Allianz nimmt Prognose zurück: Münchener Versicherungskonzern in der Krise
zuletzt aktualisiert: 08.11.2008 - 10:26München (RPO). Der Münchener Versicherungskonzern Allianz ist wegen der Finanzkrise und Belastungen durch die Dresdner Bank ins Trudeln geraten. Im dritten Quartal schreibt der Konzern tiefrote Zahlen. Wie der größte europäische Versicherer am späten Freitagabend mitteilte, wurde unter dem Strich ein Verlust von zwei Milliarden Euro verbucht. Die Jahresprognose für das laufende und kommende Jahr wurde daraufhin zurückgezogen.
Allerdings fiel der Verlust geringer aus als von Analysten erwartet. Die Beobachter hatten im Schnitt ein Minus von 3,61 Milliarden vorausgesagt. Im Vorjahreszeitraum hatte die Allianz noch 1,9 Milliarden Euro verdient.
"Ohne eine umfassende Erholung der Aktienmärkte werden wir unser Ziel eines operativen Ergebnisses ohne das Bankgeschäft von neun Milliarden Euro in diesem Jahr und auch 2009 nicht erreichen können", teilte der Konzern mit. Zuverlässige Aussagen über künftige Erträge seien in diesem Umfeld kaum möglich.
Wegen des Verkaufs der Dresdner Bank an die Commerzbank werden die Ergebnisse der Tochter in allen operativen Erträgen und Ergebniszahlen für fortzuführende Geschäftsbereiche nicht mehr berücksichtigt. Aus diesem nicht-fortgeführten Geschäft resultiere im dritten Quartal ein Verlust von 2,6 Milliarden Euro. Dieser setze sich zusammen aus einem Nettoergebnis der Dresdner Bank von minus 1,2 Milliarden Euro sowie transaktionsbedingten Abschreibungen von 1,4 Milliarden Euro.
Negativer Trend
Das Nachsteuerergebnis der Allianz aus fortgeführtem Geschäft sank im dritten Quartal von 2,0 Milliarden auf 0,545 Milliarden Euro, teilte der Konzern weiter mit. Das operative Ergebnis fiel von zuvor 2,6 Milliarden auf 1,6 Milliarden Euro. Diese Ergebniskennziffern sowie der Umsatz, der sich von 21,9 Milliarden auf 21,1 Milliarden Euro verringerte, lagen unter den Analystenschätzungen.
Unverändert sieht sich die Allianz in einer soliden Position. "Wir haben unsere starke Kapitalposition und Solvabilität erhalten", wird Vorstandsmitglied Helmut Perlet in einer Pressemitteilung zitiert. Mit einem in den ersten neun Monaten auf 37,5 Milliarden von 47,8 Milliarden Euro gesunkenen Eigenkapital bliebe die Kapitalausstattung der Gruppe auf einem "hohen Niveau".
Den Angaben zufolge litten Umsatz und operativen Gewinn des Lebensversicherungs- und Asset-Management-Geschäfts unter den schwierigen Bedingungen am Kapitalmarkt. Die Schaden- und Unfallversicherung, das größere Geschäftssegment der Allianz Gruppe, habe sich hingegen widerstandsfähig gezeigt. An der Übernahme der Dresdner Bank durch die Commerzbank hat sich indes nichts geändert. "Der Verkauf der Dresdner Bank verläuft nach Plan", sagte Perlet.
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