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Augsburg
Chinesen wollen mindestens 30 Prozent an Kuka

Midea: Chinesen wollen mindestens 30 Prozent an Kuka
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Augsburg. Midea legt ein offizielles Angebot für das Augsburger Vorzeigeunternehmen vor. Die IG Metall sorgt sich um Jobs. Von Brigitte Scholtes

Der Haushaltsgerätehersteller Midea macht ernst: Der chinesische Konzern legte nach wochenlangen Spekulationen gestern ein offizielles Übernahmeangebot für den Roboter-Hersteller Kuka vor. Er wolle die Beteiligung an dem Augsburger Unternehmen deutlich auf über 30 Prozent ausbauen. Midea bietet 115 Euro je Aktie und bewertet das Unternehmen demnach mit knapp 4,6 Milliarden Euro. Die Annahmefrist läuft bis zum 15. Juli um Mitternacht. Wie hoch der Anteil der Chinesen am Ende sein wird, hängt davon ab, wie viele Aktionäre das Angebot annehmen.

Midea bekräftigte, es solle kein Beherrschungsvertrag abgeschlossen und Kuka auch nicht von der Börse genommen werden. "Wir wollen das Wachstum von Kuka fördern und gemeinsam das große Wachstumspotenzial des chinesischen Marktes erschließen", sagte Midea-Chef Paul Fang.

Damit sind nun die Kuka-Aktionäre am Zug. Sie müssen entscheiden, ob sie ihre Anteile dem chinesischen Konzern verkaufen. Eine schwere Entscheidung, vor allem im Lichte der aufgeregten Diskussion der vergangenen Wochen. Besteht die Gefahr, dass die Chinesen zu schnell Technologie vom Roboterhersteller abziehen? Diese Sorge treibt auch die Bundesregierung um, zumal Kuka als eine Ikone von "Industrie 4.0" in Deutschland gilt.

Die Erfahrungen anderer deutscher Unternehmen wie etwa die des Gabelstaplerherstellers Kion oder des rheinischen Konzerns Putzmeister zeigen bisher, dass chinesische Investoren sich da sehr zurückhalten. Denn sie sind klug genug zu wissen, dass sie ein erfolgreiches Geschäftsmodell nicht zerstören sollten. Allerdings benötigen sie das Know-how, damit sie ihre Wirtschaft schneller modernisieren können. Das ist politisch gewollt.

Das Kuka-Management hatte sich bisher offen für das Ansinnen der Chinesen gezeigt. Das konkrete Angebot will der Vorstand prüfen und spätestens in zwei Wochen eine Stellungnahme abgeben. Die IG Metall forderte eine langfristige Sicherung der Arbeitsplätze und den Schutz des deutschen Know-hows. Kuka beschäftigt weltweit gut 12.000 Mitarbeiter, davon 4500 in Deutschland. In Augsburg arbeitet ein Großteil der mehr als 500 Kuka-Entwickler. Das soll so bleiben.

Zu Berichten, Midea begnüge sich auf Druck der Bundesregierung mit einem Maximum von 49 Prozent der Aktien, sagte eine Midea-Sprecherin, rein rechtlich sei die Festlegung einer solchen Obergrenze nicht möglich.

Bisher hatte die Bundesregierung nie Einwände gegen die Übernahme deutscher Firmen durch Investoren aus dem Reich der Mitte. Diese nun zu äußern, womöglich gar ein Veto einzulegen, dürfte deshalb sehr schwierig sein. Möglich wäre das nach bisheriger Rechtslage etwa, wenn deutsche Sicherheitsinteressen in Frage stünden. Seit dem Besuch der Bundeskanzlerin in China war jedenfalls von einem Veto, von einem Einschreiten der Bundesregierung nicht mehr die Rede. Die Vermutung liegt nahe, dass sie den Fall Kuka eher als Druckmittel genutzt hat, um auch für die deutschen Investoren in China bessere Bedingungen auszuhandeln.

Quelle: RP
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