(RP) Erstmals seit Verlängerung der Öffnungszeiten 2006 schließen die Geschäfte in NRW über Weihnachten dreieinhalb Tage. Einzelhändler befürchten Versorgungslücken – und ein Ausweichen der Kunden nach Holland.
Siebeneinhalb Wochen vor Weihnachten bereitet sich der deutsche Einzelhandel auf einen Ansturm kurz vor dem Fest vor – nicht nur wegen möglicher verkaufsoffener Sonntage in der Adventszeit, sondern auch wegen des überlangen Wochenendes ab Heiligabend. Konsumexperten rechnen mit Hamsterkäufen und warnen vor Versorgungsengpässen, da viele Verbraucher sich zu spät auf die verlängerte Weihnachtspause einstellen würden.
Hamsterkäufe erwartet
"Wir erleben ein Novum für Handel und Verbraucher", sagte Peter Achten, Hauptgeschäftsführer des Einzelhandelsverbandes NRW, unserer Zeitung. "Das wird für uns alle eine logistische Herausforderung." Zum ersten Mal seit Einführung der neuen Ladenöffnungszeiten erlebt der Handel ein dreieinhalbtägiges verkaufsfreies Weihnachten. An Heiligabend schließen alle Geschäfte um 14 Uhr.
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Sonntags-Regelung
Im NRW-Gesetz zur Regelung der Ladenöffnungszeiten heißt es: "Bei der Festsetzung der Öffnungszeiten ist auf die Zeit des Hauptgottedienstes Rücksicht zu nehmen. Von der Freigabe der [vier] Tage [...] sind drei Adventssonntage, 1. und 2. Weihnachtstag, Ostersonntag, Pfingstsonntag sowie die stillen Feiertage [...] ausgenommen."
Am ersten Weihnachtstag bleiben die Läden zu, am zweiten Feiertag dürfen fünf Stunden lang Blumen, Zeitschriften und Backwaren verkauft werden. Danach kommt der Sonntag – an dem dürfen die Ladentüren nur in Städten öffnen, die einen verkaufsoffenen Sonntag beantragt haben. Das gilt zum Beispiel für Leverkusen und Mönchengladbach. In NRW sind vier verkaufsoffene Sonntage pro Jahr erlaubt. Einer davon darf im Dezember liegen.
Der Hauptverband des deutschen Einzelhandels (HDE) hofft, dass das überlange Weihnachtswochenende keine negativen Folgen für den Umsatz hat. "Am Ende gleicht sich das wieder aus, weil die Kunden an anderen Tagen kommen", sagte HDE-Sprecher Hubertus Pellengahr unserer Redaktion. Trotz der Wirtschaftskrise hoffe die Branche auf ein gutes Weihnachtsgeschäft und damit einen versöhnlichen Jahresabschluss: "Die Konsumstimmung ist deutlich besser als vor einem Jahr, und auch damals sind die Umsätze gestiegen."
Ausnahmesituation an Bahnhöfen
Auf Verkaufsstress am Weihnachtsfest stellen sich die Betreiber von Supermärkten an Bahnhöfen ein. "Das ist eine Ausnahmesituation. Zum ersten Mal nutzen wir die Lagerflächen voll aus", sagt Olaf Oltmann, Chef des Stockheim-Supermarktes am Düsseldorfer Bahnhof. Für den dreitägigen Verkaufsmarathon – der Supermarkt bleibt von Freitag, 10 Uhr, bis Sonntag, 23 Uhr, durchgehend geöffnet – wird das Geschäft sogar umgestaltet.
"Wir brauchen mehr Kühlfläche für die Frischeprodukte als an normalen Wochenenden", sagt Oltmann. Erfahrungsgemäß fragten die Kunden an Feiertagen bevorzugt nach Creme fraiche, Butter, Eiern. Er rechnet mit bis zu 40 Prozent mehr Umsatz als an normalen Wochenenden. Am Kölner Hauptbahnhof geht die Kette von 50 Prozent mehr Kunden als sonst aus. Dort werden Lebensmittel am 25. Dezember von 8 bis 22 Uhr, am 26. und 27. jeweils von 6 bis 22 Uhr verkauft.
Not-Einkäufe auch an Flughäfen
Not-Einkäufe sind an den Festtagen auch an Flughäfen möglich. In Düsseldorf haben die Airport Arkaden an Heiligabend bis 17 Uhr geöffnet, am ersten und zweiten Feiertag von 9 bis 18 Uhr und am 27. Dezember von 7.30 Uhr bis 21 Uhr.
Wer in Grenznähe wohnt, kann nach Holland ausweichen. Venlo und Nimwegen haben einen ihrer "koopzondagen" auf den 27. Dezember gelegt. Zwischen 12 und 17 Uhr haben die meisten Geschäfte geöffnet. "Wir erwarten, dass es sehr voll wird", sagt ein Sprecher der Stadt Venlo. Der örtliche Albert Heijn XXL Supermarkt "Treff" öffnet sogar am 26. Dezember zwischen 12 und 18 Uhr.
In Roermond wird mit einem regelrechten Ansturm deutscher Kunden gerechnet, weil etliche Geschäfte in den großen Einkaufszentren ebenfalls am zweiten Feiertag geöffnet haben. So kann man an diesem Tag etwa in mehreren Supermärkten seine Vorräte bis 22 Uhr wieder auffüllen. Auch der 27. ist, wie alle anderen Sonntage im Jahr, in Roermond Einkaufssonntag.
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Quelle: RP