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Leverkusen
Monsanto will mehr Geld von Bayer

Leverkusen. Der US-Konzern lehnt das Angebot aus Leverkusen als zu niedrig ab, kann sich grundsätzlich aber ein Zusammengehen mit Bayer vorstellen. Nun ringen die beiden Chefs, Hugh Grant und Werner Baumann, um Milliarden. Von Antje Höning

Der Übernahmekampf um Monsanto spitzt sich zu. Gestern tagte der Verwaltungsrat des umstrittenen Saatgut-Konzerns und lehnte das Übernahmeangebot der Bayer AG ab - vorerst. Monsanto sehe zwar die industrielle Logik eines Zusammengehens und könne sich auch gut den Leverkusener Konzern als Partner vorstellen, hieß es aus Konzernkreisen. Doch der Preis, den Bayer aufrufe, sei zu gering. Dabei bietet Bayer für Monsanto stolze 62 Milliarden Dollar (55 Milliarden Euro). Würde der Deal zu dem Preis zustande kommen, wäre er schon die größte Übernahme eines deutschen Konzerns. Und doch ist der Preis den Amerikanern noch nicht hoch genug. Bei der vergleichbaren Übernahme von Syngenta durch Chemchina sei, gemessen am Gewinn, mehr Geld geflossen, hieß es weiter bei Monsanto. Genau diese teure Preisschlacht fürchten die Anleger und hatten die Bayer-Aktie bereits vor Tagen auf Talfahrt geschickt.

Mit der ersten Antwort aus St. Louis, wo Monsanto seinen Sitz hat, ist das letzte Wort aber noch nicht gefallen. Monsanto wolle nur mehr Geld, halte sich ansonsten aber die Tür Richtung Bayer offen, lautet die Einschätzung in Branchenkreisen. Klar sei damit auch, dass BASF aus dem Rennen sei. Der größte deutsche Chemiekonzern hat ebenfalls Pläne für eine Monsanto-Übernahme durchgespielt, aber - zaudernd wie er ist - noch kein öffentliches Angebot vorgelegt. BASF würde nach einer Fusion von Bayer und Monsanto abgeschlagen auf Platz vier im Ranking der weltgrößten Agrochemie-Konzerne landen.

Damit ringen nun zwei Männer um die Vorherrschaft in der Branche: der Krefelder Werner Baumann, der erst seit drei Wochen an der Bayer-Spitze steht, und der Schotte Hugh Grant, der seit 2003 den weltgrößten Hersteller von gentechnisch verändertem Saatgut führt. Grant hat Agrar- und Wirtschaftswissenschaften unter anderem in Glasgow studiert. Seit den 1980er Jahren arbeitet er für Monsanto. In die gesellschaftliche Debatte um Gentechnik mischt er sich wenig ein. Und wenn doch, dann verteidigt er gerne Monsantos Produkte als Beitrag zur Ernährung der wachsenden Weltbevölkerung.

Baumann und Grant haben sich vor einem Monat in Leverkusen getroffen. Daraufhin schrieb der Bayer-Chef an Grant: "Sehr geehrter Herr Grant, vielen Dank, dass Sie die Initiative für unser Treffen am 18. April 2016 in Leverkusen ergriffen haben. Für mich war es eine gute Gelegenheit, Ihre Vorstellung von den Vorteilen eines global integrierten Agrargeschäfts kennenzulernen." In dem Brief unterbreitete Baumann auch gleich das nun auf dem Tisch liegende Übernahmeangebot.

In dem Gespräch soll man auch darüber gesprochen haben, wie es ist, wenn die Amerikaner die Deutschen übernehmen und nicht umgekehrt. Jedenfalls schließt Monsanto ein solches Vorgehen, womöglich mit Unterstützung potenter amerikanischer Industriefreunde wie dem Konzern Pfizer, nicht aus. Um die Amerikaner zu stoppen, kam Baumann ihnen mit seiner Offerte zuvor. Beeindrucken, bluffen, täuschen - im großen Übernahme-Monopoly ist alles erlaubt.

Um zu zeigen, wie sehr er selbst von dem Deal überzeugt ist, hat Werner Baumann jedenfalls schon mal Fakten geschaffen: Der Vater von vier Kindern deckte sich nun in großem Stil mit Aktien seines eigenen Konzerns ein. Seit Montag hat er 11.000 Bayer-Aktien gekauft, die knapp eine Million Euro wert sind, wie aus einer Stimmrechts-Mitteilung hervorgeht.

Die Bayer-Aktie ist seit Beginn des Pokers von 96 Euro auf zeitweise 84 Euro gefallen. Gestern legte sie um drei Prozent auf 87 Euro zu. Die Rating-Agentur Standard & Poors hat bereits gedroht, die Note für Bayers Kreditwürdigkeit wegen der hohen Risiken um zwei Stufen zu senken. Bayer bliebe aber noch immer eine solide Note (Investment Grade "BBB").

Quelle: RP
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