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Düsseldorf
München - Deutschlands wertvollste Stadt

Düsseldorf. Rechnet man die Börsenwerte der 14 in Dax, M-Dax und Tec-Dax gelisteten Unternehmen zusammen, kommt die bayerische Hauptstadt auf gut 258 Milliarden Euro - einsame Spitze. Walldorf rückt vor, der Verlierer ist Wolfsburg. Von Georg Winters

Lange Zeit schien das Zentrum der deutschen Wirtschaft in Frankfurt zu liegen. Da residierten mehrere Großbanken (neben der Deutschen Bank und der Commerzbank gab es ja auch mal die Dresdner Bank), die als Finanziers der deutschen und internationalen Wirtschaft eine entscheidende Rolle spielten; da ist Deutschlands größte Börse, und auch der größte Flughafen findet sich in der Metropole am Main.

Doch das Börsen-Herz der Republik schlägt 400 Kilometer südlich von Mainhattan - in München. In der jüngsten Analyse der Bonner Unternehmensberatung Simon, Kucher & Partners liegt die bayerische Hauptstadt erneut mit deutlichem Abstand auf Platz eins. Legt man die Börsenschluss-Kurse der im Dax-M-Dax und Tec-Dax notierten Aktien vom vergangenen Freitag zugrunde, kommt München auf einem zusammengerechneten Börsenwert von gut 258 Milliarden Euro. Weit abgeschlagen folgt Bonn, das seine Platzierung allein den Dax-Schwergewichten Deutsche Telekom und Deutsche Post verdankt. Der dritte Platz der 15.000-Einwohner-Stadt Walldorf kommt sogar durch ein einziges Unternehmen zustande, nämlich die Software-Firma SAP. Leverkusen wird Vierter dank Bayer und seinem Ableger Covestro.

SAP ist damit der große Aufsteiger in dieser Hitparade. Düsseldorf hält sich mit seinen sieben in den drei Indizes notierten Unternehmen in den Top Ten hinter Stuttgart (vor allem Daimler) und Ludwigshafen (BASF) mit rund 59,3 Milliarden Euro auf Platz sieben, knapp vor Frankfurt (59) und Essen (54,2). Die Landeshauptstadt profitiert von Henkel und dem Einzug des Wohnungskonzerns Vonovia in den Dax. Berlin ist mit dem Axel-Springer-Verlag und dem Online-Versandhändler Zalando erstmals unter den Top 20 vertreten. Der große Verlierer ist - wenig überraschend - Wolfsburg, das durch den Kursabsturz von Volkswagen aus der Spitzengruppe herausgefallen ist.

München dürfte in dieser Hitliste auf Jahre hinaus schwer zu schlagen sein. Zu viele Schwergewichte haben ihren Sitz in der Stadt, und sie sind breit über die Branchen verteilt: die Versicherungswirtschaft mit den Branchengrößen Allianz und Münchener Rück, der Autobauer BMW, der Elektronikriese Siemens, der Industriegasekonzern Linde. Das ist fundamental anders als in Städten wie Leverkusen und Wolfsburg, die stark an einem einzelnen Unternehmen hängen.

Die Bayer-Aktie beispielsweise verlor unmittelbar nach dem Bekanntwerden der Gespräche mit dem amerikanischen Agrarkonzern Monsanto sieben Prozent. Mehrere Milliarden Euro Börsenwert lösten sich zumindest vorübergehend in Luft auf, weil Übernahmen am Aktienmarkt stets als gut für den Übernahmekandidaten, aber als belastend für den potenziellen Käufer begriffen werden. Wolfsburg leidet extrem unter dem Abgasskandal, der den Kurs der im Dax notierten VW-Vorzugsaktie hat abstürzen lassen. Seit April 2015 hat das Papier knapp die Hälfte seines Wertes verloren.

Relevant ist eine solche Statistik natürlich auch als Indiz für die Steuerkraft eines Standortes. Denn wer viele große Unternehmen beherbergt, kann auch auf entsprechende Steuereinnahmen hoffen, und bei Misserfolg drohen Mindereinnamen. Andererseits spiegelt diese Statistik natürlich nicht komplett die Kräfteverhältnisse innerhalb Deutschlands. Denn bei vielen börsennotierten Konzernen prägen ausländische Investoren das Bild.

Quelle: RP
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