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Brüssel
Minister fordert höhere Milchpreise vom Handel

Brüssel. Wütende Bauern blockieren EU-Viertel. EU-Kommission stellt 500 Millionen Euro Nothilfe bereit. Von Christopher Ziedler

Mit gewalttätigen Protesten, brennenden Barrikaden und ein durch Traktoren blockiertes Brüsseler Europaviertel haben Tausende Landwirte gestern gegen die Agrarpolitik demonstriert. Die vor allem aus Frankreich und Deutschland angereisten Milchbauern kritisieren, dass die ersatzlose Streichung der Milchquote im März den Preisverfall beschleunigt und viele Existenzen bedroht. Parallel berieten die EU-Landwirtschaftsminister in dem umlagerten Ratsgebäude über Maßnahmen, um den Milchmarkt wieder zu stabilisieren.

Zu Jahresbeginn bekamen Milchbauern noch 40 Cent für den Liter Milch. Im März, als viele Erzeuger in Erwartung des Quoten-Aus die Produktion hochgefahren hatten, waren es schon nur noch 32,5 Cent. Aktuell zahlen die Molkereien den Landwirten 30 Cent - bei Kosten pro Liter von 45 Cent.

Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) forderte vom Handel höhere Preise. "Milch ist gegenwärtig billiger als Wasser, das ist nicht in Ordnung. 55 Cent pro Liter ist deutlich zu wenig", sagte er. Ein Euro pro Liter im Handel sei dagegen ein Preis, mit dem auch die Landwirte leben könnten.

Von solchen Appellen halten die Bauern nichts. "Die Untätigkeit von EU-Agrarkommissar Phil Hogan und des deutschen Ministers Schmidt ruiniert Europas Milchbauern", sagte Belgiens Bauernfunktionär Erwin Schöpges. "Wir kämpfen für unsere Kinder und Großeltern, die unsere Höfe aufgebaut haben."

Nicht nur die Überproduktion gilt als Grund für den Preisverfall. Auch der im Zuge des Ukrainekonflikts von Russland verhängte Einfuhrstopp für europäische Agrarprodukte und die sinkende Nachfrage aus China spielen eine Rolle.

Der europäische Bauernverband fordert nun von der Politik eine Mengenkürzung: Für jeden nicht produzierten Liter soll die EU den Bauern den aktuellen Preis erstatten. Finanziert werden könnte mit jenen 900 Millionen Euro, die vom Quotensystem noch übrig sind. Zudem soll eine neue Marktordnung eingeführt werden, inklusive einer verpflichtenden Produktionskürzung als letztem Mittel. "Ohne eine Reduktion der Produktion wird sich der Markt weiter rapide verschlechtern", warnte der deutsche Bauern-Funktionär Romuald Schaber.

Die Politik denkt jedoch nicht daran, die Liberalisierung zurückzunehmen. Allerdings stellte die EU-Kommission gestern kurzfristig 500 Millionen Euro zur Verfügung, um Milcherzeuger und andere Landwirte vor dem Ruin retten. Das Geld könne unter anderem für zinsgünstige Darlehen und die Stabilisierung der Märkte genutzt werden, teilte die Brüsseler Behörde mit.

Quelle: RP
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