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Leverkusen
Monsanto: Bayer kann 75 Milliarden zahlen

Monsanto: Bayer kann 75 Milliarden Euro zahlen
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Leverkusen. Fünf Banken stellen Finanzmittel für die geplante Übernahme. 60 Milliarden Euro sind sicher, weitere 15 Milliarden Euro könnten hinzukommen. Dabei bietet Bayer bisher nur 55 Milliarden. Schon früher hatte Bayer Monsanto mal im Visier. Von Reinhard Kowalewsky

Der Bayer-Vorstand scheint sich auf einen längeren Zeitraum einzustellen, bis die Übernahme des US-Konzerns Monsanto gelungen ist. Der geplante Deal werde wohl "kein Sprint, sondern eher ein Marathon", erklärt Bayer-Chef Werner Baumann in einem gestern erschienen Artikel des "Handelsblatts". Die Finanzplanung wird entsprechend sorgfältig gestrickt: Der Dax-Konzern hat sich von fünf Banken eine Brückenfinanzierung von 60 Milliarden Euro gesichert und kann diese bei Bedarf auf bis zu 75 Milliarden Euro aufstocken. Das berichtete die Nachrichtenagentur Reuters gestern unter Verweis auf informierte Quellen.

Der Bayer-Konzern, der an der Börse nach einem Kursverlust von fast 20 Prozent nur noch 72 Milliarden Euro wert ist, gewinnt damit Zeit, um die endgültige Finanzierung auf die Beine zu stellen. Bayer wollte sich dazu nicht äußern.

Das hohe Finanzierungsvolumen ist darum auffällig, weil Bayer bisher nur gut 55 Milliarden Euro für Monsanto bietet. Aber Monsanto hatte das Angebot als zu niedrig zurückgewiesen, sich aber offen für Verhandlungen gezeigt - das deutet auf ein bevorstehendes hartes Verhandeln wegen des Preises und anderer Konditionen hin.

Ob und wann der Bayer-Vorstand seine Kaufofferte nachbessert, ist derzeit nicht absehbar. Baumann hatte in den vergangenen Tagen mehrfach von einer attraktiven Offerte für die Monsanto-Aktionäre gesprochen. Sie liegt 40 Prozent über dem Wert der Monsanto-Aktie kurz vor Ankündigung der Übernahme.

Würde Bayer das Angebot zurückziehen, würde den Aktionären von Monsanto jedenfalls ein massiver Rückschlag bei der Bewertung ihrer Papiere drohen.

Gelingt die Akquisition mit oder ohne Zuschlag, wäre sie die größte Übernahme eines deutschen Unternehmens im Ausland. Nur ein Deal mit deutscher Beteiligung war größer: Die Übernahme von Mannesmann durch den britischen Mobilfunkriesen Vodafone im Jahr 2000, die mit rund 190 Milliarden Euro bislang die teuerste aller Zeiten ist.

Es gibt allerdings einen großen Unterschied. Vodafone zahlte den Preis für Mannesmann mit einem Aktientausch und entlastete damit die Firmenkasse. Bayer will den ganzen Preis in bar bezahlen. Langfristig soll ein Viertel des Kaufpreises wohl durch eine Kapitalerhöhung reingeholt werden, den Rest sollen die Banken als Kredite beisteuern.

Dabei scheint Bayer die Übernahme auch zu planen, um selber aus der Defensive zu kommen. Laut "Handelsblatt" bot Monsanto-Chef Hugh Grant am 18. April bei einem vertraulichen Gespräch in Leverkusen an, dass Monsanto die Bayer-Sparte Bayer Cropscience kaufen könnte. Doch die Deutschen drehten nach drei Wochen Bedenkzeit den Spieß um und machten ein Übernahmeangebot. Damit verhindern sie auch, meinen Branchenbeobachter, dass Bayer möglicherweise zerschlagen wird: Monsanto könnte gemeinsam mit einem Pharmakonzern bieten - und das Duo würde sich dann die Beute teilen.

Bayer hat Monsanto schon länger im Visier: Schon vor fünf Jahren wurde eine Übernahme vom seinerzeitigen Vorstandschef Marijn Dekkers geprüft - sein Nachfolger Werner Baumann war damals Finanzvorstand. Aber Dekkers wagte den Deal bei anderer Marktsituation nicht.

Derweil erklärt die Bundesregierung, Deutschland werde sich aus der Übernahmeschlacht heraushalten. Nur die EU-Kommission werde bewerten, ob eine zu hohe Marktkonzentration bei Saatgut und/oder Pflanzenschutzmitteln drohe, falls Bayer Cropscience und Monsanto zusammengehen. Sicher ist, dass die beiden Konzerne Marktführer bei Agrarchemie würden.

Quelle: RP
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