Wolfsburg (rpo). Die Anhebung des Renteneintrittsalters scheint bei VW keinerlei Rolle zu spielen. Zusammen mit der IG Metall geht der Autokonzern genau in die gegenteilige Richtung. Im Rahmen einer neuen Altersteilzeitregelung ist der Ausstieg aus dem Arbeitsleben demnächst mit 58 Jahren möglich.
Bei VW ist die Rente ab 58 Jahren möglich. Foto: ddp
Die Gewerkschaft sieht in dieser Regelung unter anderem ein Zeichen gegen die Rentenpläne von Schwarz-Rot. "Wer in der Golfmontage im Akkord arbeitet, kann das nicht bis 67 tun", sagte Niedersachsens IG-Metall-Chef Hartmut Meine der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung". Ein VW-Sprecher nannte die Altersteilzeit ein "bewährtes Instrument".
Die VW-Tarifkommission der IG Metall stimmte einer für die Neuregelung notwendigen Änderung des Tarifvertrags am Donnerstag einstimmig zu, wie ein Gewerkschaftssprecher am Freitag in Hannover sagte. Kernpunkt ist demnach die Ausweitung der Altersteilzeit auf bis zu sieben Jahre. VW-Beschäftige können damit ab 55 Jahren zunächst dreieinhalb Jahren zu verminderten Bezügen weiterarbeiten und dann mit 58 Jahren und sechs Monaten in den Ruhestand gehen. Im Alter von 62 Jahren, also nach sieben Jahren Altersteilzeit, gehen sie dann vorzeitig in Rente.
Die VW-Regelung sieht nach Gewerkschaftsangaben vor, dass die Arbeitnehmer während der Altersteilzeit 85 Prozent des Gehalts bekommen. Dies wird durch zusätzliche Zahlungen des Unternehmens und der Bundesagentur für Arbeit (BA) möglich. Zudem werden die Abschläge für eine vorgezogene Rente halbiert. Die Regelung gilt zunächst für die 7000 VW-Beschäftigten der Jahrgänge 1952 bis 1954. Diese Beschränkung liegt darin begründet, dass 2009 die staatliche Förderung für die Altersteilzeit durch die BA auslaufen soll.
Die IG Metall will im Sommer eine Kampagne zur Verlängerung des Altersteilzeitgesetzes starten. Wenn dieses Gesetz wegfalle, werde das die Jugendarbeitslosigkeit erhöhen, sagte Meine der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung". Die Förderung ist einem Gewerkschaftssprecher zufolge nämlich daran gebunden, dass die Stelle eines während der Alterszeit in den Ruhestand gehenden Beschäftigten neu besetzt wird. Meist übernehmen demnach Auszubildende diesen Job.
Meine nannte die Rente mit 67 "arbeitsmarktpolitisch unverantwortlich". Dass der Bund die Einführung des höheren Renteneintrittsalters nun auch noch beschleunigen wolle, erinnere ihn "an einen Rennfahrer, der die Kontrolle über sein Fahrzeug verloren hat und nun noch mal Gas gibt." Die Bundesregierung hatte sich am Mittwoch darauf verständigt, die Rente mit 67 bis zum Jahr 2029 schrittweise einzuführen - und damit früher als zunächst vorgesehen.
Quelle: afp