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Pop-Ökonomen: Norbert Walter - der Wettermann der Konjunktur

VON THOMAS WELS - zuletzt aktualisiert: 13.01.2006 - 08:12

Düsseldorf (RP). Der Durchbruch kam mit dem Mauerfall: Keine Debatte über die deutsche Einheit fand mehr ohne Volkswirte statt. Die Zunft der Ökonomen stieg herab aus ihren Elfenbeintürmen und ein paar Superstars haben es zu regelrechten Wanderpokalen gebracht: Wie Jörg Kachelmann das Wetter erklärt, ist fast schon täglich auf irgendeinem Sender ein Ökonom in einer Talk-Show zu hören. Er erklärt den Dollar, den Arbeitsmarkt oder gibt Prognosen über das Wirtschaftswachstum ab.

Norbert Walter, der Chefvolkswirt der Deutschen Bank, ist der längstgediente Homo Oeconomicus in eigener Sache. Der Mann mit dem leicht angegrautem Vollbart und der geschliffenen Rhetorik ist seit über 30 Jahren im Geschäft, was ihn in der Überzeugung festigt, er sei nicht nur einer der Bekanntesten sondern auch der Beste seines Fachs. Aber auch ein Walter kann irren, wie jüngst Tagesthemen-Moderator Ulrich Wickert zur besten Sendezeit kunstvoll einem Millionen-Publikum Nahe brachte: „Im vergangenen Jahr haben sie zwei Prozent Wachstum vorhergesagt.“ Damit landete der Chef der Deutsche Bank Research auf dem letzten Platz in der Rangliste der Konjunktur-Propheten.

Dennoch gilt Walter in der Branche und auch unter Kollegen als „ausgezeichneter Volkswirt“, allerdings als einer, der zuweilen arg zuspitzt, arrogant ist und sich gerne selbst in Szene setzt. Wie auf seiner Homepage www.norbert-walter.de zum Beispiel. Mit den verschiedenen Rubriken wie „Walters Web Winkel“, „Walter verzweifelt gesucht“ oder „Ein Fall für Walter“ feiert die Deutsche Bank Research den Volkswirten wie einen Superstar, der auch schon mal seinem obersten Chef im Geldhaus widersprechen darf.

„Sie soll einen kurzen Überblick über die Vielseitigkeit von Herrn Professor Walter geben“, erläutert DB Research die Rubrik „Ein Fall für Walter“dem geneigten Leser. Walter ist der Anspitzer unter den Ökonomen. Im Dezember etwa forderte er weniger Geld für Alte und Azubis: „Wir sollten die Alten und die Lernenden bitten, mit weniger Geld zufrieden zu sein.“

Solcherlei Profilierung habe denn auch in den siebziger Jahren zum Bruch mit seinem Mentor Herbert Giersch, dem langjährigen Chef des Kieler Instituts für Weltwirtschaft, geführt, heißt es. Walter war damals als Konjunkturchef quasi die Stimme des Instituts, war federführend an den Gemeinschaftsgutachten zur Konjunkturlage der führenden Wirtschaftsforscher Deutschlands beteiligt. Vielen ist unvergessen, wie Walter als einziger die Rezession 1980 bis 1982 vorhersagte. Allerdings können Kollegen auch von der Arroganz des Ökonomen berichten. „Ich halte hier doch keine Seminare für Zweitsemester“, ist ein überliefertes Zitat.

Und auch das wird weiter getragen: In der Deutschen Bank amüsiere man sich gerne über den 61-jährigen Chefvolkswirt. Ernst genommen werde indes Thomas Mayer, Chief European Economist, mit Sitz in London. Walters Sitz ist in der Frankfurter Taunusanlage. Und dort sei er mehr als Aushängeschild denn als Ratgeber für die Geschäftspolitik der Bank tätig. Das Themenspektrum des Hobby-Kochs und Asketen klingt denn auch nach buntem Allerlei: von der Fußall-Weltmeisterschaft über Führungsqualität und Ethik bis hin zu Zinsen und Öl bearbeitet Walter alles, was mit Wirtschaft zu tun hat. Fast ein Universalgelehrter.

Quelle: Rheinische Post

 
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