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Redmond
Microsoft will LinkedIn übernehmen

Microsoft will LinkedIn kaufen - für mehr als 23 Milliarden
FOTO: dapd, Paul Sakuma
Redmond. Mehr als 23 Milliarden Euro soll das Karriere-Netzwerk kosten. Die LinkedIn-Aktie sprang nach Ankündigung der Übernahme nach oben. Microsoft, als Software-Firma zum Giganten geworden, feilt an seiner Neuausrichtung.

Microsoft-Chef Satya Nadella wagt die größte Übernahme in der Geschichte des Win-dows-Konzerns, um seine radikale Neuausrichtung zu besiegeln. Für den Preis von umgerechnet 23,3 Milliarden Euro will der Software-Gigant das soziale Netzwerk LinkedIn kaufen. Gelänge der Coup, bekäme Microsoft sofortigen Zugang zu ungefähr 430 Millionen Mitgliedern bei LinkedIn - eine Schatztruhe an Daten über Arbeitnehmer und Jobs. Und ein neues Geschäfts-Standbein. Für jede LinkedIn-Aktie bietet Microsoft 196 Dollar. Das ist ein Aufschlag von 50 Prozent auf den Börsenschlusswert vom Freitag (131 Dollar). Bei Börsenbeginn in New York schoss die Aktie des Netzwerks um 49 Prozent nach oben. Und am späten Nachmittag europäischer Zeit lag das Papier bei knapp 193 Dollar immer noch gut 47 Prozent im Plus.

Nicht nur der Preis ruft nach Superlativen: Hier schließen sich der weltgrößte Software-Anbieter mit allein etwa 1,2 Milliarden Nutzern der Office-Büroprogramme und die global führende berufliche Plattform zusammen. Es ist die Fortsetzung der Vision, die Microsoft-Chef Nadella seit seinem Antritt als Vorstandsvorsitzender vor mehr als zwei Jahren verfolgt: Dienste statt Kauf-Software, Online-Cloud statt lokaler Computer - und Microsoft-Dienste überall, wo man sie brauchen könnte.

Die Übernahme sei ein Schlüssel für die große Aufgabe, Produktivität und Geschäftsprozesse neu zu erfinden, sagte Nadella gestern . Er hatte von Anfang an die Cloud-Dienste in das einst starre Geflecht von Microsofts Office-Paketen eingewoben und damit die Verbesserung der unternehmensinternen Zusammenarbeit auf die Fahnen geschrieben. Mit LinkedIn kommt der Gedanke auf eine neue Ebene: Microsoft will die Bürowelt vernetzen.

LinkedIn soll nach der Übernahme seine Eigenständigkeit unter der eigenen Marke weitgehend behalten. Das hat seinen Grund. Während Nutzer berufliche Profile mit ihren Informationen bei LinkedIn anlegen, kann die Auswertung ihrer Daten massiv bei der Personalsuche helfen. Das ist das Geschäftsmodell des Netzwerks, das sich nicht wirklich damit überschneidet, wie Microsoft sein Geld verdient. Aber Microsoft erwirbt damit aber auch den Zugang zu Unternehmen, die bei LinkedIn aktiv sind - und es gibt immerhin neun Millionen Firmenseiten in dem Karriere-Netzwerk. Gemeinsam könne nun ein Markt im Wert von 315 Milliarden Dollar adressiert werden, heißt es in der Mitteilung. Die Übernahme eröffne die Möglichkeit, die Art und Weise zu verändern, wie Beschäftigte zusammenarbeiten, erklärte Jeff Weiner, der Chef von LinkedIn.

Für Microsoft ist es nicht der erste Versuch, seine Marktpräsenz mit einem Netzwerk auszubauen. Vor vier Jahren übernahm das Unternehmen die auf Firmenkommunikation ausgerichtete Messenger-Pattform Yammer für 1,2 Milliarden Dollar. Yammer soll der besseren Zusammenarbeit und vertraulichen Kommunikation dienen. So können sich nur Mitglieder aus der gleichen E-Mail-Domain untereinander vernetzen. Nach Angaben von Microsoft ist Yammer aktuell bei 85 Prozent der "Fortune 500"-Unternehmen im Einsatz.

In Deutschland konnte der Dienst allerdings nicht so recht Fuß fassen. Auch die Milliarden-Übernahme Skype Microsoft brachte trotz der Popularität des Dienstes bei Verbrauchern keine Dominanz bei Videokonferenzen in Unternehmen.

(dpa)
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