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Düsseldorf
Neuer Google-Chef lässt die Maschinen lernen

Düsseldorf. Eine vermeintlich unspektakuläre Personalie sagt viel über Googles Bestrebungen aus: Künstliche Intelligenz soll die Suchmaschine noch präziser machen. Von Florian Rinke

John Giannandrea erwähnt oft den Computer von Captain Kirk aus Star Trek, wenn er über seine Träume spricht. Das Gerät konnte Fragen intelligent beantworten. Giannandrea kümmerte sich bei Google lange Zeit um die Entwicklung Künstlicher Intelligenz. Er arbeitete daran, dass Maschinen den Menschen besser verstehen. Ab dem 26. Februar wird er für die Internet-Suche bei Google verantwortlich sein. Dies kündigte Mutterkonzern Alphabet an.

Das ist ein Zeichen. Denn Giannandrea löst nicht irgendjemand ab, sondern Amit Singhal. Dieser ist Mitarbeiter Nummer 176 bei Google; ein Urgestein, das seit 15 Jahren in dem nicht mal 18 Jahre alten Unternehmen ist. Mit zwei Koffern sei er aus Indien in die USA eingereist, schreibt Singhal in einem Eintrag im sozialen Netzwerk Google Plus. In Zukunft wolle er sich um wohltätige Projekte kümmern. Auch Singhal, der im Himalaya aufwuchs, träumte von einem Computer wie in Star Trek. Doch die Umsetzung überlässt er nun Giannandrea. Die Entwicklung selbstlernender Computer wird damit wichtiger.

Digitale Vordenker prophezeien schon seit Jahren Maschinen mit menschenähnlicher Intelligenz. Sie seien in der Lage, sich selbst zu analysieren und anschließend eigene Software zu entwickeln, mit der sie noch intelligenter werden, heißt es.

Davon ist man allerdings noch weit entfernt. Zwar sind Computer Menschen etwa haushoch überlegen, wenn es um das Rechnen mit großen Zahlen geht. Andererseits sind sie nicht annähernd in der Lage, eine Diskussion zu führen. Auch wenn der Vergleich angesichts der Rechenkünste der Maschinen etwas hinkt, hat Giannandrea nicht unrecht, wenn er sagt: "Ein Computer ist wie ein vierjähriges Kind."

Doch wie lange gilt das noch? Mit gigantischen Datenmengen trainiert Google seine Algorithmen, lässt sie lernen, was auf Fotos zu erkennen ist, welche Zusammenhänge es zwischen Suchergebnissen gibt, kurz: Wie Menschen denken, lernen, leben. Früher musste man die Systeme noch genau anweisen, was sie lernen sollen. Heute können sie sich teilweise selbstständig Dinge beibringen. Der Mensch verliert ein Stück weit Kontrolle.

Aus der Sicht von Google überwiegen jedoch die Vorteile: Die Maschinen lernen den Menschen immer besser kennen, können ihm immer bessere Antworten geben, was die Nutzer erfreut. Und am Ende könnten sie vielleicht sogar mit dem Nutzer kommunizieren. Das sei der heilige Gral, hatte Giannandrea vor einiger Zeit mal gesagt. Und so ganz nebenbei lässt sich so auch noch besser Werbung vermarkten. Rund 19 Milliarden Dollar setzte Google damit im vergangenen Quartal um.

Giannandreas Vorgänger Singhal geht nicht im Streit. In Zukunft wolle er sich mehr um seine Familie und wohltätige Projekte kümmern. Dabei hat er das eigentlich schon in den vergangenen Jahren getan, wenn man ihm zuhört: "Ich liebe Google. Es ist ein Unternehmen, das davon überzeugt ist, die richtige Sache zu tun, das Gutes in dieser Welt tun will, das sich kümmert."

Quelle: RP
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