New York (RPO). Der seit längerem angeschlagene US-Mittelstandsfinanzierer CIT hat die fünftgrößte Pleite in der US-Geschichte hingelegt. Das Institut musste am Sonntag Insolvenz anmelden. Die deutsche CIT-Niederlassung ist von der Insolvenz formal nicht betroffen. Ohnehin hat CIT in Deutschland nach Angaben aus Branchenkreisen von Montag kein Einlagengeschäft und auch keine Vollbanklizenz. Das Finanzhaus sei in der Finanzierung bestimmter Industriezweige aktiv, unter anderem im Flugzeugleasing.
Seit Monaten versuchte das New Yorker Unternehmen, den Konkurs abzuwenden. Im Juli entging CIT dem Zusammenbruch nur knapp. Nun will sich die Bank unter dem Schutz des amerikanischen Insolvenzrechts neu organisieren und die Schuldenlast um zehn Milliarden Dollar drücken. Die Gläubiger haben dem Plan zugestimmt. CIT hofft, womöglich schon Ende das Jahres das Insolvenzverfahren abschließen zu können.
CIT betonte, nur die Holding sei von der Insolvenz betroffen. Die Geschäfte, hauptsächlich die Finanzierung Hunderttausender kleiner und mittelständischer Firmen in den USA, liefen weiter. Der Reorganisationsplan erlaube es, weiter "für die Finanzierung unserer kleinen und mittleren Firmenkunden zu sorgen, zwei Bereiche von lebenswichtiger Bedeutung für die US-Wirtschaft", sagte CIT-Chef Jeffrey M. Peek, der gleichzeitig seinen Rücktritt zum Jahresende ankündigte.
Schulden von 64,9 Milliarden Dollar
Das Geschäft von CIT in Deutschland mit rund 35 Mitarbeitern ist nach Angaben von Geschäftsführer Christian Bernhard nicht betroffen. Analysten wie der Chefvolkswirt der BayernLB, Jürgen Pfister, erwarten keine großen Auswirkungen auf die Konjunktur in Deutschland. Das sagte Pfister in einem Interview der Deutschen Welle.
Die Insolvenz von CIT ist die fünftgrößte Unternehmenspleite in der US-Geschichte - nach Lehman Brothers, Washington Mutual, WorldCom und General Motors und noch vor Enron. Nach Angaben der Bank stehen Werten von 71 Milliarden Dollar Schulden von 64,9 Milliarden Dollar gegenüber.
Mit der Insolvenz von CIT verlieren alle bisherigen Aktionäre ihr Geld. Auch den amerikanischen Steuerzahler dürfte das Insolvenzverfahren teuer zu stehen kommen. Die US-Regierung hatte CIT im vergangenen Jahr mit 2,3 Milliarden Dollar gestützt. Im Juli lehnte es die Regierung dann ab, der strauchelnden Bank mit einen weiteren Notkredit erneut zu Hilfe zu kommen.
Umschuldung gescheitert
In der vergangenen Woche hatte CIT noch einen Kredit über 4,5 Milliarden Dollar von seinen Anleihegläubigern erhalten. Zudem hatte das Finanzhaus Berichten zufolge Zahlungserleichterungen mit der Großbank Goldman Sachs sowie eine Kreditlinie von einer Milliarde Dollar mit dem Investment-Milliardär und CIT-Anleihebesitzer Carl Icahn ausgehandelt. Es gelang der Bank dennoch nicht, eine Umschuldung mit ihren Anleihegläubigern zu vereinbaren.
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Analysten sehen in der Insolvenz des Mittelstandsfinanzierers vor allem Risiken für zahlreiche Einzelhändler, die einen wichtigen Anteil der CIT-Kundschaft ausmachen. Die Waren für das wichtige Weihnachtsgeschäft seien zwar schon in den Lägern, sagte Craig Sherman, Vizepräsident des Einzelhandelsverbandes. Probleme könne es aber beiden Bestellungen für die Frühjahrssaison geben, falls die Kreditflüsse stockten.
Erst am Freitag hatte die US-Bankenaufsicht neun Kreditinstitute wegen Überschuldung geschlossen, darunter die renommierte California National Bank in Los Angeles. Damit stieg die Zahl der Bankenpleiten in diesem Jahr auf 115.
Quelle: RTR/pst