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Vodafone-Chef im Interview: "Handy-Tarife sinken weiter"

INTERVIEW: SILKE FREDRICH UND MARTIN KESSLER - zuletzt aktualisiert: 18.07.2007 - 06:53

Düsseldorf (RP). Vodafone-Chef Friedrich Joussen sieht trotz der gegenwärtigen Stagnation eine große Zukunft für die Mobilfunk-Anbieter. Er setzt auf Multimedia und Massen-Produkte statt auf Billig-Strategien.

Vodafone-Chef Friedrich Joussen steht Billig-Marken skeptisch gegenüber. Foto: Vodafone
Vodafone-Chef Friedrich Joussen steht Billig-Marken skeptisch gegenüber. Foto: Vodafone

Herr Joussen, welches Handy benutzen Sie persönlich?

Joussen Ich benutze viele Handys, um sie auszuprobieren. Mein ständiger Begleiter ist der Blackberry. Dieses Gerät, über das ich meinen gesamten E-Mail-Verkehr steuere, ersetzt sogar den Laptop.

Leiten Sie Vodafone per E-Mail?

Joussen Ja, der Blackberry hat das Papier ersetzt.

Welche Handys sind im Augenblick Ihre Bestseller?

Joussen Gut im Markt liegen Nokia und Sony Ericsson, weniger nachgefragt werden Motorola und Samsung, die noch vor kurzem die Bestseller waren.

Apple geht mit dem iPhone einen neuen Weg. 450 Euro kostet das Gerät.

Joussen Das liegt an der starken Marke und daran, dass Apple mit dem iPhone ein spezielles, hochpreisiges Marktsegment besetzen will.

T-Mobile hat angeblich den exklusiven Zuschlag für das iPhone bekommen. Passt diese innovative Marke nicht eher zu Ihnen?

Joussen Das iPhone ist ein interessantes Multimedia-Handy. Unabhängig von der Frage, wer es in Deutschland vertreiben wird, ist für mich die wichtigste Botschaft: Es gibt einen starken Trend zu Multimedia auf dem Handy, ein klarer Kontrapunkt zu der ganzen Billigdiskussion.

Die Telekom hat mit Congstar soeben eine eigene Billigmarke vorgelegt. Lässt Sie das kalt?

Joussen Ich halte nichts von Mehr-Marken-Strategien. Eine Billig-Marke kann gefährlich sein, wenn sie die Kernmarke kannibalisiert.

Congstar geht mit 19 Cent pro Gesprächsminute an den Start.

Joussen Da können wir gut mithalten. Unser durchschnittlicher Minutenpreis liegt bei 15 Cent.

Werden die Mobilfunk-Preise weiter sinken?




Joussen Die Preise für Mobilfunk kennen seit Jahren nur eine Richtung: nach unten, das wird auch künftig so sein.

Im Ausland kassieren Sie dann beim Roaming umso mehr.

Joussen Wir haben die Gebühren für Auslandsgespräche mit unserem Reiseversprechen in nur zwei Jahren um 40 Prozent gesenkt. Und wer bei uns das Reiseversprechen als Tarif bucht, wird auch in Zukunft besser gestellt als mit jedem aufgezwungenen EU-Tarif.

Sie mussten im vergangenen Jahr erstmals einen Umsatz- und Gewinnrückgang hinnehmen. Hat das Mobilfunk-Geschäft seinen Höhepunkt überschritten?

Joussen Das sehe ich ganz anders. Der Umsatzrückgang ist Ergebnis der sinkenden Mobilfunk-Preise. In Zukunft werden wir mit Datendiensten und dem Angriff auf das Festnetz stark wachsen.

Der Datenmarkt ist noch schwach.

Joussen Aber er kommt. Ich bin im globalen Innovation Board. In diesem Fünferkreis diskutieren wir die Zukunftstrends. Und ich bin sicher, dass unsere Branche noch eine große Zukunft vor sich hat.

Können Sie uns einige Trends nennen?

Joussen Wir werden in einiger Zeit ein neues Verkehrsinfo-System auf den Markt bringen. Anhand des Handy-Verkehrs können wir genau feststellen, wo ein Stau ist.

Was ist mit den großen Versprechungen durch den UMTS-Standard?

Joussen Auch dessen große Zeit wird noch kommen. Wenn die Sim-Karte, die in jedem Handy steckt, zur Bezahlung im Restaurant oder Supermarkt, als Eintrittskarte oder als Schlüssel genutzt werden kann, betreten wir einen ganz neuen Markt. Mit der Bahn haben wir bereits ein solches Modell in Arbeit.

Vodafone ist unter Kostendruck geraten. Was ist konkret geplant?

Joussen Wir achten immer auf unsere Kosten, und nicht erst, wenn es zu spät ist. Mit unserem Programm „Evolution Vodafone“ bündeln wir Gesamtleistungen für den Konzern. So werden einzelne Aktivitäten aus Einkauf, Finanzen und Personal nach Budapest ausgelagert.

Wie viele Mitarbeiter sind von der Auslagerung betroffen?

Joussen Eine konkrete Zahl gibt es noch nicht. Es werden aber deutlich unter ein Prozent unserer in Deutschland insgesamt 9000 Beschäftigten sein.



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