Berlin (RPO). Sechs Umwelt- und Verkehrsverbände haben sich zusammengetan, um die Zulassung der so genannten Gigaliner zu verhindern. Die 60 Tonnen schweren und 25 Meter langen Riesenlaster seien gefährlich und umweltschädlich, so ein Sprecher. Im Oktober will die Verkehrsministerkonferenz über die Einführung der "Monstertrucks" entscheiden.
Unter anderem in NRW läuft ein Pilotprojekt zur Einführung von Gigalinern. Foto: RP, Andreas Bretz
Mit einer Kampagne "Keine Monstertrucks" solle auf Sicherheitsrisiken und mangelnde Umweltverträglichkeit der Fahrzeuge hingewiesen werden, sagte der Geschäftsführer der Allianz pro Schiene, Dirk Flege, am Dienstag in Berlin.
Zurzeit liegt die Grenze - von Sondertransporten abgesehen - im grenzüberschreitenden Verkehr der EU bei 18,75 Meter Länge und 40 Tonnen Gesamtgewicht für einen Lastzug.
Die Gegner befürchten eine Umkehrung des derzeitigen Trends zur Verlagerung von Güterverkehr auf die Schiene. Für die Einführung dieser "Gigaliner" sprechen sich dagegen Teile der Industrie und Handelsverbände aus. Deren Argument, die höhere Nutzlast fasse das Transportvolumen von bisher drei Lastern auf zweien zusammen, wollten die Gegner nicht gelten lassen, da mögliche Emissions-Einsparungen durch den Verlagerungseffekt zurück auf die Straße mehr als wettgemacht würden.
Flege sprach von Gutachten, nach denen eine Umschichtung von 55 Prozent des derzeitigen Aufkommens im Kombinierten Verkehr auf die Straße erwartet werde.
Sicherheitsbedenken brachte Michael Gehrmann vom Verkehrsclub Deutschland vor. Die derzeitigen Straßen und Brücken seien für solche Massen nicht ausgelegt, zu schweigen von den Leitplanken. Zahllose Brücken seien ohnehin bereits marode, und die Kosten einer Ertüchtigung des Netzes, die der Steuerzahler tragen müsste, stünden in keinem Verhältnis zu dem volkswirtschaftlichen Nutzen der Fahrzeuge.
Die Einführung solcher Laster würde die Transportkosten weiter senken, argumentierte Dietmar Oeliger vom NABU. Straßentransport von Gütern sei zurzeit drei Mal energieaufwendiger als der Schienentransport, aber unverhältnismäßig billig, weil die Folgekosten der Allgemeinheit aufgebürdet würden. Eine Zulassung sei unvereinbar mit den Klimaschutzzielen der Bundesregierung, meinte er.
Pilotprojekte laufen
Am 9./10. Oktober will die Verkehrsministerkonferenz in Merseburg einen Beschluss zu Einführung oder Ablehnung treffen. Bisher sind die Ressortchefs der Länder uneins. In Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg gibt es Pilotprojekte.
Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee ist gegen die Zulassung. Laut Flege würde eine Einführung in dem größten EU-Land die allgemeine Zulassung in der Europäischen Union wahrscheinlich präjudizieren. In einzelnen Ländern, etwa Schweden und Finnland, sind sie schon erlaubt. Neben den genannten Verbänden gehören die Verkehrsgewerkschaften Transnet und GDBA sowie der BUND zu den Teilnehmern der Kampagne.
Quelle: ap