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Düsseldorf
Mieten, kaufen, entlohnen

Düsseldorf. Jahrelang mussten Mieter und Hauskäufer beim Umzug hohe Kosten für den Makler einberechnen. Vor einem Jahr wurden die Regeln per Gesetz geändert - und Start-ups krempeln seitdem den Markt um. Von Florian Rinke

Seine erste Begegnung mit einem Makler hatte Hanno Heintzenberg in München. Damals wollte er bei seinem Bruder einziehen. Dafür war im Grunde nur eine kleine Anpassung im Mietvertrag nötig. Der Aufwand? Überschaubar. Trotzdem habe sich der Makler 2,3 Monatsmieten als Provision auszahlen lassen, erinnert sich der gebürtige Düsseldorfer. "Da habe ich gedacht: Das kann ja wohl nicht wahr sein", sagt Heintzenberg.

Die Begegnung liegt einige Jahre zurück, seitdem hat sich viel verändert. Mit der Einführung des Besteller-Prinzips hat die Bundesregierung am 1. Juni 2015 dafür gesorgt, dass inzwischen nicht mehr automatisch die Mieter, sondern derjenige die Gebühr bezahlt, der den Makler bestellt. Und Heintzenberg ist inzwischen nach Berlin umgezogen, wo er gemeinsam mit Schulfreund Lukas Pieczonka das Start-up McMakler gegründet hat, das von diesem Gesetz profitieren will.

"Dass sich durch die Einführung des Bestellerprinzips der Markt grundsätzlich ändern würde, war so klar wie damals, als die Deutsche Bahn das Monopol im Fernverkehr verloren hat", sagt Heintzenberg. Das dachte man sich auch im Investorenkreis um den Deutschen Klaus Hommels, der mit seinem Fonds Lakestar zuvor schon beim Sozialen Netzwerk Facebook oder dem Musik-Streamingdienst Spotify investiert hatte. Dort entstand die Idee, die die beiden Rheinländer Pieczonka und Heintzenberg seitdem mit Leben füllen.

Das Start-up hat eigene Makler angeheuert und die Prozesse digitalisiert. Das Erstellen eines Exposé, die Terminvergabe, die Kunden-Akquise - McMakler hat die Prozesse immer weiter digitalisiert. "Dadurch kann der Makler nicht mehr nur drei oder vier Vermittlungen im Monat machen, sondern 20." Und auch die Preise sind angepasst worden. Statt mehrerer Monatskaltmieten zahlen die Kunden nun einen Festpreis ab 498 Euro. "Dem Vermieter war bislang herzlich egal, was der Makler am Ende verdient hat", sagt Heintzenberg. Als das Bestellerprinzip eingeführt wurde, sei es daher zunächst darum gegangen, einen angemessenen Preis für dessen Arbeit zu finden. Und der war natürlich niedriger: "Seitdem ist der Markt sehr preissensitiv geworden."

Bei den klassischen Maklern kam dieses Vorgehen entsprechend wenig gut an. "Viele Makler sahen uns damals als Bedrohung, wir haben sogar Briefe mit dem Bild eines Galgens bekommen - dabei hatten wir zu diesem Zeitpunkt noch keine einzige Wohnung im Portfolio", sagt Heintzenberg. Beim Maklerverband IVD beklagt man, dass die Einführung des Besteller-Prinzips für einige Makler existenzbedrohend sei. Viele Makler würden sich daher inzwischen auf den Verkauf von Objekten konzentrieren statt auf die Vermietung.

Doch auch diesen Bereich haben junge Gründer bereits im Visier, zum Beispiel das Kölner Start-up Homeday. Das Team um Steffen Wicker hat sich auf die Vermittlung von geeigneten Maklern an verkaufswillige Immobilienbesitzer spezialisiert. Im Erfolgsfall erhalten sie dafür von dem Makler eine Provision.

"Der Mietmarkt ist für uns gar nicht so spannend, weil er überraschend klein ist", sagt Steffen Wicker. Bei Verkäufen von Immobilien würden jährlich zwischen sechs und sieben Milliarden Euro Verkaufsprovisionen gezahlt, auf dem Miet-Markt seien es vor Einführung des Besteller-Prinzips nur 600 bis 700 Millionen Euro gewesen. "Jetzt dürften es nur noch 300 bis 400 Millionen sein, weil inzwischen schätzungsweise 30 Prozent der Vermieter ohne Makler arbeiten", sagt Wicker, der Erfahrungen als Gründer bereits mit dem Musikstreaming-Dienst Simfy gesammelt hatte.

Auch bei ihm und seinen Mitstreitern war es nicht nicht die Liebe zur Immobilienwirtschaft, die sie zu Gründern in diesem Bereich gemacht hat. Vielmehr waren es die negativen Erfahrungen mit Maklern - und die Erkenntnis, dass es auf diesem Markt noch viel Verbesserungspotential gibt.

Quelle: RP
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