(RP) Nach BMW heuert nun auch Siemens den früheren Außenminister als Berater an. Zusammen mit seiner früheren US-Kollegin Madeleine Albright soll Fischer dem Mischkonzern bei "außenpolitischen Fragen" helfen.
Joschka Fischer und Madeleine Albright mögen sich. Sie nennt ihn "einen meiner wirklich guten Freunde", seit sie gemeinsam den Einsatz der Nato im Kosovo durchgesetzt und durchgestanden haben. Er bringt ihr zum Ehemaligentreffen der "X-Mins", zu dem sich frühere Außenminister regelmäßig versammeln, schon mal eine Brosche mit. Broschen sind Albrights persönliche Markenzeichen, so wie es die Handtaschen für Maggie Thatcher waren.
Nun hat Siemens Fischer (61) und Albright (72) "als Berater in außenpolitischen und unternehmensstrategischen Fragen gewonnen", wie der Mischkonzern mitteilte. "Das einzigartige Erfahrungsprofil und Netzwerk beider Persönlichkeiten flankiert die strategische Positionierung des Unternehmens als führender Lösungsanbieter" bei Megatrends wie der Globalisierung, so Siemens.
Schmiergeldskandal bei Siemens
Zuletzt hatte Siemens mit Globalisierung der besonderen Art Probleme: nämlich mit einem weltweiten Schmiergeldsystem, über das sich der Konzern Aufträge beschaffte. Der größte Schmiergeldskandal der deutschen Geschichte hat Siemens nicht nur viel Bußgeld (eine Milliarde Euro) gekostet, sonden auch viel Reputation. Albright und Fischer sollen nun offenbar dafür sorgen, dass der Name Siemens weltweit wieder einen besseren, sauberen Klang bekommt. Wie viel Geld beide für ihre Hilfe erhalten, will Siemens nicht verraten.
Für eine ähnliche Tätigkeit bei RWE, wo Fischer seit Juli aktiv ist, soll er einen sechsstelligen Euro-Betrag nehmen. Der Grünen-Politiker, der sich als hessischer Umweltminister häufig mit RWE angelegt hatte, berät den Essener Stromkonzern bei der Nabucco-Gaspipeline. Die 3300 Kilometer lange Röhre, die RWE zusammen mit anderen Unternehmen baut, soll ab 2014 Gas aus der kaspischen Region nach Österreich bringen. Das Gas dafür soll langfristig wohl auch aus dem Iran kommen. Damit ist das Projekt eine heikle politische Angelegenheit. Fischer selbst spricht von einer "diplomatischen Aufgabe", die der des Außenministers ähnle.
Siemens ist bereits der dritte deutsche Dax-Konzern, dem Fischer dient. Zusammen mit Albright ist der frühere Außenminister (1998 bis 2005) auch beim Autobauer BMW unter Vertrag. Die beiden Freunde beraten den Konzern bei der Entwicklung seiner Nachhaltigkeitsstrategie. Offizieller Partner von BMW ist zwar nur Fischer. Doch indirekt hat BMW Albright mit eingekauft. Sie gehöre "zu dem internationalen Netzwerk von Herrn Fischer, das BMW nutze wolle", hatte der Autobauer vor kurzem erklärt.
Zudem ist Fischer "Senior Strategic Counsel" bei einem von Albright gegründeten Beratungsunternehmen. Das hat zum Beispiel die Hafenverwaltung von Dubai beraten, die 2006 versuchte, mehrere amerikanischen Häfen zu kaufen. Der Coup misslang allerdings trotz der prominenten Unterstützung, weil die US-Regierung Sicherheitsbedenken hatte.
Einen Konflikt zwischen (früheren) Überzeugungen und seinem heutigen Job sieht Fischer nicht. Zu seinem Engagement für RWE sagt er, er verkaufe ja für die Essener keine Atomkraftwerke, sondern eine Gaspipeline. Und Siemens baut ja schließlich nicht nur Atomreaktoren, sondern ist auch in der Umwelttechnik stark. Da hatte Ex-Kanzler Gerhard Schröder schon mehr Probleme. Zusammen mit dem russischen Präsidenten Putin hatte er sich für die Ostseepipeline stark gemacht. Nach dem Ende von Rot-Grün wurde Schröder Chef des Ostseepipeline-Aufsichtsrats.
Weitere Fotos zu diesem Thema
Quelle: RP