brüser wollen nun erstmal abschalten. "Sie legen jetzt eine wohlverdiente Pause ein", heißt es bei Emmas Enkel.

Quelle: RP
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