Krefelder Unternehmen: McZahn stellt Insolvenzantrag

VON THOMAS REISENER - zuletzt aktualisiert: 30.09.2008 - 21:28

(RP) Mit dem Slogan „Zahnersatz zum Nulltarif” und prominenten Aufsichtsräten hat die Krefelder McZahn AG für Aufsehen gesorgt. Jetzt kann sie ihre Rechnungen nicht mehr bezahlen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt weiterhin gegen McZahn-Gründer Werner Brandenbusch.

Die Idee war gut, das Ergebnis ist ein Scherbenhaufen: McZahn-Gründer Werner Brandenbusch (rechts). Foto: Thomas Lammertz
Die Idee war gut, das Ergebnis ist ein Scherbenhaufen: McZahn-Gründer Werner Brandenbusch (rechts). Foto: Thomas Lammertz

Die McZahn AG („Zahnersatz zum Nulltarif”) hat am Dienstag beim Amtsgericht Krefeld Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt. Das bestätigte ein Sprecher des Gerichts auf Anfrage unserer Redaktion. Vorläufiger Insolvenzverwalter ist Wolf-Rüdiger von der Fecht aus der Düsseldorfer Kanzlei Metzeler/van Betteray. „Unsere Konkursabteilung hat schon seit Tagen damit gerechnet”, sagte der Sprecher des Amtsgerichts. Aus der Kanzlei Metzeler/van Betteray hieß es gestern nur: „Die Fortführung des Betriebes wird angestrebt.”

Oliver Desch, der im Krefelder Behnisch-Haus eine McZahn-Zahnarztpraxis betreibt und nach internen Querelen der einzige noch verbliebene McZahn-Vorstand ist, führte die Zahlungsunfähigkeit auf „Altlasten aus der Ära Brandenbusch” zurück. Werner Brandenbusch hatte die McZahn AG vor zwei Jahren gegründet. Geschäftsidee: Zahnersatz aus China so billig zu importieren, dass Kassenpatienten sich ihn in Deutschland ohne Zuzahlung einsetzen lassen können.

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Und die Patienten?

McZahn wollte bis 2009 bundesweit 450 Zahnarzt-Praxen eröffnen. Gegenwärtig sind es sechs. In denen werden mehrere Tausend Patienten behandelt. „Deren Versorgung ist sicher”, sagt McZahn-Vorstand Oliver Desch, der zugleich die Praxis Krefeld betreibt.

„Unsere Konkursabteilung hat schon seit Tagen
damit gerechnet”

Später kam es zum Zerwürfnis zwischen Brandenbusch, Anteilseignern und Aufsichtsräten der McZahn AG, so dass Brandenbusch am 25. Juli 2008 aus dem McZahn-Vorstand ausschied. Wie berichtet, hat die Staatsanwaltschaft Wuppertal eine Razzia in den Privatwohnungen der damals noch drei McZahn-Vorstände veranlasst. Gegen Brandenbusch wird wegen des Verdachts auf Urkundenfälschung und Betrug ermittelt.

Gestern meldete sich ein McZahn-Insider mit neuen Vorwürfen zu Wort. Angeblich sollten Vermögenswerte, unter anderem die Rechte an dem Markennamen „McZahn”, auf den McZahn-Großinvestor Reiner Rosendahl übertragen werden. Und zwar zu einem Zeitpunkt, als die Insolvenz sich bereits abgezeichnete. Zu diesem Zweck hätte die McZahn AG in „BilligZahn” umbenannt werden sollen.

Das Amtsgericht Krefeld bestätigte auf Anfrage, dass es von Seiten McZahns tatsächlich den Versuch der Umbenennung gegeben habe. „Das ist aber gescheitert, weil der aktuelle Vorstand widersprochen hat”, so berichtet der Sprecher.

Rosendahl ist ebenfalls ein Krefelder Unternehmer, der unter anderem Solaranlagen anbietet. Er ist derzeit im Ausland und ließ ausrichten, dass er nicht zu sprechen sei. Die Staatsanwaltschaft Wuppertal erklärte, der Name Rosendahl sei im Zusammenhang mit den Ermittlungen gefallen. Die Vorwürfe seien „interessant”. Gegen Rosendahl werde bisher jedoch nicht ermittelt.

Die Staatsanwaltschaft Wuppertal findet die Vorwürfe „interessant”

Der Krefelder Rechtsanwalt Rainer Girmes, der seit Sommer den Aufsichtsrat der McZahn AG führt, bestritt gestern gegenüber unserer Zeitung, dass Vermögenswerte von der McZahn AG auf Rosendahl übertragen werden sollten. Er nannte diese Behauptung eine „Lüge”. Dagegen räumte er ein, dass die Namensrechte an „McZahn” in der Tat seit dem 25. Juni 2008 bei Rosendahl lägen. Übertragen habe sie Brandenbusch persönlich, der auch alleiniger Inhaber der Rechte an diesem Namen gewesen sei.

Rosendahl ist ein Ex-Schwager von Brandenbusch. Er wurde laut einem Auszug aus dem McZahn-Aktienbuch, das unserer Redaktion vorliegt, am 16. Mai vergangenen Jahres mit 7500 McZahn-Aktien zu je 60 Euro eingetragen. Girmes und seine Lebensgefährtin Evora stehen dort mit 2250 Aktien zu je acht Euro vermerkt.

Während Brandenbusch gegenüber unserer Redaktion an Eides statt versichert hat, dass Girmes über seine Lebensgefährtin zumindest zeitweilig McZahn-Aktionär war, hatte Girmes gegenüber unserer Zeitung gesagt: „Meine Lebensgefährtin hatte die Absicht, McZahn-Aktien zu kaufen, aber dazu kam es nicht, weil die Kapitalerhöhung nicht durchgeführt wurde.” Fakt sei: „Weder ich noch meine Lebensgefährtin haben je Aktien an McZahn besessen.”

Rosendahl und Brandenbusch gelten inzwischen als zerstritten. Der McZahn-Insider berichtet von einem Controller, den Rosendahl in das Unternehmen entsandt habe und der dort „haarsträubende Machenschaften” aufgedeckt habe. Dies sei der eigentliche Grund für den Rücktritt Brandenbuschs gewesen. Auch Brandenbusch war gestern für unsere Zeitung nicht erreichbar.

Quelle: RP

 
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Autor: Sobira | 02.10.08 10:56 (1/4)
Insolvenz McZahn
Ich halte die Recherche für unvollständig. Warum hat sich Herr Reisener nicht darum gekümmert, was mit den Praxen und den Mitarbeitern in der McZahn Zentrale passiert. Wäre doch auch sehr interessant....
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Autor: carou | 01.10.08 12:37 (2/4)
@stella-k
Bei einer solchen Aussage würde ich mich anstelle der Redaktion auch lieber absichern.. Und nichts Anderes lese ich hieraus!
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Autor: stella-k | 01.10.08 06:37 (3/4)
...gegenüber unserer Redaktion an Eides statt versichert...
hui, ist die RP jetzt geadelt worden und darf die Interviewpartner jetzt offiziell vernehmen???
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