(RP) Ein halbes Jahr, nachdem er den Chefposten beim Düsseldorfer Dax-Konzern Henkel übernommen hat, sorgt Kasper Rorsted mit einem Interview für Wirbel. In der FTD sagte der Däne: „Wenn ich den Konzern eines Tages verlasse, möchte ich gern eine deutlich bessere Mannschaft hinterlassen, als ich übernommen habe.“ Außerdem könne er auf Anhieb 50 Marken nennen, die so unbedeutend seien, dass Henkel sich von ihnen nach und nach verabschieden könne.
Henkel-Chef Kasper Rorsted hält 50 Marken des Unternehmens für unbedeutend. Foto: AP
Für unsere Zeitung war Rorsted gestern nicht zu erreichen. Die Henkel-Pressestelle bemühte sich derweil um Schadensbegrenzung: „Nein, es gibt keine Liste mit Marken, von denen wir uns trennen wollen“, sagte ein Sprecher. Richtig sei aber, dass Henkel im Vergleich zu den Wettbewerbern wie Procter & Gamble mit weltweit 750 Marken ein erheblich größeres Portfolio habe. Procter & Gamble, fünfmal größer als Henkel, hat nicht einmal 50 Marken im Programm.
Die ganze Branche weiß: Diese Vielzahl an Marken ist einer der Gründe, warum sowohl Procter & Gamble als auch Unilever inzwischen ungleich profitabler sind als Henkel. „Henkel wird sich mittelfristig auf seine erfolgreichen Marken konzentrieren“, sagte der Sprecher. „Erfolg hat aber nicht nur was mit Größe zu tun. Auch lokale Marken können erfolgreich sein.“
Die Marken-Diskussion bei Henkel ist deshalb brisant, weil der Konzern kürzlich den Abbau von weltweit 3000 Arbeitsplätzen angekündigt hatte, davon 1000 in Deutschland. Details dazu nannte Henkel gestern nicht.
Der Betriebsrat von Henkel war gestern nicht zu sprechen. Peter Hausmann, Nordrhein-Chef der Gewerkschaft IGBCE, zeigte sich gegenüber unserer Zeitung verwundert über Rorsteds Wunsch nach einer besseren Mannschaft: „Die bisherige Führung von Henkel war doch recht erfolgreich“, so Hausmann, „gerade im Hinblick auf das Miteinander von Arbeitnehmern und Arbeitgebern.“
Auch bei Henkel habe es immer wieder Personalmaßnahmen gegeben. Diese seien aber immer rechtzeitig mit den Gewerkschaften und Betriebsräten besprochen worden, so dass am Ende stets für alle vertretbare Lösungen gefunden worden seien. „Solche Äußerungen legen nahe, dass dieser Stil unter der neuen Führung in Gefahr ist“, sagte Hausmann. Das sei auch gefährlich für das Unternehmen: „Das Wir-Gefühl bei Henkel war immer sehr ausgeprägt. Auch deshalb haben die Mitarbeiter sich dort besonders engagiert.“
Der Henkel-Sprecher will Ror- steds Wunsch nach einer besseren Mannschaft allgemeiner verstanden wissen. Ein Konzern, der sich einem so dynamischen Wettbewerb stelle, müsse sich ständig wandeln, um an der Spitze bleiben zu können. „Jeder Konzern muss immer besser werden wollen“, so der Sprecher.
Quelle: RP