Bonn (RPO). Die Deutsche Telekom hat offenbar nicht nur Aufsichtsräte der Arbeitnehmerseite und Journalisten bespitzelt. Auch Betriebsräte und weitere Mitarbeiter des Konzerns sollen von dem Datenmissbrauch betroffen sein. Damit könnte die Spitzelaffäre noch größere Dimensionen annehmen.
Die Telekom erklärte am Dienstag, dies habe die Staatsanwaltschaft Bonn dem Unternehmen mitgeteilt. Die Anklagebehörde benachrichtigt den Angaben zufolge jetzt erste Betroffene über den Missbrauch ihrer Daten.
Das bei der Telekom für Datenschutz zuständige Vorstandsmitglied Manfred Balz sagte, er habe bereits von einem "monströsen Angriff" auf die Pressefreiheit und die Mitbestimmung gesprochen.
"Dass auch Betriebsräte bespitzelt wurden, die unter dem Schutz der Betriebsverfassung die Arbeitnehmerrechte wahren und das besondere Vertrauen der Belegschaften genießen, gibt den ungeheuerlichen Vorgängen eine zusätzliche Dimension der Anstößigkeit", fügte er hinzu.
Die Telekom kündigte an, sich "in angemessener Form" zu entschuldigen, sobald man die Namen der Betroffenen erfahren habe. Man gehe davon aus, dass im Laufe des Verfahrens die Namen der weiteren Geschädigten bekannt würden. Das Unternehmen betonte, man habe bei den internen Untersuchungen der Vorfälle die Namen der betroffenen Anschlussinhaber aus straf- und datenschutzrechtlichen Gründen nicht selbst ermitteln dürfen.
Telekom hatte im Mai Anzeige erstattet
Das Unternehmen hatte Mitte Mai Strafanzeige erstattet, nachdem intern aufgedeckt worden war, dass Journalisten, Aufsichtsräte und eventuell auch Vorstandsmitglieder von der Konzernsicherheit bespitzelt worden waren. Durch den Abgleich von Verbindungsdaten sollte eine undichte Stelle bei dem Unternehmen gefunden werden, durch die sensible Informationen an die Medien sickerten.
Die bisher bekanntgewordenen Fälle datierten auf die Jahre 2005 und 2006. Die Nachforschungen der Staatsanwaltschaft richtete sich vor allem gegen acht Personen, darunter den ehemaligen Telekom-Vorstandsvorsitzenden Kai-Uwe Ricke und den früheren Aufsichtsratschef Klaus Zumwinkel.
Bei der Durchsuchung zahlreicher Büros hatten die Ermittler Ende Mai nach eigenen Angaben zwei Lastwagenladungen an Unterlagen sichergestellt.
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Quelle: ap