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EU-Kommissar Oettinger warnt vor steigenden Kosten
Neue Energiekrise - Ausweg Fracking?

EU-Kommissar Oettinger warnt vor steigenden Kosten: Neue Energiekrise - Ausweg Fracking?
FOTO: dpa, Olivier Hoslet
Düsseldorf. EU-Energiekommissar Günther Oettinger warnt wegen der Krim-Krise vor steigenden Kosten für Öl, Gas und Benzin. Als Alternative empfiehlt er ein Modellprojekt für Fracking in Deutschland. Von Thomas Reisener

Der einzige Deutsche in der EU-Kommission, Günther Oettinger, kritisiert die pauschale Ablehnung von Fracking. Vor dem Hintergrund der Krim-Krise und der hohen Abhängigkeit Deutschlands von russischem Gas sagte der EU-Energiekommissar unserer Zeitung: "Deutschland könnte mit Fracking seine Importabhängigkeit auf Jahrzehnte verringern". Um den Deutschen "ein solides Urteil über die Vorteile und die Risiken dieser Technologie" zu ermöglichen, schlägt der EU-Spitzenbeamte seinem Land ein weltweit einmaliges Projekt vor: "Deutschland sollte an einem geeigneten Ort ein Demonstrationsprojekt zulassen, bei dem die neueste Generation der Fracking-Technologie zum Einsatz kommt".

Das Interview mit Günther Oettinger im Wortlaut finden Sie hier. 

Das heutige Fracking sei nicht mit den Anfängen dieser Technik zu vergleichen. "Bei einer deutschen Fracking-Referenzanlage könnten die besten Anlagenbauer, Ingenieure und Geologen der Welt zeigen, wie unter größtmöglichem Umwelt-, Trink- und Grundwasserschutz eine sehr wertvolle Energiereserve genutzt werden kann", lautet Oettingers Empfehlung.

Beim Fracking wird unter hohem Druck ein Chemie-Cocktail unter Tage gepresst. So lässt sich aus Gesteinsschichten Erdgas lösen und fördern, das noch vor wenigen Jahren unerreichbar zu sein schien. Die Gefahr lauert im Chemie-Cocktail. Er enthält so viel Gift, dass ihm das Umweltbundesamt ein "hohes Gefährdungspotenzial" bescheinigt. Zumal der Cocktail über undichte Rohre ins Grundwasser und so in die Nahrungskette gelangen kann.

Dennoch wird die Technik weltweit eingesetzt. Allein in den USA wird inzwischen in über 400 000 Bohrlöchern gefrackt. Der neue Gasrausch hat die USA zwischenzeitlich zum größten Erdgasproduzenten der Welt gemacht. Zugleich gingen die Gaspreise kräftig zurück. In Deutschland werden Vorläufer der Technik in sehr kleinem Umfang seit den 1970-er Jahren in Niedersachsen eingesetzt – fast ebenso lang laufen Bürgerinitiativen dagegen Sturm. "Wir sollten das Thema Fracking nicht vorschnell unseren Vorurteilen opfern", sagt Oettinger.

Mit Blick auf die Krim-Krise sagte der Kommissar: "Jede Krise bringt Veränderungen auf den Energiemärkten." Wirtschaftskrisen würden wegen der sinkenden Nachfrage zu fallenden Energiepreisen führen, politische Krisen wegen des gefährdeten Angebotes zu steigenden Energiepreisen. Die nächste Stufe im Ringen der EU um ein Einlenken Russlands beim Anschluss der Krim sei ein Exportverbot für europäische Hochtechnologieprodukte.

Mindestens 20 000 Menschen haben in verschiedenen deutschen Städten für die Fortsetzung der Energiewende demonstriert. Allein in Hannover und Kiel gingen am Samstag nach Polizeiangaben jeweils rund 5000 Menschen auf die Straße, in Düsseldorf und München je etwa 3000. Die Teilnehmer befürchten, dass die Bundesregierung den Ausbau der erneuerbaren Energien bremsen will. Die Protestveranstaltungen richten sich auch gegen den Einsatz von Fracking, das sie auf die gleiche Stufe wie die Atomenergie oder klimaschädliche Kohlekraftwerke stellen.

(pst)
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