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Düsseldorf
Die Montessori-Elite

Diese Persönlichkeiten waren auf Montessori-Schulen
Diese Persönlichkeiten waren auf Montessori-Schulen FOTO: Vorbild: 33 Prozent der Henkel-Topmanager sind weiblich. Den Aufsichtsrat führt Simone Bagel-Trah. dpa
Düsseldorf. Einige der erfolgreichsten Firmengründer der Welt waren auf Montessori-Schulen. Die Pädagogik scheint Kreativität stark anzuregen. Von Reinhard Kowalewsky

Wie lautet ein Vorurteil gegenüber Schülern von Reformschulen wie Montessori und Waldorf? Für die Regelschule mit strengen Noten reichte es nicht - also besser auf die weniger rigiden Alternativschulen, da wird es schon klappen.

Die Erfolge früherer Reformschüler widerlegen die Einschätzung: Larry Page und Sergej Brin waren unabhängig voneinander auf Montessori-Schulen. Die Erfindung der Suchmaschine Google machte sie zu Milliardären. In ihrer Firma spiegelt sich die Mentalität bis heute wider: So wie Montessori-Schüler jede Woche einige Stunden an freigewählten Aufgaben arbeiten sollen, dürfen Google-Mitarbeiter einen Tag pro Woche eigene Ideen vorantreiben.

Amazon- und Wikipedia-Gründer

Auch bei Amazon als wichtigstem Online-Handel-Unternehmen der Welt ist der kreative Geist zu spüren: Gründer und Chef Jeff Bezos fragt bei jedem Widerstand nur "Warum nicht?", "Warum ist das so?" - typisch für Montessori-Absolventen wie ihn. Autoritär eine Linie vorzugeben ist dagegen weniger Bezos' Stil - der Börsenwert von 205 Milliarden Euro bestätigt das Vorgehen.

Dabei tun sich die Absolventen von Montessori-Schulen (und teilweise auch Waldorf) gerade beim Aufbau innovativer Unternehmen und bei kreativen Berufen hervor.

Jimmy Wales gründete die Online-Enzyklopädie Wikipedia, weil er als Kind gelernt hatte, stundenlang in Sachbüchern zu schmökern - die Pädagogin Maria Montessori (1870 bis 1952) legt in ihrer Theorie Wert auf eigenständiges Lernen. Will Wright wurde nach dem Besuch einer an ihrer Lehre orientierten Schule einer der erfolgreichsten Erfinder von Videospielen wie "SimCity" oder "Die Sims". Literaturnobelpreisträger Gabriel García Márquez lobt die Pädagogik seiner Montessori-Lehrer noch heute: "Es gibt wohl keine bessere Methode, um Kinder neugierig auf die Welt zu machen."

"Freude am Lernen und Leben"

Von einer "Montessori-Mafia" in den Unternehmen schrieb die US-Wirtschaftszeitung "Wall Street Journal". Und auch in Deutschland machen Absolventen von sich reden: Schauspielerin Heike Makatsch war auf der Düsseldorfer Montessori-Grundschule Farnweg. Als Absolventin des an Montessori orientierten Max-Planck-Gymnasiums (Düsseldorf) wurde Simone Bagel-Trah beim Waschmittel-Hersteller Henkel einzige Aufsichtsratschefin eines Dax-Konzerns, ist Aufsichtsrat von Bayer und baute eine kleine Forschungsfirma auf. Wie sie von ihrer Zeit auf der Reformschule profitierte, sagt sie klar: "Die Lehrer haben uns Freude am Lernen, Freude am Leben vermittelt."

Dabei kann keineswegs von einem einheitlichen Typ aller Montessori-Schulen gesprochen werden. Aber als Grundidee gibt es weniger Frontalunterricht, die Kinder werden teilweise jahrgangsübergreifend unterrichtet, die Förderung des Individuums zählt mehr als Disziplin in der Klasse. "Es geht da mehr um die ganzheitliche Entwicklung der Persönlichkeit", sagt der Bildungsforscher Heiner Barz von der Universität Düsseldorf, "und weniger um standardisiertes Lehren und Lernen."

Dies begeisterte auch die Royals in London: Die verstorbene Lady Di, eine frühere Kindergärtnerin, hatte ihre Söhne William und Harry auf Montessori-Schulen geschickt.

Konzept hebt den Anspruch

Die Alternativschulen profitieren von zwei Sonderfaktoren: Weil sie ein spezielles pädagogisches Konzept haben, bewerben sich auch nur besonders motivierte Lehrer - das hebt fast schon automatisch das Niveau, ähnlich wie bei den ersten Gesamtschulen in NRW, die in den 70er Jahren viele äußerst engagierte Pädagogen hatten.

Außerdem locken Reformschulen meist viele Eltern mit hohem Bildungsniveau oder zumindest hohem Bildungsinteresse an - die Unterstützung dieser Eltern wird eingefordert, alle Kinder profitieren.

Als Ergebnis sind die Abschlussnoten häufig relativ gut, obwohl der Unterricht individualistischer ist als es die Lehrpläne vorgeben. "Gerade in den USA haben Reformschulen den Vorteil, dass sie sich dem Diktat der rein quantitativen Tests widersetzen", sagt Anne Ratzki, früher Leiterin einer Kölner Gesamtschule und nun Vorsitzende des Instituts für Teamarbeit und Schulentwicklung. "In Deutschland haben viele Gesamtschulen und auch andere Schulen die Ideen von Gruppenarbeit oder verschiedenen Lernniveaus in einer Klasse übernommen, um den Kindern gerecht zu werden."

Quelle: RP
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