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Düsseldorf
Mehr Wohnung fürs Geld?

Mieter in NRW können sich größere Wohnungen leisten als vor sechs Jahren
FOTO: Weber
Düsseldorf. Wohnraum wird immer teurer - so das weitverbreitete Gefühl. Eine Studie zeigt nun: Heutige Mieter können sich größere Wohnungen leisten als vor sechs Jahren. Von Maximilian Plück

Vor wenigen Tagen forderte NRW-Bauminister Michael Groschek (SPD) Bauherren auf, in den Städten stärker in die Höhe zu bauen. Auslöser für die Hochhauspläne ist der begrenzte Wohnungsmarkt. Doch wie angespannt ist die Lage? Eine Studie des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) legt nun nahe, dass sich die Deutschen heute im Schnitt eine größere Wohnfläche leisten können als 2010.

IW-Immobilienfachmann Ralph Henger hat für seine Erhebung einen Zusammenhang zwischen der Preisentwicklung der Warmmieten und dem Haushaltseinkommen hergestellt. Während die Mieten seit 2010 demnach um 10,2 Prozent stiegen, nahm das Einkommen um 11,5 Prozent zu. Wer ein Viertel seiner Einnahmen für die Miete ausgebe, bekomme durchschnittlich 94 Quadratmeter Wohnfläche. Am meisten Raum können sich Mieter im niederbayerischen Landkreis Dingolfing-Landau leisten: Hier reicht ein Viertel des Durchschnittseinkommens für 125 Quadratmeter. Schlusslichter sind die Studentenstädte Trier, Freiburg, Heidelberg und Würzburg mit nur 60 Quadratmetern.

Zwar weist auch Henger auf die Preisexplosion in den Großstädten hin. "Gleichwohl ist insgesamt betrachtet nur ein Teil der Bevölkerung betroffen, da sich die enormen Mietsteigerungen auf wenige Standorte konzentrieren, während in weiten Teilen der Republik die Mieten real kaum zulegen und teilweise auch zurückgehen", schreibt er. In nur 20 von 402 Kreisen mit einer Bevölkerung von 8,6 Millionen Einwohnern liege das Mietniveau über neun Euro pro Quadratmeter. Überdurchschnittliche Mietsteigerungen von jährlich mehr als 2,5 Prozent seit dem Jahr 2010 erlebten 29 Kreise mit 8,4 Millionen Menschen.

Beim Mieterbund erntete das Vorgehen des IW-Forschers harsche Kritik: "Ich kann mit diesen Rechenspielen überhaupt nichts anfangen", sagte Mieterbund-Geschäftsführer Ulrich Ropertz: "Das ist Zahlenakrobatik mit Durchschnittswerten." Wenn der VW-Vorstand und der Akademiker deutlich mehr verdienten, dann steige das Durchschnittseinkommen. Das heiße aber nicht, dass auch die unteren Lohngruppen entsprechend mehr bekommen hätten.

"Zudem hatten wir jüngst genügend Erhebungen, die zu gegenteiligen Ergebnissen gekommen sind. Gerade erst wurde in einer Studie von Jones Lang LaSalle vor einer Immobilienblase gewarnt, weil die Mieten im ersten Halbjahr derart stark angezogen sind", sagt Ropertz. Und das IW selbst habe in einer Studie erklärt, dass die Gefahr, in Armut abzurutschen, in Frankfurt und Hamburg bei 20 Prozent und in Köln sogar bei 27 Prozent liege. "Diese Menschen haben nicht in dem Maße Gehaltssteigerungen nachvollzogen, wie sie das IW jetzt zugrunde legt." Die Studie sage, der Staat müs se nichts machen, die Märkte regelten schon alles, und die Bautätigkeit sei ausreichend. "Das ist absoluter Unsinn. Im vergangenen Jahr lag die Neubautätigkeit trotz der Niedrigzinsen um gerade einmal 2399 Wohnungen höher als im Vorjahr. Die Fertigstellungsrate von 247.000 Einheiten ist extrem enttäuschend - zumal ein Gros davon Ein- und Zweifamilienhäuser ist." Von den Geschosswohnungen mit drei und mehr Wohnungen seien nur 105.000 hinzugekommen - die Hälfte davon als Eigentumswohnungen. "Wir müssen einfach festhalten, dass wir im unteren und mittleren Preissegment von den Mietwohnungen zu wenig haben. Es gilt leider der Spruch: Reich baut für Reich", kritisiert Ropertz. "Wir benötigen schnell mehr bezahlbaren Wohnraum." Es sei gut, dass der Bund seine Mittel für den sozialen Wohnungsbau 2017 auf 1,5 Milliarden Euro aufgestockt habe. "Es ist jetzt Sache der Länder, diese Mittel auch ordentlich abzurufen. Außerdem benötigen wir eine bessere steuerliche Förderung beim Mietwohnungsbau und eine Mietpreisbremse, die diesen Namen auch verdient." Tatsächlich brachte Justizminister Heiko Maas (SPD) gestern eine mögliche Verschärfung der Mietpreisbremse ins Gespräch.

Quelle: RP
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