(RP) Joshua Persky war ein gut verdienender Investmentbanker – bis die Finanzkrise seinen Arbeitgeber erwischte. Er hat die Hoffnung auf einen Job in der Branche noch nicht ganz aufgegeben. Viele seiner Kollegen schon.
Zahlreiche Broker mussten nach der Pleite der Lehman Group ihre Kisten packen. Foto: AP
„Meine Kinder wissen nicht, was eine Schallplatte ist oder ein Kassettenrekorder. Sie werden auch Bear Stearns, Lehman Brothers und Merrill Lynch nicht mehr kennen lernen.“ So beginnt Joshua Persky sein Tagebuch an dem Tag, an dem die Traditionsbank Lehman Brothers Konkurs anmeldet und der Notverkauf von der Investmentfirma Merrill Lynch besiegelt scheint. „Ich denke an alle, die jetzt arbeitslos werden. Hoffentlich findet ihr in diesen Zeiten schnell einen neuen Job!“
Das freilich ist nicht zu erwarten, und trotz seiner aufmunternden Worte weiß Persky das aus eigener Erfahrung genau. Bis zu Beginn dieses Jahres war der 48-Jährige ein gut verdienender Investmentbanker. Er lebte mit seiner Frau und zwei Kindern an der feinen Upper East Side in Manhattan, in einem Haus mit Portier und Swimming Pool. Dann erreichte die Finanzkrise seinen Arbeitgeber, die Investmentfirma Houlihan Lokey. Persky wurde entlassen, wie viele andere: Weltweit haben Banken schon über 100 000 Mitarbeiter vor die Tür gesetzt. Nun kommen tausende hinzu. „Den meisten wird es wohl ähnlich gehen wie mir“, sagt Persky.
Öffentlichkeitswirksame Aktion
Monatelang schrieb er Bewerbungen, telefonierte, fragte Freunde, ob sie von offenen Stellen wissen. Seine Rücklagen waren bald aufgebraucht, eine Arbeitslosenversicherung wie in Deutschland gibt es in Amerika nicht. Da kam er auf die Idee, als „Sandwich-Mann“ Reklame für sich selbst zu machen.
Eine Woche lang lief er, Schilder auf Bauch und Rücken, auf der Park Avenue in Midtown Manhattan herum. „Erfahrener MIT-Absolvent sucht Job“, war darauf zu lesen. MIT steht für die Elitehochschule Massachusetts Institute of Technology. Auf den Handzetteln, die er Passanten in die Hand drückte, stand sein Lebenslauf.
Die Aktion brachte ihm hunderte von mitfühlenden Anrufen und E-Mails ein. Die wenigen konventionellen Jobangebote haben einen Nachteil: Persky müsste auf Provisionsbasis arbeiten. „Ich möchte das eigentlich nicht, aber es scheint jetzt üblich zu sein. Vielleicht muss ich es annehmen?“
Möbel verkauft
Die schöne Wohnung ist aufgelöst, die meisten Möbel sind verkauft. Persky lebt jetzt bei seiner Schwester in New York, seine Frau ist mit den Kindern in die Provinzstadt Omaha (Nebraska) gezogen, zurück zu ihrer Mutter. „Es ist für uns beide eine schwierige Zeit. Manchmal macht sie mir Vorwürfe. Aber bisher hält sie zu mir“, sagt Persky.
Während er sich noch um Vorstellungsgespräche bemüht, haben andere die Hoffnung vorerst aufgegeben. Jessi Walter zum Beispiel, die fünf Jahre lang bei Bear Stearns als Brokerin gearbeitet hatte und im Juni die Kündigung erhielt. Die 27-Jährige hat jetzt das Unternehmen „Cupcake Kids“ gegründet, das Kochkurse für zwei- bis 16-Jährige anbietet. „Ich mag Kinder, und ich esse gern“, sagt Walter.
Das ist auch der Tipp, den Persky Kollegen gibt, die entlassen werden: „Schaut euch nach Jobs in anderen Branchen um, macht eure eigene Firma auf. Wartet nicht, bis sich der Finanzsektor erholt –das kann dauern.“
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Quelle: RP